Nahrungsergänzungsmittel mit Rotschimmelreis werden oft als natürliche Alternative zur Senkung des Cholesterinspiegels beworben. Doch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) warnt eindringlich vor den potenziellen Gesundheitsrisiken. Das in Rotschimmelreis enthaltene Monacolin K ist identisch mit dem verschreibungspflichtigen Medikament Lovastatin und kann erhebliche Nebenwirkungen verursachen.
Wichtige Erkenntnisse
- Rotschimmelreis enthält Monacolin K, das dem Arzneimittel Lovastatin gleicht.
- Werbeaussagen zur cholesterinsenkenden Wirkung sind für Nahrungsergänzungsmittel verboten.
- Die EFSA hält selbst niedrige Dosen unter 3 mg Monacolin K pro Tag für unsicher.
- Es gibt Berichte über Todesfälle und Krankenhauseinweisungen im Zusammenhang mit Rotschimmelreis-Produkten, insbesondere aus Japan.
- Die EU erwägt ein vollständiges Verbot von Monacolinen aus Rotschimmelreis in Nahrungsergänzungsmitteln.
Die trügerische Versprechung der Natürlichkeit
Hersteller von Nahrungsergänzungsmitteln mit Rotschimmelreis, auch bekannt als Red Yeast Rice (RYR), bewerben ihre Produkte häufig als rein natürliche und nebenwirkungsarme Methode zur Senkung des Cholesterinspiegels. Diese Behauptung ist jedoch irreführend und sogar verboten. Die ehemals zulässige gesundheitsbezogene Angabe, dass Rotschimmelreis zur Aufrechterhaltung eines normalen Cholesterinspiegels beiträgt, wurde gestrichen.
Der Grund hierfür ist, dass der Hauptwirkstoff, Monacolin K, chemisch identisch ist mit Lovastatin. Lovastatin ist ein bekanntes, verschreibungspflichtiges Statin, das zur Cholesterinsenkung eingesetzt wird und eine Reihe von Nebenwirkungen aufweisen kann. Ein "natürliches" Produkt mit dem gleichen Wirkstoff ist daher nicht automatisch sicherer oder nebenwirkungsfrei.
Faktencheck
Monacolin K in Rotschimmelreis ist chemisch identisch mit dem verschreibungspflichtigen Arzneistoff Lovastatin.
Gefährliche Verwechslung: Nahrungsergänzungsmittel und Medikament
Nahrungsergänzungsmittel mit Rotschimmelreis dürfen in der EU nur noch geringe Mengen an Monacolinen enthalten, spezifisch weniger als 3 Milligramm pro Tagesdosis. Produkte mit einer höheren Dosis, ab 5 Milligramm Monacolin K, werden in Deutschland als zulassungspflichtige Arzneimittel eingestuft. Diese niedrige Dosierung in Nahrungsergänzungsmitteln hat allerdings in der Regel keine nachweislich cholesterinsenkende Wirkung.
Verbraucher könnten durch die Werbung den Eindruck gewinnen, sie nähmen ein harmloses Naturprodukt ein, obwohl sie de facto einen Wirkstoff konsumieren, der dem eines Medikaments gleicht. Dies birgt erhebliche Risiken, insbesondere wenn keine ärztliche Überwachung erfolgt.
Schwere Sicherheitsbedenken und EU-weite Prüfungen
Die EFSA hat in einem neuen Gutachten erhebliche Sicherheitsbedenken geäußert, die auch für Dosierungen unterhalb von 3 mg Monacolin K pro Tag gelten. Dies betrifft sowohl die allgemeine Bevölkerung als auch besonders gefährdete Gruppen. Aus diesem Grund wird dringend von der Einnahme solcher Produkte abgeraten.
Die Europäische Union erwägt aufgrund dieser Sicherheitsbedenken ein vollständiges Verbot von Monacolinen aus Rotschimmelreis in Nahrungsergänzungsmitteln, das bis März 2026 in Kraft treten könnte.
"Es gibt keine gesundheitlich unbedenkliche Menge. Am sichersten ist der Verzicht auf ein solches Produkt."
Aktuelle Warnungen aus Japan
Besondere Vorsicht ist geboten, da seit Anfang 2024 in Japan über 80 Todesfälle und mehr als 150 Krankenhauseinweisungen mit Rotschimmelreis-Nahrungsergänzungsmitteln in Verbindung gebracht werden. Der betroffene Hersteller hat seine Rohware an viele andere Länder geliefert, was die Dringlichkeit der Warnungen unterstreicht.
Was ist Rotschimmelreis?
Rotschimmelreis entsteht durch die Fermentation von gewöhnlichem, gekochtem Reis mit bestimmten Schimmelpilzstämmen der Gattung Monascus, meist Monascus purpureus. Dieser Prozess erzeugt nicht nur die charakteristische rote Farbe, sondern auch verschiedene Monacoline und andere Substanzen, deren Wirkung oft unzureichend erforscht ist. In Asien wird Rotschimmelreis seit Jahrhunderten zum Färben, Aromatisieren und Konservieren von Lebensmitteln verwendet und hat auch eine Tradition in der chinesischen Medizin.
Risiken und Nebenwirkungen: Mehr als nur Muskelschmerzen
Selbst niedrig dosierte Rotschimmelreisprodukte können ähnliche Nebenwirkungen wie Lovastatin verursachen. Dazu gehören:
- Muskelschmerzen und -krämpfe
- Kopfschmerzen
- Übelkeit und Durchfall
- Allgemeine Schwäche
- Hautausschläge
- Störungen der Nieren- und Leberfunktion
Zudem sind Wechselwirkungen mit einer Vielzahl von Medikamenten möglich, darunter Blutgerinnungshemmer. Auch gesundheitsschädliche Interaktionen mit Lebensmitteln, insbesondere Grapefruit, können auftreten. Ein weiterer besorgniserregender Aspekt ist die mögliche Erhöhung des Blutzuckerspiegels.
Wer sollte Rotschimmelreis unbedingt meiden?
Vorgeschriebene Warnhinweise auf den Produkten weisen darauf hin, dass bestimmte Personengruppen Rotschimmelreis unbedingt meiden sollten:
- Schwangere und Stillende
- Personen unter 18 Jahren
- Personen über 70 Jahren
- Menschen, die bereits cholesterinsenkende Mittel einnehmen
Jeder, der gesundheitliche Beschwerden bei der Einnahme von Rotschimmelreis-Produkten feststellt, sollte umgehend ärztlichen Rat einholen.
Qualitätsmängel bei Rotschimmelreis-Produkten
Eine belgische Untersuchung von 35 Rotschimmelreis-Nahrungsergänzungsmitteln im Frühjahr 2024 ergab bei 11 % der Produkte massive Sicherheitsbedenken. Diese umfassten die Überschreitung gesetzlicher Höchstmengen an Monacolin K oder Citrinin sowie schwere bakterielle Kontaminationen. 9 % der Proben waren wahrscheinlich verfälscht.
Unklare Dosierung und zusätzliche Gefahren
Ein weiteres Problem ist die mangelnde Standardisierung der Produkte. Die Gehalte an Monacolin K können je nach Herstellungsprozess stark schwanken. Zudem entstehen bei der Fermentation weitere Monacoline, deren pharmakologische Wirkung und Nebenwirkungspotenzial oft nicht ausreichend berücksichtigt werden. Dies macht eine sichere Dosierung praktisch unmöglich.
Es ist außerdem fraglich, ob niedrige Dosen von Monacolin K überhaupt eine wirksame Cholesterinsenkung bewirken können. Hier besteht das Risiko einer unzureichenden Behandlung, während gleichzeitig Nebenwirkungen auftreten können.
Das Mykotoxin Citrinin
Rotschimmelreisprodukte können zudem das nierenschädigende Mykotoxin Citrinin enthalten. Dieses Schimmelpilzgift gilt als mutagen und karzinogen. Seit dem 1. April 2020 gibt es einen Höchstgehalt von 100 Mikrogramm Citrinin pro Kilogramm in Nahrungsergänzungsmitteln auf Rotschimmelreis-Basis. Doch auch unter diesem Grenzwert bleiben potenzielle Risiken bestehen.
Medizinische Begleitung notwendig
Wer trotz aller Warnungen die Einnahme von Rotschimmelreis-Produkten in Betracht zieht, sollte dies unbedingt nur nach ärztlicher Rücksprache und unter medizinischer Begleitung tun. Bei Bedarf einer medikamentösen Cholesterinsenkung sind zugelassene Arzneimittel mit sicherer Dosierung die verlässlichere Wahl.
Fazit: Vorsicht ist geboten
Die Annahme, Rotschimmelreis sei eine nebenwirkungsarme, natürliche Alternative zu verschreibungspflichtigen Statinen, ist ein Trugschluss. Die Ähnlichkeit des Wirkstoffs Monacolin K mit Lovastatin birgt erhebliche Risiken, die von Muskelschmerzen bis hin zu Leberschäden reichen können. Angesichts der unzureichenden Datenlage zur Sicherheit und der potenziellen Kontamination mit schädlichen Substanzen wie Citrinin, raten Experten dringend von der Verwendung ab.
Die laufenden Diskussionen in der EU über ein vollständiges Verbot unterstreichen die Ernsthaftigkeit der Situation. Verbraucher sollten bei der Wahl von cholesterinsenkenden Mitteln auf zugelassene und ärztlich überwachte Optionen setzen.





