Deutschland etabliert sich zunehmend als europäischer Hotspot für Batteriespeichersysteme (BESS). Großprojekte, weitreichende Partnerschaften und innovative Geschäftsmodelle prägen derzeit den Markt. Diese Entwicklung wird durch attraktive Ertragsmöglichkeiten und eine bevorstehende Frist für den Netzzugang vorangetrieben.
Wichtige Erkenntnisse
- Deutschland ist ein führender Markt für Batteriespeicher in Europa.
- Ein 500 MW/2.000 MWh BESS-Projekt in Brandenburg wird mit einem Rechenzentrum gekoppelt.
- Alpiq sichert sich eine Pipeline von 370 MW BESS-Projekten in Deutschland.
- Next Kraftwerke und ju:niz Energy schließen einen siebenjährigen Nutzungsvertrag ab.
- Eine Frist im August 2029 treibt die Projektentwicklung voran, um Netzentgelte zu vermeiden.
Massive Investitionen in Brandenburg
Der Projektentwickler WBS Power hat das ambitionierte Projekt Jupiter in Brandenburg an den Investor Prime Capital verkauft. Dieses Projekt umfasst eine 150 MW Solaranlage und ein beeindruckendes Batteriespeichersystem mit einer Kapazität von 500 MW/2.000 MWh. Die geschätzten Investitionskosten belaufen sich auf 500 Millionen Euro.
Der Baubeginn für das Projekt Jupiter ist für Ende 2026 oder Anfang 2027 geplant. Beide Technologien werden sich einen 380 kV Netzanschluss im Netzgebiet des Übertragungsnetzbetreibers 50Hertz teilen. Die Übernahme durch Prime Capital steht unter dem Vorbehalt, dass das Projekt Jupiter die Baureife (Ready-to-Build-Status) erreicht.
Fakten zum Projekt Jupiter
- Solarleistung: 150 MW
- BESS-Leistung: 500 MW
- BESS-Kapazität: 2.000 MWh
- Investition: 500 Millionen Euro
- Standort: Brandenburg
Kopplung mit Hyperscale-Rechenzentrum
Ein wesentlicher Bestandteil der Transaktion ist die Gründung eines Joint Ventures. Dieses Joint Venture wird ein Hyperscale-Rechenzentrum mit einem Strombedarf von bis zu 500 MW in derselben Region entwickeln. WBS Power betont die wachsende Nachfrage nach Rechenzentren in Deutschland, die einen hohen Energieverbrauch haben. Diese profitieren erheblich vom direkten Zugang zu erneuerbarem Strom und einer stabilen Netzanbindung.
„Durch die Integration des größten kombinierten BESS- und Solar-PV-Projekts Deutschlands mit einem Hyperscale-Rechenzentrum schaffen wir eine einzigartige Plattform, die sowohl die Energiewende als auch die digitale Transformation unterstützt“, sagte Maciej Marcjanik, CEO der WBS Power Group.
Diese Synergie zwischen erneuerbarer Energieerzeugung und einem energieintensiven Rechenzentrum zeigt einen zukunftsweisenden Ansatz für die Energieversorgung digitaler Infrastrukturen.
Alpiq baut Präsenz in Deutschland aus
Das Schweizer Energieunternehmen Alpiq expandiert ebenfalls stark in Deutschland. Das Unternehmen hat sich eine 370 MW BESS-Pipeline gesichert, die in Zusammenarbeit mit dem Entwickler SPP Development realisiert wird. Die Projekte befinden sich in Brandenburg und Sachsen-Anhalt und sollen voraussichtlich 2026 die Baureife erreichen.
Lukas Gresnigt, Head International und Mitglied der Geschäftsleitung von Alpiq, hob hervor, dass Deutschland ein wettbewerbsintensiver und komplexer Markt für BESS ist. Viele Projekte warten auf Netzzugang und Genehmigungen. Die Partnerschaft zwischen Alpiq und SPP Development kombiniert die Finanzkraft von Alpiq mit der lokalen Expertise von SPP.
Hintergrund: Alpiq in Europa
Alpiq ist in mehreren europäischen Märkten aktiv. Das Unternehmen hat kürzlich Projekte in Frankreich und Finnland erworben. In Finnland wurde vor Kurzem ein 30 MW/36 MWh Projekt in Betrieb genommen. Diese Expansion unterstreicht Alpiqs Strategie, seine Präsenz im Bereich der Energiespeicherung zu stärken.
Innovative Nutzungsverträge im Fokus
Der Virtuelle Kraftwerkbetreiber Next Kraftwerke, der 2021 von Shell übernommen wurde, hat einen bedeutenden BESS-Nutzungsvertrag mit der BESS-Plattform ju:niz Energy abgeschlossen. ju:niz Energy wurde 2024 vom Investor EQT erworben. Dieser siebenjährige Vertrag betrifft ein 20 MW/40 MWh Projekt in Vöhringen, Bayern.
Next Kraftwerke bezeichnet diesen Vertrag als einen der ersten operationellen Verträge dieser Art in Deutschland. Er ist seit dem 1. November in Kraft. Next Kraftwerke wird ju:niz Energy eine feste monatliche Gebühr pro installiertem Megawatt für die Nutzung der BESS-Kapazität zahlen. Dieses Modell bietet ju:niz als Betreiber stabile Einnahmen und Next Kraftwerke als Optimierer Flexibilität.
Der Vertrag ist zu 80 % als feste Vergütung und zu 20 % als marktabhängige Vergütung strukturiert. Dies zeigt neue Wege in der Finanzierung und dem Betrieb von Batteriespeichersystemen auf, die sowohl Sicherheit als auch Marktchancen bieten.
Treiber des deutschen BESS-Marktes
Deutschland hat sich in diesem Jahr zu einem Zentrum für Ankündigungen und Geschäftsabschlüsse im Bereich der Batteriespeichersysteme entwickelt. Dies liegt an mehreren Faktoren:
- Größter Strommarkt Europas: Deutschland bietet erhebliche Ertragsmöglichkeiten.
- Regulatorischer Druck: Eine Frist im August 2029 ist entscheidend. Projekte, die bis dahin nicht betriebsbereit sind, müssen Entgelte für das Laden und Entladen ins Netz zahlen.
- Energiewende: Der Ausbau erneuerbarer Energien erfordert flexible Speichermöglichkeiten, um Netzschwankungen auszugleichen.
Die Kombination dieser Faktoren schafft ein dynamisches Umfeld, das Investitionen und Innovationen in Batteriespeichertechnologien fördert. Der Markt ist stark umkämpft, aber die Potenziale sind enorm. Die aktuellen Entwicklungen zeigen, dass Deutschland auf dem Weg ist, eine führende Rolle in der europäischen Energiespeicherlandschaft einzunehmen.
Herausforderungen und Chancen
Trotz des Booms gibt es auch Herausforderungen. Die Genehmigungsverfahren können langwierig sein, und der Wettbewerb um Netzzugang ist intensiv. Unternehmen wie Alpiq und WBS Power setzen auf strategische Partnerschaften und innovative Projektkonzepte, um diese Hürden zu überwinden.
Die Integration von Speichern mit anderen Technologien, wie im Fall des Rechenzentrums von WBS Power, eröffnet neue Geschäftsfelder und erhöht die Effizienz der Energieinfrastruktur. Solche Projekte sind entscheidend für eine stabile und nachhaltige Energieversorgung in der Zukunft.





