Die Installation einer Photovoltaik-Anlage auf dem eigenen Dach ist für viele Hausbesitzer eine attraktive Vorstellung. Doch wann rechnet sich diese Investition wirklich? Eine detaillierte Betrachtung zeigt, dass die Wirtschaftlichkeit stark vom Eigenverbrauch des erzeugten Stroms abhängt und durch aktuelle Gesetzesänderungen sowie Förderprogramme beeinflusst wird.
Wichtige Erkenntnisse
- Photovoltaik-Anlagen sind wirtschaftlich, besonders bei hohem Eigenverbrauch.
- Das „Solarspitzengesetz“ passt die Einspeisevergütung an negative Börsenstrompreise an.
- Auch Dächer mit Ost- oder Westausrichtung sind oft sinnvoll, da sie den Eigenverbrauch über den Tag verteilen.
- Ein Vergleich mehrerer Angebote ist entscheidend, um die beste Anlage für individuelle Bedürfnisse zu finden.
- Batteriespeicher können den Eigenverbrauch auf bis zu 70 Prozent steigern.
Photovoltaik: Sonnenlicht in Strom umwandeln
Photovoltaik-Anlagen wandeln Sonnenlicht direkt in elektrischen Strom um. Dies geschieht durch Solarmodule, die Solarzellen enthalten. Der dabei erzeugte Gleichstrom wird über einen Wechselrichter in Haushaltsstrom (230 Volt) umgewandelt. Viele Haushalte nutzen diese Technologie bereits, um ihren eigenen Strom zu produzieren und somit zu sogenannten Prosumern zu werden.
Im Gegensatz zur Solarthermie, die Sonnenlicht in Wärme umwandelt, erzeugt Photovoltaik direkt Strom. Diese Unterscheidung ist wichtig, wenn man über die Nutzung erneuerbarer Energien im Eigenheim nachdenkt.
Wer darf eine PV-Anlage installieren?
Grundsätzlich kann jede Privatperson oder jedes Unternehmen eine Photovoltaik-Anlage anschaffen. Die Machbarkeit hängt jedoch von den Wohnverhältnissen ab. Wer ein Ein- oder Zweifamilienhaus besitzt, kann diese Entscheidung meist allein treffen. In Eigentums- oder Mietwohnungen ist die Zustimmung der Miteigentümer oder Vermieter erforderlich. Auch Denkmalschutzauflagen können die Installation erschweren.
Selbst bei kleineren Stecker-Solargeräten für den Balkon ist die Zustimmung der Vermieter oder Eigentümergemeinschaft notwendig. Die fachgerechte Installation der Solarmodule ist entscheidend, da Hersteller ihre Garantien oft davon abhängig machen. Der Anschluss an die Hauselektrik sollte durch einen Elektrofachbetrieb erfolgen, der Anschluss an das Stromnetz durch einen vom Energieversorger konzessionierten Betrieb.
Wirtschaftlichkeit: Wann sich eine Solaranlage lohnt
Eine Photovoltaik-Anlage ist nicht nur ein Beitrag zum Umweltschutz, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. Der Schlüssel zur Rentabilität liegt im Eigenverbrauch des produzierten Stroms. Je mehr Solarstrom direkt im Haushalt genutzt wird, desto schneller rechnet sich die Anlage, da der selbst erzeugte Strom deutlich günstiger ist als Netzstrom.
Typische PV-Anlagen ermöglichen einen Eigenverbrauch von etwa 30 Prozent des erzeugten Stroms. Mit einem zusätzlichen Batteriespeicher lässt sich dieser Anteil auf rund 70 Prozent erhöhen. Dies steigert nicht nur die Unabhängigkeit vom Stromanbieter, sondern reduziert auch die Stromrechnung erheblich.
Faktencheck Eigenverbrauch
Ein durchschnittlicher Vier-Personen-Haushalt mit einer 5-Kilowattpeak-Anlage kann etwa 20 bis 30 Prozent des selbst erzeugten Stroms direkt nutzen. Mit einem Batteriespeicher sind bis zu 70 Prozent Eigenverbrauch möglich.
Einspeisevergütung und „Solarspitzengesetz“
Überschüssiger Strom, der nicht selbst verbraucht wird, kann ins öffentliche Netz eingespeist werden. Dafür erhalten Anlagenbetreiber eine Einspeisevergütung. Seit dem 1. Februar 2026 beträgt diese für Anlagen bis 10 kWp 7,78 Cent pro Kilowattstunde. Für größere Anlagen, ab 10 kWp, liegt der Satz bei 6,73 Cent pro Kilowattstunde für den über 10 kWp hinausgehenden Anteil.
Das im Februar 2025 in Kraft getretene „Solarspitzengesetz“ hat eine wichtige Änderung mit sich gebracht: In Zeiträumen mit negativen Börsenstrompreisen wird keine Vergütung für eingespeisten Strom gezahlt. Diese Zeiten werden jedoch an den ursprünglichen 20-jährigen Förderzeitraum angehängt, sodass Anlagenbetreiber keine finanziellen Verluste erleiden.
„Die Kombination aus Eigenverbrauch und Einspeisevergütung macht Photovoltaik zu einer attraktiven Investition. Das neue Solarspitzengesetz sorgt zudem für eine fairere Verteilung der Lasten bei extremen Marktsituationen, ohne die Betreiber zu benachteiligen.“
Voraussetzungen für eine PV-Anlage
Eine Photovoltaik-Anlage benötigt eine möglichst verschattungsfreie Dachfläche mit einer stabilen und asbestfreien Dachdeckung. Eine Südausrichtung und eine Dachneigung von 30 Grad gelten als optimal. Doch auch Dächer mit einer Neigung von unter 25 oder über 60 Grad können sinnvoll sein, obwohl der Stromgewinn leicht um bis zu zehn Prozent sinken kann.
Besonders interessant sind heute Anlagen auf Ost- und Westdächern. Obwohl sie nicht den maximalen Jahresertrag einer Südanlage erreichen, verteilen sie die Stromerzeugung über einen längeren Zeitraum des Tages – von morgens bis abends. Dies erhöht den Anteil des selbst nutzbaren Stroms im Haushalt erheblich.
Dachausrichtung und Ertrag
- Südausrichtung: Maximaler Gesamtertrag, aber Stromproduktion stark mittags konzentriert.
- Ost-/Westausrichtung: Geringerer Gesamtertrag, aber Stromproduktion über den Tag verteilt, ideal für Eigenverbrauch in den Morgen- und Abendstunden.
Integrierte Solarlösungen
Bei Neubauten oder Dachsanierungen besteht die Möglichkeit, Photovoltaik-Anlagen direkt in das Dach zu integrieren, anstatt sie darauf zu montieren. Diese Lösungen bieten ästhetische Vorteile und können die Dachhaut ersetzen, erfordern jedoch eine sorgfältige Planung und Abwägung der Vor- und Nachteile.
Förderungen und Finanzierung
Neben der EEG-Einspeisevergütung gibt es weitere Förderprogramme. Die bundeseigene Förderbank KfW bietet zinsgünstige Darlehen (Programm 270) für den Kauf von Photovoltaik-Anlagen an. Auch viele Kommunen, Regionalverbände und Bundesländer gewähren Zuschüsse für PV-Anlagen oder Batteriespeicher. Lokale Klimaschutzmanager oder Energieberater können hierzu Auskunft geben.
Mieten oder Kaufen?
Als Alternative zum Kauf bieten viele Anbieter, darunter Stadtwerke und überregionale Unternehmen, die Miete oder Pacht von PV-Anlagen an. Diese Option verspricht geringen Anfangsaufwand und keine große Anfangsinvestition. Die monatlichen Kosten liegen meist zwischen 80 und 300 Euro. Über eine Laufzeit von 20 Jahren oder mehr können sich diese Kosten jedoch auf einen hohen fünfstelligen Betrag summieren, der die Anschaffungskosten eines Kaufs oft deutlich übersteigt.
Mietverträge beinhalten in der Regel Kosten für Finanzierung, Wartung, Reparaturen und Versicherungen. Der Vorteil für Mieter liegt im geringeren Risiko bei technischen Defekten und dem Wegfall der Wartungspflicht. Allerdings sind diese Verträge oft langfristig und kaum kündbar, was bei einem Hausverkauf oder Erbe zu Komplikationen führen kann. Ein gründlicher Vergleich der Vertragsbedingungen ist daher unerlässlich.
Anlagengröße und Kosten
Die Leistung einer Photovoltaik-Anlage wird in Kilowattpeak (kWp) angegeben. Für 1 kWp Anlagenleistung werden etwa fünf bis sieben Quadratmeter Dachfläche benötigt. Die ideale Anlagengröße hängt vom Stromverbrauch des Haushalts, dessen zeitlicher Verteilung und der verfügbaren Dachfläche ab.
Kleinere Anlagen sind pro Kilowatt Leistung tendenziell teurer als größere, da Fixkosten wie die Einspeisetechnik oder das Gerüst nahezu unabhängig von der Anlagengröße sind. Eine Studie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Berlin im Auftrag der Verbraucherzentrale NRW zeigt, dass größere Anlagen oft wirtschaftlicher sind, solange die Dachfläche und das Budget es zulassen.
Was kostet eine PV-Anlage?
Die Preise für PV-Anlagen variieren stark zwischen Anbietern und mit der Anlagengröße. Es lohnt sich, mehrere Kostenvoranschläge einzuholen und nicht nur den Preis, sondern auch Umfang und Qualität der Leistungen zu vergleichen. Wichtige Punkte sind die enthaltenen Kosten für Gerüst oder Zählerschrankumbau und die Vermeidung von Vorschüssen für nicht erbrachte Leistungen.
Ein individuelles Anlagenkonzept mit passenden Solarmodulen, Wechselrichter und Batteriespeicher ist entscheidend. Der Installationsbetrieb sollte über ausreichende Kompetenz und Erfahrungen verfügen. Referenzen und die Nähe des Betriebs können im Fall von Fragen oder Reklamationen von Vorteil sein.
Gesetzliche Vorgaben und Versicherungen
Die Installation einer PV-Anlage ist mit einigen Formalitäten verbunden. Dazu gehören die Anmeldung beim Netzbetreiber und die Eintragung im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur. Für Steckersolar-Geräte wurde die Anmeldung beim Netzbetreiber seit dem 16. Mai 2024 vereinfacht.
Eine Gewerbeanmeldung ist für Privatpersonen, die eine PV-Anlage auf dem Einfamilienhaus betreiben, in der Regel nicht erforderlich. Auch die steuerliche Behandlung wurde vereinfacht: Anlagen bis 30 kWp auf Wohnhäusern müssen seit Dezember 2022 nicht mehr in der Einkommenssteuer berücksichtigt werden.
Versicherungsschutz
Photovoltaik-Anlagen sollten in die Wohngebäudeversicherung eingeschlossen werden, um sie vor Gefahren wie Sturm, Hagel, Blitz und Feuer zu schützen. Für größere oder kreditfinanzierte Anlagen kann eine spezielle Photovoltaikversicherung sinnvoll sein. Diese ist zwar teurer, kann aber in den ersten Jahren manchmal im Kaufpreis inbegriffen sein.
Sicherheitsmaßnahmen wie der Einbau von Glas-Glas-Modulen (besserer Hagelschutz) und ein interner Blitzschutz sind empfehlenswert. Bei Immobilien über 10 kWp und höher als umliegenden Gebäuden sollte auch der äußere Blitzschutz berücksichtigt werden. Batteriespeicher sollten nicht im Keller aufgestellt werden, um Schäden bei Hochwasser zu vermeiden.
Gewährleistung, Garantie und Wartung
Für Solaranlagen gilt üblicherweise eine Gewährleistungsfrist von fünf Jahren. Innerhalb dieser Zeit haftet der Verkäufer für Sachmängel. Es empfiehlt sich, die Anlage vor Ablauf dieser Frist auf volle Leistungsfähigkeit und Mängelfreiheit zu prüfen.
Darüber hinaus bieten Hersteller freiwillig Garantien von 10 bis über 20 Jahren für Solarmodule und Komponenten an. Die Wirksamkeit solcher Garantien hängt jedoch davon ab, ob das Unternehmen in Deutschland ansprechbar ist und die Garantiebedingungen klar formuliert sind. Alle Garantieunterlagen sollten langfristig aufbewahrt werden.
Regelmäßige Kontrolle
Nach der Inbetriebnahme sollte die Funktion und der Ertrag der Anlage regelmäßig kontrolliert werden. Die meisten Wechselrichter stellen Daten zur Energieerzeugung über Displays, Webseiten oder Apps zur Verfügung. Ein Vergleich mit anderen Anlagen in der Region kann Aufschluss über die Effizienz geben. Spätestens alle fünf Jahre sollte eine Fachperson die Sicherheit und Funktion prüfen, und nach zehn Jahren kann eine professionelle Reinigung der Solarmodule sinnvoll sein.





