Das chinesische Robotikunternehmen Robotera hat eine Finanzierungsrunde der Serie A+ in Höhe von fast 1 Milliarde RMB (rund 140 Millionen US-Dollar) abgeschlossen. Diese massive Kapitalspritze, angeführt von Geely Capital und mit Beteiligung von BAIC Capital, soll die Industrialisierung und den breiten Einsatz humanoider Roboter in verschiedenen Sektoren vorantreiben. Das Unternehmen meldet bereits kommerzielle Aufträge im Wert von 70 Millionen US-Dollar für das Jahr 2025.
Wichtige Erkenntnisse
- Robotera erhält 140 Millionen US-Dollar in der Serie A+ Finanzierungsrunde.
- Führende Automobilhersteller wie Geely und BAIC sind als Investoren beteiligt.
- Das Unternehmen hat bereits Aufträge im Wert von 70 Millionen US-Dollar für 2025 gesichert.
- Der Fokus liegt auf industriellen Anwendungen in Logistik, Fertigung und Dienstleistungen.
- Über 95% der Hardwarekomponenten sind eigenentwickelt.
Strategische Investitionen treiben Industrialisierung voran
Während viele andere führende chinesische Unternehmen im Bereich humanoide Robotik den Börsengang anstreben, um Kapital zu beschaffen, hat sich Robotera für eine bedeutende private strategische Kapitalzufuhr entschieden. Die Finanzierungsrunde wurde von Geely Capital angeführt. Auch BAIC Capital, der Beijing Artificial Intelligence Industry Investment Fund und der Beijing Robot Industry Development Investment Fund beteiligten sich.
Diese starke Beteiligung großer Automobilhersteller wie Geely und BAIC, ergänzt durch frühere Unterstützung von Alibaba, Haier Capital und Lenovo, verdeutlicht einen Wandel in der Branche. Der Fokus verschiebt sich von reiner Forschung und Entwicklung hin zur industriellen Anwendung und Skalierung. Robotera plant, die neuen Mittel für die Bereitstellung seiner L7-Robotereinheiten zu nutzen, um die bereits vorliegenden Aufträge zu erfüllen.
Zahlen und Fakten
- 140 Millionen US-Dollar: Gesamtsumme der Serie A+ Finanzierungsrunde.
- 70 Millionen US-Dollar: Wert der gesicherten kommerziellen Aufträge für 2025.
- 95%: Anteil der eigenentwickelten Hardwarekomponenten.
- Größter Einzelauftrag in der Logistik: rund 7 Millionen US-Dollar.
70 Millionen US-Dollar an kommerziellen Aufträgen
Die wohl wichtigste Kennzahl, die neben der Finanzierung bekannt gegeben wurde, ist die kommerzielle Zugkraft von Robotera. In einer Zeit, in der Skepsis gegenüber der Rentabilität von Mehrzweck-Humanoiden herrscht, meldet Robotera über 500 Millionen RMB (rund 70 Millionen US-Dollar) an kommerziellen Aufträgen für das Jahr 2025. Diese Aufträge verteilen sich auf die Bereiche Logistik, Fertigung und kommerzielle Dienstleistungen.
Zu den Kunden gehören namhafte Unternehmen wie Geely, Renault, SF Express, TCL und Haier. Der größte Einzelauftrag, der Berichten zufolge aus dem Logistiksektor stammt, hat einen Wert von fast 50 Millionen RMB (rund 7 Millionen US-Dollar). Dieser kommerzielle Erfolg spiegelt die jüngsten technischen Fortschritte des Unternehmens wider.
Robotera präsentierte kürzlich eine „End-to-End“-Logistiklösung, bei der sein humanoider Roboter L7 die Artikelentnahme automatisiert. Dies ist ein direkter Versuch, die „flexible Kommissionierlücke“ in Lagern zu schließen.
Der „Automobilhersteller“-Vorteil
Die führende Rolle von Geely und BAIC in dieser Finanzierungsrunde ist kein Zufall. Die Automobilfertigung gilt weithin als die „Killer-Applikation“ für humanoide Roboter. Dies liegt an den strukturierten Umgebungen in Fabriken und dem anhaltenden Arbeitskräftemangel. Xi Yue, Mitbegründer von Robotera, erklärte, dass die Kommerzialisierungsstrategie des Unternehmens darin besteht, Einsatzszenarien an die technologische Reife anzupassen.
"Unsere Kommerzialisierungsstrategie beinhaltet die präzise Anpassung von Einsatzszenarien an die jeweilige technologische Reife. Das ermöglicht es uns, Roboter dort einzusetzen, wo sie den größten Mehrwert schaffen können."
In Fertigungsumgebungen übernehmen die Robotera-Einheiten Aufgaben wie die Komponentenentnahme, hochpräzise Montage und Qualitätskontrolle. Das Unternehmen verfolgt einen modularen Hardwareansatz, um diesen vielfältigen Anforderungen gerecht zu werden. Robotera behandelt Roboterkonstruktionen wie „Lego“-Bausteine. Dadurch konnten spezifische Module wie die geschickte „XHand“, der kommerzielle Serviceroboter Q5 und der zweibeinige L7 für den industriellen Einsatz entwickelt werden. Es ist bemerkenswert, dass das Unternehmen angibt, über 95% seiner Hardwarekomponenten, einschließlich Gelenke und Motoren, selbst entwickelt zu haben.
Hintergrundinformationen zur Robotik
Humanoide Roboter sind Roboter, die in ihrer Form dem menschlichen Körper nachempfunden sind. Sie sind oft für Aufgaben konzipiert, die menschliche Geschicklichkeit oder die Navigation in menschenzentrierten Umgebungen erfordern. Die Entwicklung solcher Roboter erfordert Fortschritte in Mechanik, Sensorik, Künstlicher Intelligenz und Energieversorgung. Automobilfabriken sind ideale Einsatzorte, da sie oft wiederkehrende, präzise Aufgaben in kontrollierten Umgebungen bieten.
Das „Gehirn“ der Roboter: Die ERA-42-Architektur
Auf der Softwareseite setzt Robotera verstärkt auf seine „ERA-42“-Architektur. Dabei handelt es sich um ein Vision-Language-Action (VLA)-Modell, das sich von traditionellen codebasierten Anweisungen löst. Das Unternehmen berichtet, dass das Auslandsgeschäft etwa 50% des Gesamtumsatzes ausmacht. Dies wird durch eine Strategie aus „nationalen Lösungen und ausländischen Entwicklern“ vorangetrieben. Dazu gehört der Verkauf von Hardwareplattformen an Forschungseinrichtungen.
Robotera behauptet, dass neun der zehn größten Technologieunternehmen der Welt zu seinen Kunden zählen. Auch Labore wie ByteDance und Skild AI nutzen die Technologie. Um seine KI-Fähigkeiten weiter auszubauen, arbeitete Robotera kürzlich mit der Stanford University an „Ctrl-World“ zusammen. Dies ist ein generatives Weltmodell, das Robotern ermöglicht, Aufgaben in einem „Vorstellungsraum“ zu proben. Berichten zufolge verbessert dies die Erfolgsraten in unbekannten Umgebungen um fast 45%.
Mit dieser beträchtlichen Kapitalausstattung positioniert sich Robotera als starker Konkurrent zu Unternehmen wie Unitree und AgiBot, die einen Börsengang anstreben. Während diese Firmen die Validierung durch den öffentlichen Markt suchen, konzentriert sich Robotera auf strategische Industriepartnerschaften. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, Roboter bereits heute in Fabriken einzusetzen.
Vorteile der modularen Bauweise
- Flexibilität: Anpassung an verschiedene Aufgaben und Umgebungen.
- Kosteneffizienz: Einfacherer Austausch und Wartung von Komponenten.
- Skalierbarkeit: Schnelle Integration neuer Module für erweiterte Funktionen.
- Eigenentwicklung: Kontrolle über Qualität und Innovation der Kernkomponenten.
Zukunftsaussichten und Wettbewerb
Die Investition von 140 Millionen US-Dollar und die gesicherten Aufträge unterstreichen Roboteras Ambitionen, eine führende Rolle im Bereich der humanoiden Robotik zu spielen. Der Fokus auf industrielle Anwendungen, insbesondere in der Automobilindustrie und Logistik, scheint ein strategischer Schachzug zu sein. Diese Sektoren bieten klare Anwendungsfälle und einen direkten Return on Investment. Die enge Zusammenarbeit mit großen Industriepartnern wie Geely und BAIC könnte Robotera einen entscheidenden Vorteil im Wettlauf um die Massenproduktion und den Einsatz humanoider Roboter verschaffen.
Der Markt für humanoide Roboter ist hart umkämpft. Viele Unternehmen versuchen, sich durch technologische Innovationen und strategische Partnerschaften abzuheben. Roboteras Ansatz, auf eine Kombination aus eigenentwickelter Hardware und fortschrittlicher KI-Software zu setzen, scheint vielversprechend. Die Fähigkeit, über 95% der Komponenten selbst zu entwickeln, könnte dem Unternehmen eine hohe Unabhängigkeit und schnelle Anpassungsfähigkeit ermöglichen.





