Die Regierung von New South Wales (NSW) ergreift proaktive Maßnahmen, um die Stromversorgung des Bundesstaates langfristig zu sichern. Energieministerin Penny Sharpe hat ASL beauftragt, eine Ausschreibung für gesicherte Kapazitäten zu starten. Diese soll Engpässe ab dem Finanzjahr 2033-34 verhindern, die durch die Stilllegung großer Kohlekraftwerke entstehen könnten.
Die Planungen sind eine direkte Reaktion auf die bevorstehende Abschaltung der Kohlekraftwerke Bayswater (2,64 GW) und Vales Point (1,32 GW). Diese Anlagen sind zentrale Säulen der aktuellen Energieversorgung in NSW, und ihr Wegfall erfordert einen frühzeitigen und strategischen Ersatz durch neue Infrastruktur.
Wichtige Erkenntnisse
- NSW plant eine neue Ausschreibung für gesicherte Stromkapazitäten ab 2033-34.
- Die Initiative reagiert auf die Schließung der Kohlekraftwerke Bayswater und Vales Point.
- ASL wird den Bedarf analysieren und die Ausschreibung Ende 2026 oder Anfang 2027 starten.
- Verschiedene Technologien wie Batterien, Gaskraftwerke und Pumpspeicher sind gefragt.
- NSW hat bereits 30 GWh Speicherkapazität vertraglich gesichert.
Strategische Planung für eine sichere Energiezukunft
ASL, ehemals AEMO Services, wird zunächst eine detaillierte Analyse durchführen. Dabei geht es um den genauen Zeitpunkt, das Ausmaß und die spezifischen Anforderungen der benötigten Kapazitäten. Diese Ergebnisse werden im Bericht zum Investitionsziel für gesicherte Infrastruktur 2026 veröffentlicht, der voraussichtlich im August 2026 erscheint.
Die anschließende Ausschreibung ist für das vierte Quartal 2026 oder das erste Quartal 2027 geplant. Dieser Zeitplan soll Entwicklern von Projekten mit längeren Vorlaufzeiten die Möglichkeit geben, am Wettbewerb teilzunehmen und ihre Vorschläge einzureichen.
Faktencheck: Kohlekraftwerke in NSW
- Bayswater: 2,64 GW Kapazität, geplante Stilllegung bis 2033-34.
- Vales Point: 1,32 GW Kapazität, geplante Stilllegung bis 2033-34.
- Diese beiden Kraftwerke decken einen erheblichen Teil des Strombedarfs in New South Wales ab.
Unabhängig von laufenden Ausschreibungen
Diese neue Ausschreibung für gesicherte Kapazitäten läuft parallel zu einer bereits bestehenden Ausschreibung über 500 MW. Letztere wurde im Oktober 2025 gestartet und zielt auf den Sommer 2027-28 ab. Sie konzentriert sich auf die Region Sydney-Newcastle-Wollongong und soll bis Mai 2026 abgeschlossen sein.
Der aktuelle Energie-Sicherheitsbericht von 2025 zeigt, dass NSW bis zum Finanzjahr 2027-28 über ausreichende feste Kapazitäten verfügt. Danach wird ein erster Engpass erwartet, gefolgt von einer weiteren Lücke ab 2033-34, wenn die Kohlekraftwerke planmäßig vom Netz gehen.
Technologische Vielfalt gefragt
Die kommende Ausschreibung ist technologieoffen gestaltet. Gesucht werden Projekte, die schnelle Anpassungen der Stromversorgung oder -nachfrage ermöglichen. Dazu gehören verschiedene Optionen:
- Batteriespeicher: Lithium-Ionen-Batterien und andere fortschrittliche Speichersysteme.
- Gaskraftwerke: Flexible Gaskraftwerke, die schnell hoch- und heruntergefahren werden können.
- Pumpspeicherkraftwerke: Bewährte Technologie für große Speicherkapazitäten.
- Virtuelle Kraftwerke (VPPs): Netzwerke aus dezentralen Erzeugern und Verbrauchern, die intelligent gesteuert werden.
Thimo Mueller, General Manager Commercial bei ASL, betonte kürzlich, dass frühere Ausschreibungen eine starke Marktresonanz gezeigt haben. Die sinkenden Kosten für Lithium-Ionen-Technologien machen diese auch für längere Speicherdauer zunehmend wettbewerbsfähig.
Hintergrund: NSW Electricity Infrastructure Roadmap
Die Electricity Infrastructure Roadmap von NSW ist ein umfassender Plan zur Umstellung auf erneuerbare Energien. Sie sieht den Ausbau von Erzeugung, Speicherung und Übertragung vor. Bislang wurden im Rahmen der Roadmap sechs Ausschreibungen für langfristige Energieversorgungsverträge (LTESA) und Netzzugangsrechte in Erneuerbare-Energien-Zonen durchgeführt.
Das Rahmenwerk bietet Projektentwicklern finanzielle Sicherheit durch garantierte Mindest-Cashflows über lange Vertragslaufzeiten. Dies reduziert Investitionsrisiken und fördert die Marktteilnahme.
Erfolgreiche Projekte und zukünftige Kapazitäten
Bereits im Februar 2026 schloss Australien die bisher größte Ausschreibung für Langzeit-Energiespeicher ab. Dabei wurden Verträge für sechs Lithium-Ionen-Batterieprojekte mit einer Gesamtleistung von 1,17 GW und einer Kapazität von 11,98 GWh vergeben. Diese Projekte können den Strom zwischen 8,7 und 11,5 Stunden lang liefern.
Zu den erfolgreichen Projekten gehören unter anderem:
- Neoen Australias 330 MW/3.500 MWh Great Western Battery in der Nähe von Lithgow.
- Ark Energys 250 MW/2.414 MWh Bowmans Creek Anlage.
- Vier weitere Systeme von BW ESS Australia, FRV Services Australia, Iberdrola Australia und Bridge Energy.
Zusammen mit den Ergebnissen früherer Ausschreibungen hat NSW damit bereits etwa 30 GWh Speicherkapazität vertraglich gesichert. Dies ist ein wichtiger Schritt zur Stabilisierung des Netzes während des Übergangs zu erneuerbaren Energien.
„Die Regierung ist entschlossen, durch erneuerbare Energieerzeugung, Speicherung und Gas eine sichere, zuverlässige und erschwingliche Stromversorgung zu gewährleisten, während alternde Kohlekraftwerke stillgelegt werden.“
Penny Sharpe, Energieministerin von NSW
Dieser proaktive Ansatz bei der Kapazitätsplanung soll die Netzstabilität während der Energiewende aufrechterhalten. Die Initiativen von NSW zeigen, wie ein Bundesstaat die Herausforderungen der Dekarbonisierung angeht und gleichzeitig die Versorgungssicherheit gewährleistet.





