Der deutsche Drogerieriese Rossmann hat einen wegweisenden Schritt in der Automatisierung seiner Logistik unternommen. Im Logistikzentrum Burgwedel ist der humanoide Roboter UBTECH Walker S2 in einem einjährigen Pilotprojekt in Betrieb genommen worden. Dieses Vorhaben markiert eine der ersten umfassenden Einsätze humanoider Roboter im europäischen Einzelhandel und soll die Effizienz sowie Ergonomie in Lagerabläufen verbessern.
Wichtige Erkenntnisse
- Rossmann testet den humanoiden Roboter UBTECH Walker S2 im Logistikzentrum Burgwedel.
- Das Pilotprojekt läuft über ein Jahr und konzentriert sich auf repetitive und unergonomische Aufgaben.
- Der Walker S2 verfügt über 52 Freiheitsgrade und ein autonomes Batteriewechselsystem für 24/7-Betrieb.
- UBTECH verzeichnete 2025 einen Umsatzanstieg von 2.203 % bei humanoiden Robotern.
- Ziel ist die Entwicklung eines skalierbaren Einsatzkonzepts für die Logistik des Unternehmens.
Ein Humanoider im Logistikzentrum
Am 26. März 2026 erreichte der erste humanoide Roboter, ein UBTECH Walker S2, das Rossmann-Logistikzentrum in Burgwedel. Die Lieferung erfolgte durch den deutschen Partner Terra Robotics. Diese Maschine bildet das Herzstück eines Langzeit-Pilotprojekts, das die Machbarkeit humanoider Robotik in realen Lieferketten des Einzelhandels untersuchen soll. Für Rossmann steht dabei im Vordergrund, das Potenzial des Roboters zu bewerten, menschliche Mitarbeiter von sich wiederholenden und körperlich anspruchsvollen Aufgaben zu entlasten.
Für UBTECH, das Unternehmen aus Shenzhen, ist diese Partnerschaft ein bedeutender Meilenstein in seiner globalen Strategie. Es geht darum, sich vom reinen „Produktexport“ hin zur Bereitstellung „szenariobasierter Lösungen“ im wettbewerbsintensiven europäischen Markt zu entwickeln. Dieser Schritt unterstreicht die wachsende Bedeutung humanoider Roboter in der Industrie.
Faktencheck: UBTECHs Wachstum
Im Jahr 2025 verzeichnete UBTECH einen Umsatzanstieg von 2.203 % im Bereich humanoider Roboter. Dies zeigt eine deutliche Verschiebung hin zu Full-Size-Robotern als Haupteinnahmequelle des Unternehmens. Der Gesamtumsatz von UBTECH erreichte 2025 rund 2 Milliarden RMB.
Roadmap für die Integration
Das Pilotprogramm ist für das gesamte Jahr 2026 angesetzt und folgt einer strukturierten Roadmap, die in mehrere Phasen unterteilt ist. Die ersten Tests konzentrieren sich auf spezifische Anwendungsfälle und die notwendige IT-Infrastruktur, die für den Betrieb des Roboters erforderlich ist. Rossmann möchte frühzeitig herausfinden, was im Alltag tatsächlich funktioniert und wo die Grenzen liegen.
„Wir wollen frühzeitig und aus eigener Erfahrung herausfinden, was im Alltag tatsächlich funktioniert und wo die Grenzen liegen“, sagte Hendrik van Duuren, Geschäftsführer Logistik bei Rossmann.
Dieser vorsichtige, aber proaktive Ansatz spiegelt den Wunsch wider, über den aktuellen Branchen-Hype hinauszugehen. Ziel ist es, „konkrete Antworten zu finden und den praktischen Nutzen realistisch einzuschätzen.“ Rossmann überwacht nicht nur die technische Leistung, sondern auch die sozialen Auswirkungen. Das Unternehmen beobachtet genau, wie die menschlichen Mitarbeiter die Zusammenarbeit mit einem humanoiden Kollegen erleben.
Hintergrund: Humanoide Roboter in der Logistik
Humanoide Roboter sind Maschinen, die in ihrer Form und Bewegung dem Menschen ähneln. Sie sind darauf ausgelegt, Aufgaben in Umgebungen zu erledigen, die für Menschen konzipiert wurden. Dies macht sie potenziell ideal für Lager und Logistikzentren, wo sie repetitive, gefährliche oder unergonomische Tätigkeiten übernehmen können.
Der Walker S2: Für die Industrie gebaut
Der Walker S2 wurde speziell für Industrie- und Lagerumgebungen entwickelt. Seine technischen Spezifikationen sind darauf ausgelegt, menschliche Geschicklichkeit nachzuahmen oder sogar zu übertreffen. Der Roboter verfügt über 52 Freiheitsgrade, was ihm ermöglicht, komplexe Umgebungen zu navigieren und Objekte mit menschenähnlicher Präzision zu handhaben.
Ein herausragendes Merkmal ist das autonome Batteriewechselsystem. Dieses System erlaubt es dem Roboter, seine eigene Stromquelle zu wechseln. Dies ermöglicht einen kontinuierlichen 24/7-Betrieb ohne menschliches Eingreifen. Darüber hinaus ist der Walker S2 mit Vision-Language-Action (VLA)-Systemen ausgestattet. Diese fortschrittliche Software ermöglicht es dem Roboter, Anweisungen zu verarbeiten und seine Umgebung in einer integrierten Schleife wahrzunehmen.
Diese technische Reife ist es, worauf UBTECH setzt, um die „Nutzungslücke“ zu schließen. Das Unternehmen berichtete kürzlich von einem historischen „humanoiden Flip“ in seinen Finanzergebnissen für 2025. Der Verkauf von Full-Size-Robotern wie der Walker S-Serie machte 41,1 % des Umsatzes aus.
Skalierung der humanoiden Belegschaft
Der Rossmann-Deal ist der jüngste in einer Reihe hochkarätiger industrieller Validierungen für UBTECH. Das Unternehmen hat bereits Hardware bei großen Automobil- und Elektronikfirmen wie BYD, Foxconn und Geely eingesetzt. Kürzlich erfolgte auch der Einstieg in den Bereich der hochpräzisen Halbleiter durch eine Partnerschaft mit Texas Instruments.
Anfang dieses Monats kündigte UBTECH zudem eine strategische Zusammenarbeit mit Honda Trading (China) an. Ziel ist die Erforschung des Einsatzes humanoider Roboter in der Automobilfertigung und Lagerhaltung. UBTECH strebt für 2026 eine zehnfache Produktionssteigerung auf 5.000 Einheiten an. Das Rossmann-Pilotprojekt dient als entscheidender Test, ob diese Maschinen vom Fabrikboden eines Elektrofahrzeugwerks in die vielfältigen, durchsatzstarken Gänge der europäischen Einzelhandelslogistik wechseln können.
Sollte das Projekt erfolgreich sein, könnte es die Blaupause für eine breitere Einführung im gesamten Logistiksektor des Kontinents liefern. Es bleibt abzuwarten, wie sich die Zusammenarbeit zwischen Mensch und Maschine in der Praxis bewähren wird. Die Ergebnisse des Pilotprojekts werden wichtige Erkenntnisse für die Zukunft der Logistik liefern.





