Die Energielandschaft in Nordeuropa erlebt einen signifikanten Wandel. Mehrere große Energieunternehmen treiben den Ausbau von Batteriespeichersystemen (BESS) voran. Diese Projekte sollen die Netzstabilität verbessern und die Integration erneuerbarer Energien beschleunigen.
Von Deutschland über Irland bis Dänemark entstehen neue Anlagen. Sie sind entscheidend für die Bewältigung kurzfristiger Lastspitzen und die Kompensation von Frequenzschwankungen. Dies sichert die Stromversorgung in der Region.
Wichtige Punkte
- Neoen startet Bau eines 10MW/41MWh BESS in Willstätt, Deutschland.
- Zenobē und Drax vereinbaren 15-jährigen Tolling-Vertrag für 200MW/800MWh BESS in Schottland.
- Statkraft nimmt Irlands ersten 4-Stunden-BESS mit 20MW/80MWh in Betrieb.
- Infranode plant größten Co-Location-Batteriespeicher in den Nordics mit 60MW/120MWh in Dänemark.
Deutschland setzt auf Batteriespeicher
Der unabhängige Stromerzeuger Neoen hat den Startschuss für den Bau eines 10-Megawatt-Batteriespeichersystems (BESS) in Willstätt, Baden-Württemberg, gegeben. Die Anlage wird eine Kapazität von 41 Megawattstunden haben. Systemintegrator Nidec erhielt den entsprechenden Auftrag.
Das Projekt in Willstätt ist Neoens zweites BESS in Deutschland. Es soll im Jahr 2027 in Betrieb gehen. Ein Jahr zuvor hatte Neoen bereits mit dem Bau eines 45MW/90MWh Systems in Arneburg begonnen. Für den Großteil der Kapazität dieser Anlage wurde kürzlich ein Tolling-Vertrag mit dem Energieunternehmen Uniper unterzeichnet.
„Das Projekt in Willstätt ist darauf ausgelegt, kurzfristige Lastspitzen abzufedern und Frequenzschwankungen auszugleichen. Es leistet einen wichtigen Beitrag zur regionalen Sicherheit der Stromversorgung“, so ein Sprecher von Neoen.
Faktencheck Deutschland
- Projekt: Willstätt Battery (Neoen)
- Leistung: 10 MW
- Speicherkapazität: 41 MWh
- Inbetriebnahme: 2027
- Standort: Ortenaukreis, Baden-Württemberg
Großbritannien und Irland steigern Speicherkapazitäten
In Schottland haben die unabhängigen Stromerzeuger Drax und Zenobē einen 15-jährigen Tolling-Vertrag abgeschlossen. Dieser betrifft ein 200MW/800MWh BESS, das Zenobē in Coalburn errichtet. Die Inbetriebnahme ist für 2028 geplant.
Drax betont, dass das gesamte Bau-, Wartungs- und Verfügbarkeitsrisiko bei Zenobē liegt. Der Vertrag sichert Drax die volle operative Kontrolle und die Abrufberechtigung der Anlage. Ein wichtiger Vorteil ist der geschützte Netzanschluss des BESS. Dieser ist von den jüngsten Verzögerungen des britischen National Energy System Operator (NESO) bei der Vergabe von Anschlussterminen nicht betroffen.
Hintergrund: Tolling-Verträge
Ein Tolling-Vertrag ist eine Vereinbarung, bei der ein Unternehmen die Kapazität einer Anlage mietet. Es zahlt eine feste Gebühr, um die Anlage nach eigenem Ermessen zu nutzen. Das Betriebsrisiko verbleibt oft beim Eigentümer der Anlage.
Irland: Statkraft nimmt Pionieranlage in Betrieb
Der norwegische staatliche Energieversorger Statkraft hat Irlands ersten netzgebundenen 4-Stunden-BESS in Betrieb genommen. Die Anlage befindet sich am 55,8MW Windpark Cushaling in County Offaly. Das System hat eine Leistung von 20MW und eine Speicherdauer von vier Stunden, was 80MWh gespeicherter Energie entspricht.
Geliefert wurde das System von Fluence. Die Batterie kann innerhalb von etwa 0,1 Sekunden reagieren. Dies bietet eine schnelle Frequenzunterstützung für den Übertragungsnetzbetreiber. Dies ist besonders wichtig, da der Anteil erneuerbarer Energien zunimmt.
Zahlen aus Irland
- Projekt: Cushaling BESS (Statkraft)
- Leistung: 20 MW
- Speicherkapazität: 80 MWh
- Reaktionszeit: ca. 0,1 Sekunden
- Ziel: 70% Strom aus erneuerbaren Energien bis 2030
Dieses Projekt ist Teil von Statkrafts breiteren Investitionen in Irlands Energieinfrastruktur. Diese wurden im September 2023 angekündigt. Es soll dazu beitragen, das irische Ziel zu erreichen, bis 2030 70% des Stroms aus erneuerbaren Quellen zu beziehen. Die Netzinfrastruktur wird flexibler und kann mehr Windenergie aufnehmen.
Dänemark plant größten Co-Location-Batteriespeicher der Nordics
Infranode, ein weiterer unabhängiger Stromerzeuger, hat die endgültige Investitionsentscheidung (FID) für ein 60MW/120MWh BESS getroffen. Dieses System wird zusammen mit dem Vandel III Solar-PV-Park in der Gemeinde Vejle, Dänemark, errichtet.
Das Projekt wird laut Infranode der größte Co-Location-Batteriespeicher in den nordischen Ländern sein, gemessen an der Leistung. Es nutzt den bereits vorhandenen Netzanschluss. Das BESS wird aus sechs 10MW-Einheiten mit einer Speicherdauer von zwei Stunden bestehen. Dies ergibt eine Gesamtkapazität von 60MW/120MWh. Der Baubeginn ist für 2026 geplant.
Co-Location-Systeme
Co-Location-Systeme integrieren Batteriespeicher direkt mit Anlagen zur erneuerbaren Energieerzeugung, wie Solar- oder Windparks. Dies ermöglicht eine effizientere Nutzung des erzeugten Stroms und des Netzanschlusses.
Die genaue Definition von 'Einheit' ist hierbei noch unklar. Jedoch haben in den letzten Jahren viele Unternehmen neue modulare Produkte vorgestellt. Diese können zu Einheiten mit zweistelligen Megawattstunden-Kapazitäten kombiniert werden. Dazu gehören Anbieter wie BYD, Envision und Sungrow. Die Grenze für 20-Fuß-Einheiten, dem Industriestandard, liegt derzeit bei etwa 8MWh.
Ausblick auf die Energiespeicherung in Europa
Die aktuellen Entwicklungen zeigen eine starke Dynamik im Bereich der Batteriespeichersysteme in Nordeuropa. Große Energieunternehmen investieren massiv in diese Technologie. Dies ist ein klares Zeichen für die Bedeutung von Speichern für die Energiewende.
Die Projekte tragen dazu bei, die Netze zu stabilisieren und die schwankende Einspeisung aus erneuerbaren Quellen auszugleichen. Sie sind ein fundamentaler Bestandteil für das Erreichen der Klimaziele und die Sicherstellung einer zuverlässigen Stromversorgung in der Zukunft.
- Deutschland: Fokus auf Frequenzstabilität und Lastspitzenmanagement.
- Großbritannien: Sicherung der Netzintegration trotz Anschlussengpässen.
- Irland: Unterstützung des 70%-Erneuerbaren-Ziels bis 2030.
- Dänemark: Optimierung der Solarenergie-Nutzung durch Co-Location.
Diese Investitionen sind nicht nur technologisch bedeutsam, sondern schaffen auch Arbeitsplätze und fördern die regionale Wirtschaft. Die europäische Energiespeicherkapazität wird in den kommenden Jahren weiter wachsen, um den steigenden Bedarf an flexiblen Energielösungen zu decken.





