Eine aktuelle Analyse des kalifornischen Batteriespeichermarktes zeigt erhebliche Unterschiede in der Betriebsweise von Batteriespeichersystemen (BESS). Demnach entgingen Betreibern aufgrund suboptimaler Strategien Einnahmen von rund 98 Millionen US-Dollar.
Wichtige Erkenntnisse
- Batteriespeicher in Kalifornien verpassten 98 Millionen US-Dollar an potenziellen Einnahmen.
- Statische Gebotsstrategien sind der Hauptgrund für die Unterperformance.
- Höchstleistungen übertrafen den Medianwert um das Dreifache.
- Neue Vertragsmodelle erfordern dynamischere Betriebsstrategien.
Erhebliche Leistungsunterschiede im CAISO-Markt
Der Bericht, veröffentlicht am 24. Juni von Gridmatic, einem auf KI-gestützte Netzprognosen spezialisierten Unternehmen, untersuchte 30 BESS-Projekte im CAISO-Markt (California Independent System Operator). Die Analyse offenbarte bemerkenswerte Leistungsunterschiede. Diese resultieren primär aus den Gebotsstrategien der Betreiber und weniger aus Standort oder Ausstattung der Systeme.
Einige Batteriespeicher verdienten weniger als 1 US-Dollar pro Kilowatt und Monat, während Spitzenreiter über 6 US-Dollar pro Kilowatt und Monat erzielten. Der Medianwert lag bei etwa 2 US-Dollar pro Kilowatt und Monat. Dies zeigt eine weite Spanne in der Rentabilität.
"Das große Fazit war die Variation in den pro Kilowatt verdienten Dollar-Beträgen", erklärt David Miller von Gridmatic, der den Bericht verfasst hat. "Es ist einfach eine sehr verstreute Leistung."
Statische Gebotsstrategien als Problem
Viele Batteriebetreiber nutzen statische Gebotsstrategien. Diese bleiben über lange Zeiträume unverändert und passen sich nicht an die aktuellen Marktbedingungen an. Dies kann besonders bei Preisschwankungen zu Verlusten führen.
Faktencheck
- 98 Millionen US-Dollar: Geschätzte entgangene Einnahmen für unterperformende Batteriespeicher.
- 1 US-Dollar/kW/Monat: Untergrenze der Einnahmen für einige Systeme.
- 6 US-Dollar/kW/Monat: Obergrenze der Einnahmen für Top-Performer.
- 2 US-Dollar/kW/Monat: Medianleistung im CAISO-Markt.
Eine typische statische Strategie ist das Laden während des Tages und das Entladen am Abend, um die sogenannte „Duck Curve“ zu nutzen. Dies ist grundsätzlich sinnvoll. Doch an Tagen mit hohen Preisen, bei denen der Ladepreis von 0 US-Dollar auf 100 US-Dollar und der Entladepreis von 50 US-Dollar auf 500 US-Dollar steigt, verpassen statische Gebote diese Chancen vollständig.
Drei Schlüsselstrategien für höhere Erträge
Gridmatics Analyse identifizierte drei Hauptstrategien, die zu einer besseren Leistung führten. Erstens, die Anpassung der Gebotsstrategien. Erfolgreiche Betreiber änderten ihre Gebotspreise und -mengen dynamisch, anstatt statische Ansätze zu verfolgen.
Zweitens, die umfassende Marktteilnahme. Viele Batteriespeicher konzentrierten sich nur auf den Day-Ahead-Energiemarkt. Sie verpassten dadurch Gelegenheiten in den Real-Time-Märkten und bei den Zusatzleistungen (Ancillary Services).
Drittens, der Fokus auf mehrere Produkte. Leistungsstärkere Systeme optimierten ihre Strategien über verschiedene Einnahmequellen hinweg, anstatt sich auf einen einzelnen Ertragsstrom zu beschränken.
Hintergrund: Die "Duck Curve" in Kalifornien
Die "Duck Curve" beschreibt ein Phänomen im Stromnetz, das in Regionen mit hoher Solarenergieerzeugung auftritt. Tagsüber, wenn viel Solarstrom produziert wird, sinkt die Nettonachfrage nach Strom. Am späten Nachmittag, wenn die Sonne untergeht und die Solarenergieproduktion abnimmt, steigt die Nachfrage schnell an. Batteriespeicher können hier eine wichtige Rolle spielen, indem sie tagsüber überschüssigen Solarstrom speichern und ihn in den Abendstunden wieder ins Netz einspeisen.
Regionale Unterschiede und Datenherausforderungen
Auch der Standort beeinflusste die Leistung. Batterien in der südlichen Kalifornien-Zone (SP-Zone) profitierten stärker von den Effekten der Duck Curve, da dort mehr Solarenergie vorhanden ist. Im Gegensatz dazu fanden Batterien in der nördlichen Kalifornien-Zone (NP-Zone) mehr Möglichkeiten in den Märkten für Zusatzleistungen.
Die Analyse war mit Datenbeschränkungen im CAISO-System verbunden, die in anderen Märkten wie ERCOT (Texas) nicht existieren. Gridmatic entwickelte daher eine "Shadow Clearing Engine". Dieses Tool schätzt Marktzuschläge auf Basis öffentlich verfügbarer Gebotsdaten und Marktpreise.
"Die Shadow Clearing Engine führt im Wesentlichen die CAISO-Marktlogik aus, wie die Batterien basierend auf ihren Geboten und den zu diesem Zeitpunkt auf dem Markt verfügbaren Clearingpreisen eingesetzt werden", erklärt Miller. Die Methodik wurde durch den Abgleich mit FERC-Daten (Federal Energy Regulatory Commission) und den Vergleich mit Gridmatics eigenen betriebenen Anlagen validiert.
Neue Vertragsmodelle und finanzielle Verpflichtungen
Die Ergebnisse sind besonders relevant angesichts jüngster Änderungen in den kalifornischen Batteriespeicherverträgen. Versorgungsunternehmen wie PG&E und Southern California Edison sowie Community Choice Aggregatoren setzen zunehmend auf "Resource Adequacy plus Financial Settlement"-Verträge.
Bei diesen Vereinbarungen zahlen die Versorgungsunternehmen für die Resource Adequacy (RA)-Kapazität und einen festen Betrag an die Batteriebesitzer. Die Besitzer müssen jedoch eine finanzielle Abrechnung auf Basis des "Top-Bottom" (TB)-Wertes leisten – der Differenz zwischen Spitzen- und Nebenzeiten-Energiepreisen.
"Der Batteriebesitzer ist für einen variablen Betrag verantwortlich. Es ist wie ein Finanz-Swap, bei dem der Batteriebesitzer einen variablen Betrag, den TB-Wert, zahlt und das Versorgungsunternehmen einen festen Betrag zahlt", sagt Miller.
Wenn Betreiber 100 % dieses Betrags erwirtschaften, sind sie netto neutral. Verdienen sie mehr, machen sie zusätzlichen Gewinn. Verdienen sie weniger, bedeutet dies, dass der langfristige Vertrag mit dem Versorgungsunternehmen eine Verpflichtung enthält, bei der sie nicht alle Einnahmen erhalten.
Erfolgsbeispiel: Caballero BESS
Gridmatics Analyse zeigte, dass die von ihnen betriebene Batterie, das 100MW/400MWh Caballero BESS in San Luis Obispo County, 141 % ihres TB-Wertes erreichte. Dies war das höchste Verhältnis in der Studie, während viele andere Batterien unter 100 % blieben.
Gridmatic, das seit 2024 Batteriespeicher im CAISO und seit 2023 im ERCOT betreibt, erwägt die Ausweitung dieser Methodik auf andere Märkte. Die Datenverfügbarkeit variiert jedoch je nach Region. Das Unternehmen veröffentlichte bereits ähnliche Berichte für den ERCOT-Markt in Texas, wo eine größere Datentransparenz die Analyse vereinfachte.
Die erfolgreiche Anwendung der Shadow Clearing Methodik im CAISO deutet darauf hin, dass ähnliche Analysen auch in anderen Märkten mit begrenzter Offenlegung auf Ressourcenebene möglich sein könnten.
Wissenswertes über den CAISO-Markt
- CAISO: California Independent System Operator, zuständig für den Betrieb des Stromnetzes in Kalifornien.
- ERCOT: Electric Reliability Council of Texas, vergleichbarer Marktbetreiber in Texas mit höherer Datentransparenz.
- Resource Adequacy (RA): Kapazitätsverträge, die sicherstellen, dass genügend Stromerzeugungskapazität vorhanden ist.
Die Erkenntnisse des Berichts unterstreichen die Notwendigkeit für Batteriebetreiber, ihre Betriebsstrategien zu optimieren. Nur so können sie das volle Potenzial ihrer Anlagen ausschöpfen und finanzielle Verluste vermeiden. Dies wird angesichts der zunehmenden Bedeutung von Batteriespeichern für die Netzstabilität und die Integration erneuerbarer Energien immer wichtiger.
Zukunftsaussichten und Konferenzen
Die Bedeutung dieser Optimierungen wird auch auf Fachkonferenzen diskutiert. Der Battery Asset Management Summit USA 2026 findet vom 15. bis 16. September in Garden Grove, Kalifornien, statt. Die Agenda konzentriert sich auf die Rollen von Künstlicher Intelligenz, Cybersicherheit und Second-Life-Anwendungen. Die Konferenz ist in zwei Bereiche unterteilt: Technisches Asset Management und Kommerzielles Asset Management.
In diesem Jahr findet die Konferenz zusammen mit dem Solar & Storage Finance Summit USA statt. Dies unterstreicht die wachsende Vernetzung von Solarenergie und Speichersystemen sowie die finanziellen Aspekte dieser Technologien.





