Energy Drinks sind in Deutschland weit verbreitet, doch ihr Konsum birgt erhebliche Gesundheitsrisiken. Hohe Mengen an Zucker, Koffein und Säuerungsmitteln können zu ernsthaften Problemen führen. Verbraucherzentralen fordern daher ein Verkaufsverbot an Minderjährige und eine deutlich verbesserte Kennzeichnung der Produkte.
Wichtige Erkenntnisse
- Energy Drinks enthalten viel Zucker und Säuerungsmittel, die Zähne und Stoffwechsel schädigen.
- Der hohe Koffeingehalt kann zu Nervosität, Schlafstörungen und Herzproblemen führen.
- Die Kombination mit Alkohol maskiert dessen Wirkung und erhöht die Risikobereitschaft.
- Verbraucherzentralen fordern ein Verkaufsverbot an unter 18-Jährige sowie bessere Warnhinweise.
- Bereits eine 500-Milliliter-Dose überschreitet die empfohlene Koffein-Tagesdosis für Jugendliche.
Was steckt wirklich in Energy Drinks?
Energy Drinks sind mehr als nur süße Erfrischungsgetränke. Sie enthalten eine komplexe Mischung aus Inhaltsstoffen, die speziell darauf ausgelegt sind, einen schnellen Energieschub zu liefern. Die meisten dieser Getränke schmecken künstlich süß und enthalten pro 100 Milliliter meist 32 Milligramm Koffein. Dies entspricht der gesetzlichen Höchstmenge in Deutschland.
Typische Zutaten sind Wasser, Zuckerarten wie Saccharose oder Glukose, oder Süßungsmittel wie Sucralose. Hinzu kommen Säuerungsmittel wie Citronensäure, Säureregulatoren und Kohlensäure. Oft finden sich auch Vitamine, insbesondere B-Vitamine, sowie Taurin und Glucuronolacton. Einige Produkte enthalten zusätzlich Pflanzenextrakte wie Ginseng oder Guarana.
Zucker und Säuerungsmittel: Eine gefährliche Mischung
Der Zuckergehalt in Energy Drinks ist alarmierend hoch. Eine gängige 500-Milliliter-Dose enthält etwa 60 Gramm Zucker. Das entspricht der Menge von 20 Stück Würfelzucker. Dieser hohe Zuckerkonsum fördert Übergewicht, Diabetes und ist extrem schädlich für die Zahngesundheit.
Neben dem Zucker tragen Säuerungsmittel wie Citronensäure zur Schädigung bei. Sie greifen den Zahnschmelz direkt an und erhöhen das Kariesrisiko erheblich. Selbst zuckerfreie Varianten sind nicht unbedenklich. Süßstoffe wie Sucralose oder Zuckeraustauschstoffe wie Erythrit können die Darmflora verändern und den Glukosestoffwechsel stören.
Faktencheck: Koffein-Höchstgrenzen
- Maximale Koffeinmenge in Energy Drinks: 320 Milligramm pro Liter
- Taurin-Höchstgehalt: 4.000 Milligramm pro Liter
- Glucuronolacton-Höchstgehalt: 2.400 Milligramm pro Liter
Gesundheitliche Risiken des Konsums
Der Konsum von Energy Drinks kann eine Reihe unerwünschter Nebenwirkungen hervorrufen, insbesondere bei übermäßigem Genuss. Eine kleine Dose mit 250 Millilitern enthält 80 Milligramm Koffein, vergleichbar mit einer Tasse Kaffee. Doch viele Konsumenten trinken nicht nur eine Dose.
Die Europäische Sicherheitsbehörde (EFSA) stuft Koffein-Einzeldosen bis zu 200 Milligramm für gesunde Erwachsene als unbedenklich ein. Das entspricht etwa 0,6 Litern Energy Drink. Über den Tag verteilt gelten 400 Milligramm als sicher, ausgenommen Schwangere und Stillende, für die maximal 200 Milligramm empfohlen werden.
Gefahren für Kinder und Jugendliche
Besonders gefährdet sind Kinder und Jugendliche. Für sie besteht ein gesundheitliches Risiko, wenn sie mehr als 3 Milligramm Koffein pro Kilogramm Körpergewicht pro Tag aufnehmen. Ein Jugendlicher mit 50 Kilogramm Körpergewicht sollte demnach nicht mehr als 150 Milligramm Koffein täglich konsumieren. Eine einzige 500-Milliliter-Dose Energy Drink überschreitet diese Menge bereits deutlich.
Studien, wie die der Ludwig-Maximilians-Universität München, zeigen, dass der akute Konsum von Energy Drinks negative Auswirkungen auf die Herz-Kreislauf-Funktion bei Kindern und Jugendlichen haben kann, besonders bei bereits bestehenden Risiken. Die extreme Süße der Getränke überdeckt zudem den bitteren Koffeingeschmack, was zu einem schnelleren und höheren Konsum verleitet.
"Ein Energy Drink-Konsum von einem Liter und mehr kann bei einigen jungen Erwachsenen mit moderaten bis schwerwiegenden unerwünschten Wirkungen einhergehen."
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR)
Zu den möglichen Nebenwirkungen zählen Nervosität, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schweißausbrüche, Bluthochdruck, Herzrasen und sogar Herzrhythmusstörungen oder Kreislaufkollaps.
Koffeingehalt im Vergleich
- 1 Tasse (150 ml) Kaffee: 50-100 mg
- 1 Espresso: 50-60 mg
- 1 Glas (200 ml) Cola: 20 mg
- 1 kleine Dose (250 ml) Energy Drink: 80 mg
- 100g Vollmilchschokolade: 3-35 mg
Gefährliche Mischung: Energy Drinks und Alkohol
Eine besonders kritische Kombination ist der Konsum von Energy Drinks mit Alkohol. Das Koffein in den Energy Drinks überdeckt die dämpfende Wirkung des Alkohols. Dies führt dazu, dass Konsumenten ihre Trunkenheit weniger stark wahrnehmen und Müdigkeit sowie Erschöpfung ignorieren. Die Folge ist eine erhöhte Risikobereitschaft und ein längerer Alkoholkonsum.
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) stellte bereits 2013 fest, dass auf Partys oft mehr als ein Liter Energy Drink in Kombination mit Alkohol getrunken wird. Es gab bereits Todesfälle, die möglicherweise im Zusammenhang mit dieser Mischung und intensiver körperlicher Bewegung wie Tanz stehen könnten. Ein direkter ursächlicher Zusammenhang ist jedoch noch nicht eindeutig bewiesen.
Forderungen nach Verkaufsverbot und besserer Kennzeichnung
Angesichts der bekannten Risiken fordern die Verbraucherzentralen ein Verkaufsverbot von Energy Drinks an Minderjährige für alle Erfrischungsgetränke mit einem Koffeingehalt über 150 Milligramm pro Liter. Dies würde viele Energy Drinks und einige Cola-Getränke betreffen.
Solche Verbote gibt es bereits in anderen europäischen Ländern: In Polen ist der Verkauf an unter 18-Jährige seit Anfang 2024 untersagt. Schweden und Norwegen verbieten den Verkauf an unter 15-Jährige, Litauen an unter 14-Jährige, Estland an unter 16-Jährige und Lettland an unter 18-Jährige.
Zusätzlich fordern die Verbraucherzentralen eine deutlich verbesserte Kennzeichnung. Der aktuelle Hinweis "Erhöhter Koffeingehalt" gilt als unzureichend. Warnhinweise müssen um die spezifischen Nebenwirkungen in Kombination mit Alkohol und körperlicher Anstrengung ergänzt werden. Auch der Hinweis "Für Kinder und schwangere oder stillende Frauen nicht empfohlen" sollte prominent auf der Vorderseite der Produkte platziert werden.
Es ist wichtig, dass Verbraucher, insbesondere junge Menschen, die potenziellen Gefahren dieser Getränke vollständig verstehen. Eine transparente und deutliche Kennzeichnung kann hier Leben schützen.





