Der europäische Markt für Batteriespeichersysteme (BESS) erlebt ein bemerkenswertes Wachstum. Sinkende Zellkosten, der Ausbau erneuerbarer Energien und der schrittweise Rückzug konventioneller Kraftwerke treiben diese Entwicklung maßgeblich voran. Was einst als Nischeninvestment galt, ist heute ein etabliertes und finanzierbares Segment, das sowohl private als auch institutionelle Investoren anzieht.
Wichtige Erkenntnisse
- Der europäische BESS-Markt wächst schnell, angetrieben durch Kostensenkungen und erneuerbare Energien.
- Finanzierungen für Batteriespeicher sind heute weit verbreitet und zugänglich.
- Vierstundensysteme dominieren den Markt und verändern die Strommärkte.
- Herausforderungen bleiben bei Netzanschlusskapazitäten und Fachkräftemangel.
- Eine Neugestaltung der Netzentgelte ist entscheidend für das volle Potenzial der Speicher.
Ein Boom im Energiesektor
Batteriespeichersysteme sind zu einem zentralen Element der Energiewende geworden. Sie ermöglichen es, überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen zu speichern und bei Bedarf wieder ins Netz einzuspeisen. Diese Flexibilität ist entscheidend für die Stabilisierung der Stromnetze, insbesondere da immer mehr intermittierende erneuerbare Energien integriert werden.
Die Kosten für Batteriezellen sind in den letzten Jahren deutlich gesunken, was die Rentabilität von BESS-Projekten stark verbessert hat. Dies hat eine Welle von Investitionen ausgelöst. Laut Experten ist der Markt von einem Nischenprodukt zu einem festen Bestandteil der Infrastruktur geworden, der von institutionellen Anlegern gut verstanden und finanziert wird.
Faktencheck
- Vierstundensysteme sind mittlerweile Standard im BESS-Markt.
- Sie beeinflussen maßgeblich die Strompreise im Day-Ahead- und Intraday-Handel.
- Community-Akzeptanz ist hoch, wenn Entwickler Lärm- und visuelle Auswirkungen managen.
Herausforderungen und Engpässe
Trotz des Wachstums gibt es weiterhin erhebliche Herausforderungen. Eine der größten ist die knappe Netzanschlusskapazität. Historisch bedingte Warteschlangen nach dem „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“-Prinzip verzögern viele Projekte. Zudem erschwert eine veraltete Gesetzgebung den Netzbetreibern, flexible Anschlussvereinbarungen (FCAs) oder zeitbasierte Netzentgelte anzubieten.
Ein weiterer Engpass betrifft den Arbeitsmarkt und die Produktion. Der Mangel an qualifizierten Elektroingenieuren sowie die begrenzte Produktionskapazität für Hochspannungskomponenten führen zu Verzögerungen. Projektentwickler müssen diese verlängerten Zeitrahmen in ihren Planungen berücksichtigen, um realistische Fertigstellungstermine zu gewährleisten.
"Die Akzeptanz in der Bevölkerung ist generell gut, wenn der Entwickler Lärm- und visuelle Auswirkungen effektiv managt und den positiven Beitrag von dezentralen Energiesystemen zu den oft unterfinanzierten Budgets der Kommunen klar kommuniziert."
Finanzierung und Projektumsetzung
Die Finanzierungslandschaft für BESS-Projekte hat sich positiv entwickelt. Große paneuropäische Kreditgeber haben spezielle Teams für erneuerbare Energien und Batteriespeicher aufgebaut. Sie sind zunehmend bereit, sowohl gegen vertraglich gesicherte als auch gegen marktbasierte Einnahmen Kredite zu vergeben. Dies wird durch eine wachsende Zahl bankfähiger Langzeit-Einnahmenprognosen und robuste Marktbenchmarks unterstützt.
Die meisten BESS-Projekte werden heute über ein Zwei-Vertrags-Modell realisiert. Dabei liefert ein Unternehmen das BESS und die Mittelspannungsausrüstung, während ein anderes die Installation, Kaltinbetriebnahme sowie die Arbeiten an der Hochspannungsunterstation, Kabeltrasse und Netzbetreiber-Anbindung übernimmt. Dieses Modell hat sich bewährt und wird voraussichtlich auch in Zukunft dominieren.
Hintergrund: Noveria Energy
Bluestar Energy Capital hat Noveria Energy Mitte 2024 gegründet, um den europäischen BESS-Markt zu bedienen. Im Oktober letzten Jahres gab Noveria eine Partnerschaft mit VPI, einer Plattform des Energie- und Rohstoffunternehmens Vitol, bekannt. Ziel ist der Einsatz von 700 MW Batteriespeichersystemen in Deutschland. Diese strategischen Partnerschaften sind entscheidend für den Ausbau der Speicherinfrastruktur.
Technologische Entwicklung und Regulierung
Die Lithium-Ionen-Technologie aus Asien bleibt aufgrund ihrer Kosten und der garantierten Degradationskurven und Zyklenzahlen dominierend. Insbesondere im deutschen Markt, der sich zu Vierstundensystemen bewegt, wird die LFP-Chemie (Lithium-Eisenphosphat) voraussichtlich weiterhin führend sein. Es gibt jedoch auch interessante Anwendungsfälle für andere Batterietechnologien.
Die vollständige Ausschöpfung des Speicherpotenzials erfordert eine Neustrukturierung der Netzentgelte. Das derzeitige Modell, das pauschale Vorauszahlungen an Netzbetreiber vorsieht, muss überarbeitet werden. Ziel ist es, klare Preissignale zu schaffen, die Anreize für Batteriespeicher setzen, Engpässe im Netz zu entlasten, insbesondere auf Verteilerebene.
Digitalisierung und Netzstabilität
Der Mangel an Digitalisierung und präziser Lastmessung bei Verteilnetzbetreibern (DSOs) stellt ein großes Hindernis für die Integration flexibler Anlagen wie BESS dar. Sichtbarkeit und Daten sind für eine effektive Netzplanung und -verwaltung unerlässlich. Politische Entscheidungsträger müssen sicherstellen, dass die Netzentgeltrahmen für Verbraucher und Industrie fair und kontrolliert bleiben, um die Vorteile der Energiewende gerecht zu verteilen.
Übertragungsnetzbetreiber (TSOs) entwickeln sich von passiven Netzbetreibern zu aktiven Beschaffern von Flexibilität. Sie integrieren BESS zunehmend in ihre Netzstabilitätsstrategien, anstatt sich ausschließlich auf die rotierenden Massen großer Dampfturbinen in konventionellen Kraftwerken zu verlassen.
- Engpässe bei Netzanschlüssen: Der Übergang vom „Wer zuerst kommt, mahlt zuerst“-Modell zum „Wer zuerst bereit ist, wird zuerst angeschlossen“-Modell (FRFC) ist entscheidend.
- Deutschland als Vorreiter: Der deutsche TSO 50Hertz leistet hier hervorragende Arbeit und erwartet Änderungen im Jahr 2026.
Die Investitionen auf TSO-Ebene sind so erheblich, dass in vielen europäischen Ländern eine Kapitalrestrukturierung und Renationalisierung stattfindet. Dies zeigt die strategische Bedeutung der Netzstabilität und der Rolle, die Batteriespeicher dabei spielen werden.





