Die europäische Energielandschaft erlebt einen deutlichen Schub durch neue Investitionen in Batteriespeichersysteme (BESS). Zwei wichtige Projekte in Spanien und Italien, mit einer Gesamtkapazität von 355 MW, unterstreichen das wachsende Engagement für stabile und flexible Stromnetze. Diese Entwicklung ist entscheidend für die Integration erneuerbarer Energien und die Sicherung der Energieversorgung in Europa.
Wichtige Erkenntnisse
- Return und Engie vereinbaren 10-Jahres-Tollvertrag für drei BESS-Projekte in Spanien (55 MW / 220 MWh).
- EnBW sichert sich 300 MW Kapazität von Zelestras 500 MW / 2.000 MWh BESS in Italien.
- Spanien beschleunigt BESS-Einführung nach Stromausfall 2025 mit Förderprogrammen und Kapazitätsmarkt.
- Die Projekte tragen zur Netzstabilität und Integration erneuerbarer Energien bei.
Spanien stärkt Energiesicherheit mit neuen BESS-Projekten
Das Unternehmen Return, ein Betreiber von Batteriespeichersystemen, und der Energiekonzern Engie haben einen langfristigen Vertrag über die Nutzung von drei BESS-Projekten in Spanien abgeschlossen. Diese Projekte befinden sich alle in der Region Baskenland und sollen bis Ende 2027 in Betrieb genommen werden. Ihre Gesamtleistung beträgt 55 MW mit einer Speicherkapazität von 220 MWh.
Im Rahmen dieser Vereinbarung wird Return die Anlagen entwickeln, besitzen und betreiben. Engie übernimmt die Optimierung der Flexibilität dieser Systeme auf dem spanischen Großhandelsmarkt und den Märkten für Systemdienstleistungen. Es handelt sich um einen sogenannten Full-Tolling-Vertrag, bei dem Engie Return eine feste Gebühr zahlt und im Gegenzug alle potenziellen Erträge aus der Nutzung der Batterien erhält.
Faktencheck Spanien
- Gesamtkapazität: 55 MW / 220 MWh
- Standort: Baskenland, Spanien
- Inbetriebnahme: Ende 2027
- Vertragsdauer: 10 Jahre
Wachsende Bedeutung von BESS in Spanien
Die Aktivitäten im Bereich großer Batteriespeichersysteme haben in Spanien seit einem landesweiten Stromausfall im Frühjahr 2025 deutlich zugenommen. Die Regierung hat daraufhin mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Einführung von Energiespeichern zu beschleunigen. Dazu gehören EU-finanzierte Förderprogramme, ein Erlass zur Stärkung der Netzsicherheit und die Einführung eines Kapazitätsmarktes.
"Die Partnerschaft mit Engie ist ein wichtiger Schritt, um die Energiewende in Spanien voranzutreiben und die Netzstabilität zu gewährleisten", so ein Sprecher von Return. "Sie baut auf unserer bestehenden Zusammenarbeit in Deutschland auf."
Engie selbst ist weltweit aktiv im Ausbau von BESS und bietet auch Tolling-Verträge für andere Betreiber an. Das Unternehmen hat kürzlich ähnliche Vereinbarungen in Deutschland mit der BESS-Plattform Flower (657 MWh) und in Spanien mit dem Entwickler Ignis getroffen. Der Vertrag mit Ignis ist dabei bemerkenswert, da er Engie nur das Recht zur Nutzung der BESS auf dem Day-Ahead- und Intraday-Markt einräumt, während Ignis für den Betrieb der Systeme in den Ausgleichsdienstleistungen verantwortlich bleibt.
Italien setzt auf Gigaprojekt für Energiespeicherung
Auch in Italien gibt es bedeutende Fortschritte im Bereich der Batteriespeichersysteme. Der Energieversorger EnBW wird 300 MW Kapazität von einem riesigen BESS-Projekt beziehen, das das unabhängige Stromerzeugungsunternehmen (IPP) Zelestra in der Emilia-Romagna, Norditalien, errichten und betreiben wird. Das Projekt umfasst insgesamt 500 MW Leistung und eine Speicherkapazität von 2.000 MWh.
Die Unternehmen haben sich auf einen langfristigen Tolling-Vertrag für 60% der Projektkapazität geeinigt. Der Baubeginn ist für 2027 geplant, die kommerzielle Inbetriebnahme soll 2028 erfolgen. Dieses Projekt scheint identisch mit einer bereits im September 2025 angekündigten Vereinbarung zwischen EnBW und Zelestra zu sein, basierend auf Standort und Zeitplan. Damals wurde jedoch nur von einer Kapazität von "bis zu 2 GWh" gesprochen, was darauf hindeutet, dass die genaue Größe des Deals noch verhandelt wurde.
Hintergrund Italien
Italiens Netzbetreiber Terna hat mit der MACSE-Auktion einen Mechanismus geschaffen, um ausreichend Speicherkapazität zur Netzstabilisierung, insbesondere zur Balance der Solarstromerzeugung im Süden des Landes, sicherzustellen. Zelestras Projekt erhielt jedoch keinen Zuschlag in dieser Auktion.
Strategische Entscheidungen von Zelestra
Eliano Russo, CEO von Zelestra Italien, erläuterte in einem Interview für den Energy Storage Report 2026, warum sich das Unternehmen gegen eine Teilnahme an der MACSE-Auktion entschieden hat und welche Auswirkungen dies auf den breiteren Abnahmemarkt haben könnte. Zelestra hat stattdessen andere langfristige Abnahmeverträge für seine Solar-Plus-Speicher-Projekte in Spanien abgeschlossen.
Zelestra arbeitet auch in Italien mit weiteren Partnern zusammen. So ist BKW der Abnehmer für Zelestras Solarprojekte in Italien, darunter die Projekte Ginosa und Bellomo, wobei letzteres sich derzeit im Bau befindet. Diese strategischen Partnerschaften sind entscheidend für die Finanzierung und Realisierung großer Energieinfrastrukturprojekte.
Faktencheck Italien
- Gesamtkapazität des Projekts: 500 MW / 2.000 MWh
- EnBW-Abnahme: 300 MW (60% der Kapazität)
- Standort: Emilia-Romagna, Norditalien
- Inbetriebnahme: 2028
Ausblick auf die europäische Energiespeicherung
Die jüngsten Vereinbarungen in Spanien und Italien zeigen einen klaren Trend: Energiespeichersysteme sind unverzichtbar für die Energiewende in Europa. Sie ermöglichen eine bessere Integration volatiler erneuerbarer Energien wie Solar- und Windkraft und erhöhen die allgemeine Stabilität der Stromnetze. Die Entwicklung von langfristigen Tolling-Verträgen bietet dabei sowohl den Betreibern von Speichersystemen als auch den Energiehändlern Planungssicherheit.
Die Investitionen in BESS werden voraussichtlich weiter steigen, da immer mehr Länder ihre Netze fit für eine CO2-freie Zukunft machen müssen. Die Erfahrungen aus Spanien nach dem Stromausfall 2025 und die strategischen Entscheidungen von Unternehmen wie Zelestra in Italien unterstreichen die Notwendigkeit flexibler und widerstandsfähiger Energiesysteme.
Diese Projekte sind nicht nur technische Errungenschaften, sondern auch wirtschaftliche Impulse. Sie schaffen Arbeitsplätze und fördern die Entwicklung neuer Technologien. Die Zusammenarbeit zwischen Entwicklern, Betreibern und Energiehändlern ist dabei der Schlüssel zum Erfolg. Europa ist auf dem Weg zu einem robusteren und nachhaltigeren Energiemix, und Batteriespeicher spielen dabei eine zentrale Rolle.





