Die Suche nach einem universellen Roboter-Gehirn nimmt Fahrt auf. Berichten zufolge stehen SoftBank Group und NVIDIA kurz davor, eine Finanzierungsrunde von über einer Milliarde US-Dollar für das Startup Skild AI anzuführen. Dieser Deal könnte das in Pittsburgh ansässige Unternehmen mit rund 14 Milliarden US-Dollar bewerten, was fast einer Verdreifachung seiner Bewertung seit einer Finanzierungsrunde der Serie B Anfang dieses Jahres entspricht. Sollte die Vereinbarung zustande kommen, wäre dies ein entscheidender Moment für den Bereich der verkörperten KI und würde signalisieren, dass Investoren allgemeine Robotersoftware als eine eigenständige und möglicherweise wertvollere Anlageklasse betrachten als die Hardware selbst.
Wichtige Erkenntnisse
- Skild AI könnte mit 14 Milliarden Dollar bewertet werden.
- SoftBank und NVIDIA führen die Finanzierungsrunde an.
- Das Unternehmen entwickelt ein „Omni-Bodied Brain“ für Roboter.
- Diese Technologie ermöglicht Robotern eine schnelle Anpassung an neue Bedingungen.
- Der Fokus verschiebt sich von Hardware zu Software in der Robotik.
Das „Omni-Bodied Brain“: Eine neue Ära der Robotik
Die hohe Bewertung von Skild AI, die weit über der von Wettbewerbern liegt, scheint durch den einzigartigen technischen Ansatz des Unternehmens bedingt zu sein. Während andere Startups ihre Software auf spezifische Roboterplattformen zuschneiden, setzt Skild AI auf massive Simulationen. Ziel ist es, ein sogenanntes „Omni-Bodied Brain“ zu entwickeln. Dieses Gehirn soll in der Lage sein, eine Vielzahl unterschiedlicher Roboterkörper zu steuern, unabhängig von deren physischen Eigenschaften.
Ein kürzlich veröffentlichter technischer Blogbeitrag des Skild AI-Teams beschreibt ein Trainingsregime, das 100.000 verschiedene simulierte Roboter über „Jahrtausende simulierter Zeit“ umfasst. Die Grundidee ist, dass ein KI-Modell, das gezwungen ist, ein „Multiversum“ von Körpern zu steuern – von Vierbeinern über Hexapoden bis hin zu Humanoiden – nicht auf spezifische Bewegungsmuster für ein einzelnes Chassis „überpasst“ oder diese auswendig lernt. Stattdessen entwickelt das Modell angeblich kontextbezogene Lernfähigkeiten, die es ihm ermöglichen, sich in Echtzeit an physische Veränderungen anzupassen.
Fakt
Skild AI beansprucht, dass sein „omni-bodied brain“ ein einziges KI-Modell befähigt, ein „Multiversum“ verschiedener Roboterkörper zu steuern.
Anpassungsfähigkeit in Extremsituationen
Das Unternehmen hat mehrere „Zero-Shot“-Experimente durchgeführt, um diese Fähigkeiten zu demonstrieren:
- Verlust von Gliedmaßen: Wenn einem simulierten Roboter ein Bein „abgeschnitten“ wurde, kämpfte das Modell 7-8 Sekunden, bevor es eine neue Fortbewegungsstrategie mit großen Amplitude-Schwüngen fand.
- Blockierte Räder: Blockierten die Räder eines Roboterfahrzeugs, erkannte das Gehirn den Fehler und wechselte autonom zu einem Gehgang.
- Stelzen: Als einem Roboter Stelzen angebracht wurden, die seinen Schwerpunkt erhöhten, passte das Modell die Fußplatzierung an, um das Gleichgewicht zu halten, ohne zu fallen.
„Das Leben ist unvorhersehbar, und nur diejenigen, die sich anpassen können, überleben“, erklärt Skild AI. Dieser Ansatz soll biologisches Überleben nachahmen.
SoftBanks strategische Neuausrichtung
Für SoftBank und Masayoshi Son wäre diese Investition der „Gehirn“-Teil einer umfassenden Strategie für die Robotikbranche. SoftBank hatte in der Vergangenheit Schwierigkeiten mit der vertikalen Integration in der Robotik, insbesondere mit dem Roboter Pepper, der keinen breiten kommerziellen Erfolg erzielte. Das Konglomerat hat sich jedoch kürzlich einem Portfolioansatz zugewandt.
Auf der Hardware-Seite hat SoftBank die Robotiksparte von ABB für 5,4 Milliarden Dollar erworben und sich an einer Finanzierungsrunde für Agility Robotics, den Hersteller des zweibeinigen Roboters Digit, beteiligt. Durch die Kapitalzufuhr in Skild AI könnte SoftBank theoretisch darauf abzielen, die „universelle“ Software von Skild in seiner wachsenden Bibliothek von industriellen und logistischen Hardware-Assets einzusetzen.
Hintergrund
SoftBank hat in der Vergangenheit mit eigenen Robotik-Produkten wie dem Pepper-Roboter Schwierigkeiten gehabt. Nun setzt das Unternehmen auf eine Portfolio-Strategie, die sowohl Hardware-Akquisitionen als auch Investitionen in fortschrittliche Softwarelösungen umfasst.
Ein dichtes Feld „universeller“ KI-Gehirne
Der Bericht unterstreicht eine schnelle Verschiebung des Risikokapitalfokus von Hardware-Herstellern zu Anbietern von „Intelligenz“. Skild AI konkurriert nun in einem überfüllten, hochriskanten Bereich:
- Physical Intelligence (Pi): Unterstützt von Jeff Bezos und CapitalG, setzt Pi auf eine Mischung aus Reinforcement Learning und realen Daten.
- Flexion: Das Zürcher Startup hat kürzlich 50 Millionen Dollar gesammelt, um das „Android der Humanoiden“ zu bauen, wobei der Fokus speziell auf einem dreischichtigen Autonomie-Stack liegt.
- OpenMind: Dieses Startup verfolgt einen dezentralen Ansatz und verkauft ein „BrainPack“-Hardware-Kit zur Nachrüstung bestehender Roboter mit Intelligenz.
NVIDIAs Beteiligung an den Gesprächen mit Skild AI zeigt, dass der GPU-Riese weiterhin als wichtiger Akteur in der Branche agiert. NVIDIA hat inzwischen in fast jeden großen Akteur in diesem Bereich investiert oder Partnerschaften geschlossen, darunter Flexion, OpenMind und Physical Intelligence. Dies stellt sicher, dass, egal welches „Gehirn“ gewinnt, es wahrscheinlich auf NVIDIA-Silizium laufen wird.
Der Deal zwischen SoftBank, NVIDIA und Skild AI befindet sich noch in Verhandlung. Reuters weist darauf hin, dass sich Details vor dem erwarteten Abschluss Ende Dezember noch ändern könnten. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass die Zukunft der Robotik nicht nur in der Hardware, sondern zunehmend in der Intelligenz und Anpassungsfähigkeit der dahinterstehenden Software liegt.





