Die VW-Tochter Moia schlägt vor, den öffentlichen Nahverkehr (ÖPNV) in Deutschland durch den Einsatz autonomer Shuttle-Flotten zu revolutionieren. Das Unternehmen sieht in dieser Technologie die einzige Möglichkeit, dem prognostizierten Fahrermangel entgegenzuwirken und das Mobilitätsniveau in Städten stabil zu halten. Für den Aufbau von drei Modellregionen fordert Moia eine staatliche Förderung im Milliardenbereich.
Wichtige Punkte
- Bis 2030 könnten 120.000 Busfahrer in Deutschland fehlen.
- Moia schlägt drei Modellregionen mit je 2000 autonomen Shuttles vor.
- Dafür werden 500 Millionen Euro staatliche Förderung pro Region benötigt.
- Moia wandelt sich vom Fahrdienst zum Technologieanbieter.
- Regulierungshemmnisse bremsen die europäische Entwicklung.
Drohender Fahrermangel als Treiber der Transformation
Der deutsche ÖPNV steht vor großen Herausforderungen. Prognosen zeigen, dass bis zum Jahr 2030 bis zu 120.000 Busfahrer fehlen könnten. Dieser Mangel ist der Hauptgrund, warum die Branche intensiv über autonome Fahrzeuge nachdenkt. Es geht nicht nur um Effizienz, sondern um die Sicherstellung des Angebots.
Sascha Meyer, CEO von Moia, betont, dass autonome Shuttles keine bloße technische Spielerei sind. Sie stellen eine Notwendigkeit dar, um die Mobilität in deutschen Städten aufrechtzuerhalten. Ohne diese Technologie droht ein erheblicher Rückgang des ÖPNV-Angebots.
Faktencheck: Personalmangel
- Prognose: Bis 2030 fehlen bis zu 120.000 Busfahrer.
- Ursache: Demografischer Wandel und alternde Belegschaft.
- Auswirkung: Gefährdung des Mobilitätsniveaus im ÖPNV.
Moias Plan: Milliarden für autonome Flotten
Moia hat einen detaillierten Plan für den Markthochlauf autonomer Shuttle-Flotten vorgestellt. Dieser Plan sieht die Einrichtung von drei Modellregionen vor. Jede dieser Regionen soll mit etwa 2000 autonomen Fahrzeugen ausgestattet werden. Das Ziel ist eine flächendeckende Integration in den öffentlichen Nahverkehr.
Für jede Modellregion veranschlagt Moia eine staatliche Unterstützung von rund 500 Millionen Euro. Die gesamten Entwicklungskosten für die autonome Technologie bewegen sich laut Meyer im Milliardenbereich. Das Bundesverkehrsministerium (BMV) hat zwar Interesse gezeigt, dämpft jedoch die Erwartungen an hohe Subventionen, da derzeit die notwendigen Mittel fehlen.
„Autonome Shuttles sind die einzige Möglichkeit, das Mobilitätsniveau in deutschen Städten angesichts schwindenden Personals stabil zu halten.“
Kosten und Finanzierung
Der massive Investitionsbedarf unterstreicht den finanziellen Druck in der Branche. Hohe Betriebskosten, wie die Forderung der IG Metall nach 20 Prozent mehr Lohn für Fahrpersonal in Hamburg, belasten die aktuellen manuellen Shuttle-Dienste zusätzlich. Dies hat Moia bereits dazu gezwungen, eigene Angebote einzuschränken.
Die staatliche Unterstützung ist aus Moias Sicht entscheidend, um die Technologie schnellstmöglich auf die Straße zu bringen und eine breite Akzeptanz zu erreichen. Ohne diese Finanzierung könnte sich der Übergang zu autonomen Systemen erheblich verzögern.
Strategiewechsel: Vom Fahrdienst zum Technologieanbieter
Um profitabel zu werden und die Entwicklungskosten zu decken, stellt Moia sein Geschäftsmodell grundlegend um. Das Unternehmen will sich nicht länger als reiner Fahrdienstleister positionieren. Stattdessen entwickelt es sich zu einem Technologieanbieter.
Künftig soll ein Komplettpaket aus Fahrzeugen, Software und Betriebsprozessen an Flottenbetreiber verkauft werden. Zu den potenziellen Kunden zählen große Verkehrsgesellschaften wie die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG). Diese Plattform-Strategie ist nicht auf den Volkswagen-Konzern beschränkt. Moia strebt an, seine Technologie auch externen Partnern anzubieten.
Hintergrund: Projekt „Alike“ in Hamburg
In Hamburg läuft bereits das Projekt „Alike“. Ein Konsortium aus Hamburger Hochbahn, Moia, VW Nutzfahrzeugen und dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) testet hier autonome Shuttles. Das BMV unterstützt dieses Projekt mit 26 Millionen Euro. Ziel ist es, bis zu 20 autonome Shuttles per App buchbar zu machen und sie in den Nahverkehr zu integrieren.
Langfristig sind die Pläne ambitioniert: Bis 2030 könnten allein in Hamburg bis zu 10.000 autonome Fahrzeuge eingesetzt werden. Für 2027 streben die Partner die erste reguläre Betriebsgenehmigung an.
Internationale Partnerschaften und Investorensuche
Eine Testpartnerschaft in den USA mit dem Fahrdienst-Riesen Uber zeigt die internationalen Ambitionen von Moia. Parallel dazu prüft die Konzernmutter Volkswagen den Teilverkauf von Moia an einen strategischen Investor. Dies soll die finanzielle Last der Technologieentwicklung verteilen und zusätzliche Ressourcen erschließen.
Die Serienproduktion der autonomen Fahrzeuge ist bereits in Hannover angelaufen. Dies unterstreicht die Ernsthaftigkeit der Pläne und den Wunsch, die Technologie schnellstmöglich in den Markt zu bringen.
Regulierungshemmnisse und europäischer Wettbewerb
Moia steht unter erheblichem Zeitdruck, auch aufgrund des internationalen Wettbewerbs. Obwohl der US-Riese Waymo derzeit keinen Einstieg in den europäischen Markt plant, sieht Meyer dieses Zeitfenster als begrenzt an. Das Unternehmen möchte eine führende europäische Lösung für den Weltmarkt entwickeln.
Ein großes Hindernis stellt die kleinteilige Regulierung in Europa dar. Aktuell benötigt jeder neue Betriebsbereich eine eigene Genehmigung. Eine in Hamburg erlangte Betriebserlaubnis ist nicht einfach auf andere Städte wie München oder Berlin übertragbar. Meyer kritisiert dies als ineffizient und vergleicht es mit einem Führerschein, der nur in einer einzigen Stadt gültig wäre.
- Problem: Fragmentierte Regulierung in Europa.
- Folge: Jede Stadt benötigt eigene Betriebsgenehmigung.
- Forderung: Einheitliche Standards und Genehmigungsverfahren.
Allianz für einheitliche Lösungen
Die Verkehrsbetriebe selbst unterstützen die Forderung nach Standardisierung. Die BVG, die Hamburger Hochbahn und die Münchner MVG haben im Herbst eine strategische Allianz gegründet. Ziel ist es, bis 2035 bis zu 2000 Robo-Shuttles in diesen drei Metropolen zu integrieren.
Teil dieser Kooperation ist die Mobilitätsplattform „MAX“. Diese übergreifende App soll den Zugang zu Bussen, Bahnen und autonomen Angeboten bündeln und die bisherigen Einzellösungen ersetzen. Damit könnte ein einheitliches Vertriebssystem entstehen, das die Nutzung für Fahrgäste vereinfacht.
Ob die autonomen Busse die Personallücke jedoch rechtzeitig schließen können, hängt maßgeblich von der Freigabe staatlicher Gelder und einer beschleunigten Regulierung ab. Die Zeit drängt, um Deutschlands ÖPNV zukunftsfähig zu machen.





