Asparaginsäure wird in der Fitnessbranche oft als Wundermittel beworben. Sie soll den Muskelaufbau fördern, die Leistung steigern und sogar den Testosteronspiegel erhöhen. Doch eine genaue Betrachtung der wissenschaftlichen Fakten zeigt, dass viele dieser Behauptungen nicht haltbar sind. Verbraucher sollten bei solchen Produkten Vorsicht walten lassen.
Wichtige Erkenntnisse
- Asparaginsäure kann vom Körper selbst hergestellt werden und ist in vielen eiweißreichen Lebensmitteln enthalten.
- Werbeversprechen bezüglich Muskelaufbau, Testosteronsteigerung und Potenz sind wissenschaftlich nicht belegt.
- Produkte, die Asparaginsäure enthalten, sind oft Teil von sogenannten "Testosteron-Boostern", die unerlaubte Substanzen enthalten können.
- Eine zusätzliche Einnahme über Nahrungsergänzungsmittel ist bei normaler Ernährung meist überflüssig.
Was ist Asparaginsäure?
Asparaginsäure ist eine Aminosäure, die der menschliche Körper selbst herstellen kann. Sie gehört zu den elf sogenannten entbehrlichen Aminosäuren. Der Name leitet sich vom Spargel (Asparagus officinalis) ab, aus dem die verwandte Aminosäure Asparagin erstmals isoliert wurde. Unser Körper benötigt insgesamt 20 verschiedene Aminosäuren, um Proteine zu bilden.
Neun dieser Aminosäuren sind unentbehrlich und müssen über die Nahrung aufgenommen werden. Asparaginsäure gehört nicht dazu. Sie kommt in ihrer natürlichen L-Form in den meisten Proteinen vor und ist reichlich in eiweißhaltigen Lebensmitteln wie Soja-Eiweiß, Erdnüssen, anderen Hülsenfrüchten, Sonnenblumenkernen, Eiern und Fisch enthalten. D-Asparaginsäure, oft als DAA beworben, wird hingegen meist synthetisch hergestellt und kommt in Proteinen kaum vor.
Faktencheck Asparaginsäure
- Körpereigene Produktion: Der menschliche Körper kann Asparaginsäure selbst bilden.
- Natürliches Vorkommen: Reichlich in proteinreichen Lebensmitteln wie Soja, Erdnüssen, Eiern und Fisch.
- D-Asparaginsäure (DAA): Wird überwiegend synthetisch hergestellt.
Die Realität hinter den Werbeversprechen
Die Werbung für Asparaginsäure-Produkte ist oft aggressiv und verspricht viel. Aussagen wie "stimuliert die Libido und führt zur Freisetzung von Testosteron" oder "stärkste natürliche Verbindung zur Verbesserung der endogenen Testosteronproduktion" sind im Internet weit verbreitet. Auch von einer Steigerung der Lust und Ausdauer sowie einer verjüngenden Wirkung ist die Rede.
Diese Werbeaussagen finden sich sowohl bei reinen Asparaginsäure-Produkten als auch bei sogenannten "Testosteron-Boostern". Letztere enthalten oft zusätzlich Substanzen wie Tribulus terrestris, L-Arginin sowie bestimmte Vitamine und Mineralstoffe. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) prüft solche gesundheitsbezogenen Angaben sehr genau. Für Asparaginsäure allein sind keine solchen Wirkungen zugelassen.
"Die Internet-Werbung für Produkte mit Asparaginsäure vermittelt den Eindruck, dass es sinnvoll ist, bestimmte einzelne Aminosäuren gezielt in größeren Mengen zu essen." – Aktuelle Studienlage
Wissenschaftliche Studienlage
Eine wissenschaftliche Übersichtsstudie aus dem Jahr 2017 stellte fest, dass der Testosteronspiegel bei Tieren unter bestimmten Bedingungen durch die Aufnahme von D-Asparaginsäure ansteigen kann. Ob dies auf den Menschen übertragbar ist, bleibt jedoch unklar. Menschliche Studien sind rar, oft von geringer Qualität und umfassen nur wenige Probanden. Diese Studien konnten weder leistungssteigernde Effekte noch erhöhte Testosteronwerte nachweisen. Auch die Körperzusammensetzung ließ sich durch die Einnahme von DAA-Präparaten nicht verändern.
Hintergrund: Health Claims
Hersteller dürfen für Asparaginsäure nicht mit gesundheitsbezogenen Angaben werben, es sei denn, diese sind von der EU zugelassen. Für bestimmte Vitamine und Mineralstoffe wie Zink und Pantothensäure gibt es jedoch zugelassene Health Claims. So darf geworben werden, dass "Zink zum Erhalt eines normalen Testosteronspiegels im Blut und zur normalen Eiweißsynthese" beiträgt und "Pantothensäure zu einer normalen Synthese und zu einem normalen Stoffwechsel von Steroidhormonen" beiträgt. Diese Aussagen können aber nicht einfach auf einzelne Aminosäuren wie Asparaginsäure übertragen werden.
Worauf bei der Verwendung von Asparaginsäure-Produkten achten?
Eine zusätzliche Zufuhr von Asparaginsäure über Nahrungsergänzungsmittel ist bei einer üblichen, proteinreichen Ernährung meist unnötig. Sportler nehmen oft ohnehin schon große Mengen Eiweiß zu sich und sind somit ausreichend mit Aminosäuren versorgt. Ein übermäßiger Verzehr von Protein erfordert eine erhöhte Flüssigkeitszufuhr, da der beim Abbau entstehende Harnstoff über den Urin ausgeschieden werden muss.
Zu den konkreten Risiken größerer Mengen Asparaginsäure ist wenig bekannt. Es gibt jedoch Hinweise, dass die verwandte Aminosäure Asparagin das Tumorwachstum fördern könnte. Asparaginsäure steht nicht auf der Dopingliste der World Anti Doping Agency (WADA). Dennoch warnt die Nationale Anti Doping Agentur (NADA) vor verunreinigten Nahrungsergänzungsmitteln. Produkte aus unsicheren Quellen können unerlaubte Substanzen enthalten, was zu einem unbeabsichtigten Dopingbefund führen kann.
Wichtiger Hinweis für Sportler
Die NADA rät zu einem kritischen Umgang mit Nahrungsergänzungsmitteln. Viele Produkte, auch angeblich rein pflanzliche, enthalten oft unbeabsichtigte oder sogar gezielte Verunreinigungen mit Stimulanzien, Hormonen oder Anabolika. Das Risiko trägt immer der Athlet. Wenn Sie Nahrungsergänzungsmittel zur Unterstützung des Muskelaufbaus verwenden möchten, greifen Sie im Zweifelsfall nur auf Produkte zurück, die auf der Kölner Liste stehen.
Häufige Zusatzstoffe in Asparaginsäure-Produkten
Nahrungsergänzungsmittel, die Asparaginsäure enthalten und als "Testosteron-Booster" vermarktet werden, enthalten oft eine Vielzahl weiterer Inhaltsstoffe. Dazu gehören Pflanzenextrakte wie Tribulus terrestris, Maca, Kudzu, Ginseng oder Bockshornklee. Auch L-Arginin sowie diverse Vitamine und Mineralstoffe sind häufig Bestandteile dieser Mischungen.
Beim Kauf solcher Produkte, insbesondere aus unsicheren Internetquellen, besteht ein erhöhtes Risiko, dass neben den deklarierten Zutaten auch unerlaubte Doping-Substanzen enthalten sind. Verbraucher sollten sich der potenziellen Gefahren bewusst sein und im Zweifelsfall auf Produkte verzichten, deren Herkunft und Reinheit nicht eindeutig nachvollziehbar sind.
- Pflanzliche Extrakte: Tribulus terrestris, Maca, Kudzu, Ginseng, Bockshornklee.
- Weitere Aminosäuren: L-Arginin.
- Vitamine und Mineralstoffe: Oft zur Unterstützung allgemeiner Funktionen beworben.
Die Entscheidung für oder gegen die Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln sollte stets auf fundierten Informationen und im Idealfall in Absprache mit einem Arzt oder Ernährungsberater getroffen werden. Die vermeintlichen Vorteile von Asparaginsäure als Nahrungsergänzungsmittel sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt und die potenziellen Risiken sollten nicht unterschätzt werden.





