Die globale Einführung von Batteriespeichersystemen (BESS) beschleunigt sich rasant. Doch die Branche steht vor neuen Herausforderungen in der Lieferkette. Während die Verfügbarkeit von Batteriezellen sich verbessert hat, konzentriert sich der Wettbewerb nun auf andere kritische Bereiche. Innovative Beschaffungsstrategien und eine frühzeitige Einbindung von Lieferanten sind entscheidend, um Projekte termingerecht und kosteneffizient umzusetzen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Nachfrage nach Energiespeichern steigt exponentiell.
- Der Fokus der Lieferkettenprobleme hat sich verschoben: weg von Batteriezellen, hin zu Bauleistungen und elektrischen Komponenten.
- Frühe Einbindung von Lieferanten und flexible Vertragsmodelle sind entscheidend.
- Starre Festpreisverträge bergen hohe Risiken und zusätzliche Kosten.
- Transparenz und partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Auftragnehmern senken die Gesamtkosten.
Ein boomender Markt mit neuen Hürden
Die Energiespeicherbranche erlebt ein beispielloses Wachstum. Im Jahr 2025 wurden weltweit 307 GWh an Speicherkapazität installiert. Für 2026 wird eine weitere Steigerung auf über 450 GWh erwartet. Diese Zahlen verdeutlichen den enormen Bedarf an Energiespeicherlösungen, um die Energiewende voranzutreiben und Netze zu stabilisieren.
Noch vor wenigen Jahren konkurrierte die BESS-Industrie hart mit dem Markt für Elektrofahrzeuge (EV) um Batteriezellen. Diese Dynamik hat sich grundlegend geändert. Eine moderate Verlangsamung des globalen EV-Verkaufs hat zu einer Überkapazität in der Zellfertigung geführt. Viele globale Zulieferer konzentrieren sich nun verstärkt auf stationäre Speicherlösungen. Märkte wie Australien, wo Batterieprojekte fast die Hälfte der gesamten Projektpipeline des Australian Energy Market Operator (AEMO) ausmachen, profitieren von einer reiferen und sichereren Batteriezellenversorgung.
Faktencheck
- 2025: 307 GWh Batteriespeicherkapazität installiert.
- 2026 (Prognose): Über 450 GWh neue Kapazität erwartet.
- Die Zellversorgung für BESS-Projekte ist stabiler geworden.
Der neue Fokus der Lieferkettenprobleme
Die Herausforderungen der Lieferkette haben sich verlagert. Die BESS-Industrie konkurriert nun in einem viel breiteren Infrastrukturboom. Es gibt einen anhaltenden und intensiven Wettbewerb um qualifizierte Bau- und Elektrounternehmen, spezialisierte Logistikdienstleistungen und kritische elektrische Komponenten mit langen Lieferzeiten. Dazu gehören beispielsweise Hochspannungstransformatoren und Schaltanlagen.
Diese Verschiebung erfordert ein Umdenken in der Projektplanung. Traditionelle Annahmen, bei denen Kosten vorhersagbar sanken und starre Festpreisverträge die Norm waren, sind nicht mehr zeitgemäß. Eine Beschaffungsstrategie, die ausschließlich darauf abzielt, den niedrigsten Kapitalpreis von einem Lieferanten zu erzwingen, führt oft zu unflexiblen Verträgen mit versteckten Risikoprämien.
Strategische Beschaffung statt reiner Kostenjagd
Zukunftsorientierte Beschaffungsteams entwickeln sich von einer rein transaktionalen Sourcing-Funktion zu einem strategischeren Teil der Projektumsetzung. Eine der effektivsten Methoden, um in einem dynamischen Markt zu bestehen, ist die Anpassung des Zeitpunkts und der Art der Einbindung der Lieferkette. Früher wurden Projekte oft so geplant, dass alle Pakete zu einem einzigen Zeitpunkt festgeschrieben wurden.
Dieser Ansatz zwingt Lieferanten heute dazu, zukünftige Marktbedingungen zu erraten, was unweigerlich dazu führt, dass sie massive Eventualitäten in ihre Preisgestaltung einpreisen. Die Lösung liegt in einer früheren Einbindung. Durch die Implementierung von Vorab-Arbeitsvereinbarungen (Early Works Agreements, EWAs) und die Einbeziehung von Original Equipment Manufacturers (OEMs) und Auftragnehmern bereits in der Projektentwicklungsphase erhalten die Teams entscheidende Einblicke in die tatsächlichen Kostentreiber.
Hintergrund: Early Works Agreements (EWAs)
EWAs sind Vereinbarungen, die es ermöglichen, bestimmte Projektphasen oder kritische Komponenten frühzeitig zu starten oder zu sichern, noch bevor der vollständige Hauptvertrag unterzeichnet ist. Dies reduziert Risiken und beschleunigt den Projektfortschritt.
Eine frühzeitige Zusammenarbeit ermöglicht es Eigentümern, Projektentwicklern und Systemintegratoren, sich auf den Umfang des Projekts abzustimmen, Verbesserungen in der Bauausführung zu identifizieren und Komponenten mit langen Lieferzeiten – wie Transformatoren – zu sichern, bevor sie zu einem Engpass im Zeitplan werden. Projektbeteiligte, die diesen phasenweisen, adaptiven Ansatz übernommen haben, sehen bereits greifbare Vorteile: frühere Erreichung von Projektmeilensteinen, niedrigere Gesamtkosten und eine drastische Reduzierung von Überraschungen während der Ausführungsphase.
Flexible Vertragsmodelle für mehr Agilität
Diese strategische Neuausrichtung ist besonders kritisch für Generalunternehmer (Balance of Plant, BOP). Bei jüngsten Großbatterieprojekten sahen sich Bau- und Elektrounternehmer mit eigenen Herausforderungen konfrontiert, von Unsicherheiten bezüglich der lokalen Arbeitskraftverfügbarkeit über Kraftstoffpreise bis hin zur Kapazität von Subunternehmern.
Wenn Beschaffungsteams starre Festpreismodelle für BOP-Auftragnehmer durchsetzen und erwarten, dass diese blind die Risiken von Dieselpreisschwankungen, unvorhersehbaren Wetterverzögerungen und der Volatilität des Kupfermarktes absorbieren, entsteht eine gegnerische Beziehung. Agile Beschaffungsmodelle ändern diese Dynamik. Anstatt das Risiko vollständig auf den Auftragnehmer abzuwälzen, konzentriert sich die strategische Beschaffung auf flexible kommerzielle Strukturen.
„Eine partnerschaftliche Herangehensweise, die Risiken teilt und Transparenz fördert, ist der Schlüssel zum Erfolg in diesem dynamischen Markt.“
Dies beinhaltet die Einführung von Indexpreismechanismen, die an zugrunde liegende Kostentreiber (wie Verbraucherpreisindex oder Kraftstoffpreise) gekoppelt sind, und die Anpassung von Preisgültigkeitszeiträumen an wichtige Projektmeilensteine. Es gibt auch einen stärkeren Fokus auf Kostentransparenz und Benchmarking. Durch die kollaborative Zusammenarbeit mit Auftragnehmern, um Kostenstrukturen aufzuschlüsseln und Annahmen gemeinsam zu hinterfragen, können Beschaffungsteams eingebettete Eventualitäten identifizieren und Einsparungen erzielen, ohne das Lieferrisiko des Auftragnehmers zu erhöhen.
Dies verwandelt die BOP-Beziehung von einem transaktionalen Lieferanten in einen echten Projektpartner. Diese Veränderungen stellen einen strukturellen Wandel in der Funktionsweise der BESS-Industrie dar. Die Herausforderung für die Branche besteht nicht mehr darin, vorherzusagen, ob die Preise steigen oder fallen werden. Es geht darum, die Fähigkeit aufzubauen, schnell und effektiv zusammen mit den Partnern zu reagieren.
Fazit: Resilienz durch Partnerschaft
Da Asset-Eigentümer und Projektentwickler zunehmend sowohl kommerzielle Sicherheit als auch Flexibilität suchen, wird die Fähigkeit, Beschaffungsmodelle zu strukturieren, die beides ausbalancieren, zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil. Für etablierte Anbieter von Speicherlösungen bietet dieses Umfeld eine Gelegenheit, Lieferanten- und BOP-Partnerschaften zu stärken, prädiktive Marktintelligenz in die Planungsphasen einzubetten und flexiblere kommerzielle Modelle zu fördern.
Letztendlich stellt der Aufbau eines widerstandsfähigen Beschaffungsrahmens sicher, dass Asset-Eigentümer sich auf ihre Lieferpartner verlassen können, um kritische Infrastrukturen in einem zunehmend dynamischen globalen Markt aufzubauen. Die strategische Beschaffung ist somit nicht nur ein Kostenfaktor, sondern ein zentraler Erfolgsfaktor für die zukünftige Entwicklung der Energiespeicherbranche.





