Die Frage nach der Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaik-Anlage beschäftigt viele Hausbesitzer. Angesichts steigender Strompreise und des Wunsches nach mehr Unabhängigkeit vom Energiemarkt rückt die Solarenergie zunehmend in den Fokus. Experten sehen in den meisten Fällen sowohl ökologische als auch ökonomische Vorteile, insbesondere wenn die Voraussetzungen stimmen.
Wichtige Erkenntnisse
- Photovoltaik-Anlagen sind für die meisten Haushalte mit geeigneter Dachfläche wirtschaftlich.
- Eine Amortisation ist für Hausanlagen nach 10 bis 15 Jahren, für Steckersolar-Geräte schon früher möglich.
- Der selbst erzeugte Solarstrom reduziert die Stromrechnung und macht unabhängiger.
- Batteriespeicher erhöhen den Eigenverbrauch auf bis zu 70 Prozent.
- Bidirektionales Laden von Elektroautos steckt noch in den Anfängen, bietet aber großes Potenzial.
Wann sich eine PV-Anlage wirklich rechnet
Ob sich eine Photovoltaik-Anlage oder ein Steckersolar-Gerät lohnt, hängt maßgeblich von der Sonneneinstrahlung auf die vorhandene Dachfläche ab. Wenn diese gut ist, überwiegen in den meisten Fällen die Vorteile – sowohl für die Umwelt als auch finanziell.
Jörg Sutter, ein langjähriger Experte in der Photovoltaik-Branche und Co-Autor des „Ratgeber Photovoltaik“, betont, dass Haus-PV-Anlagen sich unter guten Bedingungen nach etwa 10 bis 15 Jahren amortisieren können. Bei Steckersolar-Geräten geht dies oft sogar schneller, manchmal schon nach wenigen Jahren. Ein weiterer Faktor ist der Strompreis: Steigt dieser in Zukunft weiter an, verkürzt sich die Amortisationszeit noch.
Faktencheck Photovoltaik
Eine Kilowattstunde (kWh) Fahrstrom aus der eigenen PV-Anlage kostet etwa 10 bis 15 Cent. Zum Vergleich: An öffentlichen Schnellladestationen werden aktuell rund 50 bis 70 Cent pro kWh fällig.
Vielfältige Nutzungsmöglichkeiten des Solarstroms
Der selbst erzeugte Solarstrom wird in erster Linie für den eigenen Haushalt genutzt. Tagsüber können damit Geräte wie Kaffeemaschine, Waschmaschine oder Spielekonsole direkt mit sauberem Sonnenstrom versorgt werden.
Die Integration eines Batteriespeichers erweitert die Nutzungsmöglichkeiten erheblich. So kann tagsüber erzeugter Strom gespeichert und auch abends oder nachts verwendet werden. Dies steigert den Eigenverbrauch und damit die Unabhängigkeit vom öffentlichen Netz.
Darüber hinaus gibt es weitere Anwendungen:
- Wärmepumpen: Solarstrom kann eine Wärmepumpe zur Heizungsunterstützung speisen.
- Elektroautos: Eine Wallbox ermöglicht das direkte Laden des Elektroautos mit Solarstrom vom Dach. Das reduziert die Betriebskosten erheblich.
"Jede Kilowattstunde, die vom Dach selbst verbraucht wird, spart den Einkauf von einer Kilowattstunde vom Stromversorger ein und reduziert damit einfach die Stromrechnung." – Jörg Sutter, Experte der Deutschen Gesellschaft für Sonnenenergie e.V. (DGS)
Die richtige Planung ist entscheidend
Die Umsetzung einer Photovoltaik-Anlage ist grundsätzlich nicht kompliziert, erfordert jedoch eine sorgfältige Vorbereitung. Es ist wichtig, sich vorab umfassend zu informieren und konkrete Vorstellungen zur Anlagengröße und zur Stromnutzung zu entwickeln.
Zukunftsgedanken spielen ebenfalls eine Rolle: Wird der persönliche Stromverbrauch in den kommenden Jahren steigen? Stehen größere Anschaffungen an? Eine gute Vorbereitung erleichtert es Anbietern, ein passendes, maßgeschneidertes Angebot zu erstellen.
Hintergrundinformationen
Der "Ratgeber Photovoltaik. Solarstrom und Batteriespeicher für mein Haus" enthält detaillierte Tipps zur Vorplanung und Umsetzung. Die aktuelle Auflage berücksichtigt bereits gesetzliche Änderungen, die im Februar 2025 in Kraft treten.
Anbietersuche und Fallstricke vermeiden
Der Markt für Photovoltaik boomt, was die Suche nach einem guten Anbieter erschweren kann. Es gibt viele Angebote, von denen Experten abraten würden, da sie entweder zu teuer sind oder die Anlagen suboptimal ausgelegt sind. Ein Beispiel hierfür sind überdimensionierte Batteriespeicher, die in der Praxis kaum Nutzen stiften.
Das Ziel sollte immer eine qualitativ hochwertige Anlage sein, die über Jahre hinweg zuverlässig funktioniert und Freude bereitet. Eine fundierte Beratung ist hierbei unerlässlich.
Eigenverbrauch und Einspeisung
Der Anteil des selbst genutzten Solarstroms hängt von vielen Faktoren ab. Oft können mit einer reinen PV-Anlage etwa 30 Prozent des erzeugten Stroms selbst verbraucht werden. Der Rest wird in das öffentliche Netz eingespeist und vergütet.
Wird eine PV-Anlage jedoch mit einem Batteriespeicher optimal ausgelegt, lässt sich der Eigenverbrauchsanteil auf rund 70 Prozent steigern. Wenn zusätzlich ein Elektroauto versorgt wird, kann dieser Anteil sogar noch höher ausfallen.
Der "Ratgeber Photovoltaik" illustriert dies am Beispiel der Familie Fuchs, die zunächst eine PV-Anlage mit Batterie installiert und später ein Elektroauto sowie eine Wärmepumpe ergänzen möchte. Dies zeigt das Potenzial zur Maximierung des Eigenverbrauchs.
Bidirektionales Laden: Die Zukunft der Elektromobilität
Ein viel diskutiertes Thema ist das bidirektionale Laden von Elektroautos. Aktuell dient das Auto als Stromverbraucher, der mit Solarstrom geladen wird. Bidirektionales Laden, das sich noch in einem frühen Entwicklungsstadium befindet, ermöglicht es zukünftig, Strom aus der Autobatterie auch wieder zu entnehmen.
Diese Technologie eröffnet spannende Perspektiven:
- Notstromversorgung: Bei einem Stromausfall könnte das Elektroauto den Haushalt mit Energie versorgen.
- Netzintegration: Das Auto könnte tagsüber am Arbeitsplatz geladen werden und den Strom abends zu Hause wieder abgeben, um den Eigenverbrauch zu optimieren oder das Stromnetz zu entlasten.
Erste Fahrzeuge und Produkte für bidirektionales Laden sind bereits auf dem Markt. Autohersteller zeigen großes Interesse und arbeiten intensiv an der Markteinführung in größerem Stil. Allerdings ist die Technik derzeit noch vergleichsweise teuer. Es wird erwartet, dass die Kosten in den kommenden Jahren deutlich sinken werden.





