Der deutsche Industrielieferant Schaeffler hat in Singapur ein neues Gemeinschaftslabor mit der Nanyang Technological University (NTU) eröffnet. Diese Einrichtung mit einer Fläche von 900 Quadratmetern vertieft die Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten des Unternehmens im Bereich Robotik und Künstliche Intelligenz. Die Investition ist Teil des SHARE-Programms (Schaeffler Hub for Advanced Research) und unterstreicht Schaefflers strategische Neuausrichtung hin zu humanoiden Robotern.
Wichtige Erkenntnisse
- Schaeffler eröffnet ein 900 m² großes Labor in Singapur mit der NTU.
- Fokus liegt auf humanoiden Robotern, KI und Mechatronik.
- Das Unternehmen verfolgt eine „Nutzer-Lieferant“-Strategie in der Robotik.
- Technologien aus der Elektromobilität werden für Roboter angepasst.
- Singapur festigt seine Position als globaler Innovationsstandort.
Fokus auf intelligente Mechatronik und Serienreife
Das neue Labor, bekannt als Intelligent Mechatronics Hub, ist darauf ausgelegt, disruptive Technologien schnell zur Serienreife zu bringen. Uwe Wagner, Chief Technology Officer von Schaeffler, betonte die Bedeutung dieser Beschleunigung. Die Forschung konzentriert sich darauf, Schlüsselkomponenten für die nächste Generation von Robotern zu entwickeln.
Diese Entwicklung ist nicht isoliert zu betrachten. Sie reiht sich ein in eine Serie schneller Partnerschaften und Pilotprogramme, die Schaeffler in den letzten Monaten im humanoiden Sektor eingegangen ist. Das Unternehmen positioniert sich damit als zentraler Akteur in der aufstrebenden Lieferkette für humanoide Roboter.
Faktencheck
- Fläche des Labors: 900 Quadratmeter
- Hauptpartner: Nanyang Technological University (NTU)
- Programm: Schaeffler Hub for Advanced Research (SHARE)
- Schwerpunkte: Humanoide Robotik, Künstliche Intelligenz, Mechatronik
Die „Nutzer-Lieferant“-Strategie
Schaeffler verfolgt eine „duale Strategie“ in der Robotik. Das Unternehmen möchte sowohl ein Großkunde für humanoide Roboter sein als auch ein wichtiger Lieferant für deren interne Komponenten. Diese Neuausrichtung spiegelt sich auch in der Selbstbezeichnung als „Motion Technology Company“ wider, die über die traditionelle Rolle als Automobilzulieferer hinausgeht.
Ein zentraler Aspekt dieser Strategie ist die Übertragung von Technologien aus dem Automobilsektor in die Robotik. Insbesondere planetare Getriebeaktuatoren, die ursprünglich für die Elektromobilität entwickelt wurden, werden nun für die hohen Drehmoment- und Kompaktanforderungen von Hüft- und Schultergelenken humanoider Roboter angepasst. Dies zeigt Schaefflers Innovationskraft und die Fähigkeit, bestehende Technologien neu zu interpretieren.
„Unser Ziel ist es, Schaefflers tiefgreifende Branchenerfahrung mit der Spitzenforschung der NTU zu verbinden, um innovative Lösungen für die Robotik zu schaffen“, sagte Maximilian Fiedler, Regional CEO für Asien/Pazifik.
Kommerzielle Vereinbarungen und Pilotprojekte
Die Forschungs- und Entwicklungsarbeit in Singapur wird durch eine Reihe kommerzieller Vereinbarungen ergänzt, die Schaeffler kürzlich abgeschlossen hat:
- Neura Robotics: Anfang November kaufte Schaeffler Tausende humanoider Roboter vom deutschen Hersteller Neura Robotics. Gleichzeitig wurde Schaeffler Lieferant von Aktuatoren für Neuras 4NE-1-Plattform.
- Humanoid (UK): Ein erfolgreicher Greiftest (Bin-Picking Trial) mit dem britischen Startup Humanoid wurde kürzlich abgeschlossen. Ein Pre-Alpha-Roboter sortierte dabei metallische Lagerringe, was die Fähigkeit des Roboters in unstrukturierten Umgebungen testete.
- Hexagon: Schaeffler fungiert auch als industrieller Pilotpartner für Hexagons neuen AEON Humanoiden, was die Diversifizierung der Hardware-Plattformen unterstreicht.
Diese Partnerschaften zeigen, dass Schaeffler die neuen Maschinen nicht nur erforscht, sondern auch aktiv auf ihren Einsatz in der Produktion vorbereitet.
Hintergrundinformationen
Das SHARE-Programm von Schaeffler ist ein globales Netzwerk von Forschungspartnerschaften mit führenden Universitäten und Forschungseinrichtungen. Es zielt darauf ab, Spitzentechnologien zu identifizieren und zu entwickeln, die für die zukünftige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens entscheidend sind. Die Zusammenarbeit mit der NTU ist ein weiteres Beispiel für diesen Ansatz, der externe Expertise nutzt, um interne Innovationsprozesse zu beschleunigen.
Vom digitalen Zwilling zur physischen Forschung
Bislang setzte Schaeffler stark auf digitale Strategien, insbesondere auf digitale Zwillings-Technologien. In Zusammenarbeit mit Accenture, NVIDIA und Microsoft wurden virtuelle Repliken von Fabriken erstellt, um Roboterinteraktionen zu simulieren, bevor die Hardware überhaupt zum Einsatz kam. Das neue Labor in Singapur schließt nun diese Lücke, indem es die Ideen aus dem Labor direkt in die Praxis überführt.
Die neue Einrichtung fördert die interdisziplinäre Forschung. Sie bringt verschiedene Fachbereiche zusammen, um innovative Lösungen zu entwickeln. Dies ist ein entscheidender Schritt, um die Entwicklung von humanoiden Robotern voranzutreiben und sie für industrielle Anwendungen nutzbar zu machen.
Für Singapur festigt diese Zusammenarbeit den Status als globales Innovationszentrum. Das Land profitiert vom „reichen Pool an Talenten“, um große Industrieunternehmen anzuziehen. Schaefflers Engagement in der Komponentenlieferkette, insbesondere bei Aktuatoren, könnte sich als lukrative Strategie erweisen. Unabhängig davon, welche humanoide Marke sich am Markt durchsetzt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass diese auf Schaeffler-Teile zurückgreifen wird. Dies sichert dem Unternehmen eine Schlüsselposition im wachsenden Markt der Robotik.





