BW ESS, ein führender Betreiber von Batteriespeichersystemen, treibt seine internationale Expansion voran. Das Unternehmen, das bereits in Großbritannien und Schweden aktiv ist, plant den Einstieg in die Märkte Deutschland, Spanien und Italien. Diese Strategie zielt darauf ab, die wachsende Nachfrage nach Energiespeicherlösungen in Europa zu decken und die Energiewende zu unterstützen.
Wichtige Erkenntnisse
- BW ESS, 2021 gegründet, expandiert in Deutschland, Spanien und Italien.
- Erfolgreiche Projekte in Großbritannien und Schweden.
- Fokus auf Partnerschaften mit lokalen Entwicklern.
- Australisches Bannaby-Projekt zeigt Potenzial für Langzeitspeicher.
- Trotz Preisschwankungen langfristig sinkende Kosten für Batterien erwartet.
Internationale Präsenz und neue Märkte
BW ESS hat sich seit seiner Gründung im Jahr 2021 schnell zu einem wichtigen Akteur im Bereich der Batteriespeichersysteme (BESS) entwickelt. Das Unternehmen, eine Ausgründung der in Singapur ansässigen BW Group, konzentriert sich auf den Bau und Betrieb großer Speicherprojekte. Erik Strømsø, CEO von BW ESS, betont die internationale Ausrichtung des Unternehmens. Es ist eines der wenigen reinen BESS-Plattformen, die Projekte in mehreren Ländern betreiben, ohne ein großer Energiekonzern zu sein.
Die ersten operativen Märkte waren Großbritannien und Schweden. Hier hat BW ESS im Zeitraum 2023-2024 die Projektplattformen der Entwickler Penso Power und Ingrid Capacity übernommen. Diese Akquisitionen bildeten die Grundlage für eine starke Marktposition in Nordeuropa.
Faktencheck
- BW ESS wurde 2021 von der BW Group gegründet.
- Das Unternehmen ist in vier oder mehr Ländern aktiv – eine Seltenheit für reine BESS-Plattformen.
- Erste operative Märkte: Großbritannien und Schweden.
Als nächste Expansionsziele hat sich BW ESS Deutschland, Spanien und Italien vorgenommen. In Italien befindet sich bereits ein Projekt im Bau. Die Strategie sieht vor, in diesen neuen Märkten durch Partnerschaften mit lokalen Entwicklern Fuß zu fassen. Dies ermöglicht es dem Unternehmen, von regionalem Know-how zu profitieren und maßgeschneiderte Lösungen anzubieten.
Strategie der lokalen Partnerschaften
Erik Strømsø erklärt, warum lokale Partnerschaften entscheidend sind. Es sei nicht sinnvoll, von der Zürcher Zentrale aus Projekte in Spanien oder Deutschland zu entwickeln. „Diese Deals waren nicht alle identisch, weil man nicht in jedem Land den gleichen Deal machen kann“, sagt Strømsø. „Aber wir haben generell Entwickler gefunden, die unserer Meinung nach führend in diesem Bereich sind, und wir arbeiten mit ihnen zusammen, um die bestmöglichen Portfolios in diesen Märkten zu entwickeln.“
Diese Herangehensweise ermöglicht es BW ESS, die spezifischen Anforderungen und regulatorischen Rahmenbedingungen jedes Marktes optimal zu berücksichtigen. Die Erfahrung und Expertise aus anderen Ländern fließen dabei in die neuen Projekte ein. Aktuell baut das Unternehmen zwei Projekte in Italien. Eines davon verfügt über einen Kapazitätsmarktvertrag, das andere über einen Vertrag von MACSE, einem einzigartigen italienischen Beschaffungssystem für reine Speicherprojekte, das sich hauptsächlich auf den Süden konzentriert.
„Die Branche ist seit unserem Start stark gewachsen, selbst in den letzten 12 Monaten. Früher war es eher eine Nische, und es gab die Frage, ob es Technologie oder Infrastruktur ist. Allmählich hat sich das Pendel in Richtung Infrastruktur bewegt.“
In Deutschland hofft BW ESS, noch in diesem Jahr eine endgültige Investitionsentscheidung für sein erstes Projekt zu treffen. Spanien liegt zeitlich etwas weiter hinten. Diese Schritte unterstreichen das Engagement des Unternehmens, die Energiespeicherlandschaft in Europa aktiv mitzugestalten.
Das Potenzial von Langzeitspeichern: Das Bannaby-Projekt
Ein bemerkenswertes Projekt in Australien ist das Bannaby BESS. Dieses Lithium-Ionen-Speichersystem hat in einer Ausschreibung für Langzeit-Energiespeicher (LDES) in New South Wales einen Vertrag über eine Dauer von 11,5 Stunden gewonnen. Das Bannaby-Projekt wird für eine Kapazität von 750 MW / 3.000 MWh entwickelt, der Langzeitvertrag umfasst 233 MW / 2.676 MWh.
Hintergrund: Langzeit-Energiespeicher (LDES)
LDES-Systeme sind entscheidend für die Stabilität von Stromnetzen, die einen hohen Anteil erneuerbarer Energien aufweisen. Sie können Energie über viele Stunden speichern und bei Bedarf wieder abgeben, was hilft, Schwankungen in der Stromerzeugung auszugleichen. Traditionell dominierten Pumpspeicherkraftwerke diesen Bereich, doch Batterietechnologien holen auf.
Erik Strømsø betont die Bedeutung dieser Entwicklung: „Es ist ein sehr langlebiges Asset. Solche Zeiträume werden oft im selben Satz wie Pumpspeicher genannt. Dies bewegt Batterien wirklich in einen völlig anderen Bereich.“ Er sieht keine vergleichbaren Kosteneffizienzen bei Pumpspeicherkraftwerken. Mit zunehmendem Vertrauen der Regulierungsbehörden und Netzbetreiber in die Zuverlässigkeit von Batterien erwartet Strømsø mehr Ausschreibungen, die längere Speicherzeiten honorieren.
Das Bannaby-Projekt ist ein Beweis dafür, dass Lithium-Ionen-Batterien das Potenzial haben, auch für sehr lange Speicherdauern eingesetzt zu werden und somit eine wichtige Rolle im zukünftigen Energiemix zu spielen.
Marktdynamik und Finanzierung
Die kommerzielle Verwertung großer Speicherprojekte ist komplex. BW ESS nutzt verschiedene Ansätze. Das Bramley-Projekt in Großbritannien wird beispielsweise über einen Toll-Deal von Shell gehandelt, während das italienische Projekt Einnahmen über MACSE sichert. Die schwedischen Projekte sind stärker auf den freien Markt ausgerichtet.
Strømsø äußert sich kritisch zur aktuellen Dynamik im Toll-Markt, wo mehr Parteien nach Toll-Verträgen suchen als diese zu guten Konditionen anbieten. „Wir versuchen, nicht Teil dieser Dynamik zu sein“, sagt er. BW ESS startet den Bau von Projekten auf der Grundlage, dass sie auch ohne feste Abnahmeverträge auf dem freien Markt profitabel sein können. Die Finanzierung erfolgt dabei aus der eigenen Bilanz des Unternehmens.
Wichtige Finanzierungsstrategien
- Eigene Bilanzfinanzierung für neue Projekte.
- Abschluss von Abnahmeverträgen (Tolls, Floors) während der Bauphase zur Optimierung der Einnahmen.
- Verkauf von Anteilen an reifen Portfolios zur Kapitalbindung.
Während der Bauphase werden oft verschiedene Arten von Abnahmeverträgen, Tolls, Floors oder Kapazitätsswaps abgeschlossen. Dies geschieht jedoch aus einer Position der Stärke, da das Projekt ohnehin gebaut wird und es darum geht, die Einnahmen zu optimieren, nicht eine Investition zu sichern.
Jüngst verkaufte BW ESS einen 49%-Anteil an seinem britischen Portfolio an den Investor AIP. Dies umfasste das 100 MW / 331 MWh große Bramley-Projekt und zwei weitere, größere Projekte im Bau. Dieser Schritt ermöglicht es BW ESS, Kapital für neue Projekte und Märkte freizusetzen. Strømsø sieht in solchen Transaktionen ein Modell für die Zukunft, um mit spezialisierten Infrastrukturinvestoren zusammenzuarbeiten, die ein tiefes Verständnis für Energiespeicher haben.
Kostenentwicklung und Zukunftsaussichten
In jüngster Zeit gab es Diskussionen über steigende BESS-Preise, unter anderem wegen der Verdreifachung der Lithiumcarbonatpreise innerhalb eines Monats und der Abschaffung von Mehrwertsteuer-Exportrabatten in China für Batterie- und Solarprodukte. Trotz dieser kurzfristigen Herausforderungen bleibt Erik Strømsø optimistisch.
„Es besteht kein Zweifel, dass wir angesichts der kontinuierlichen Kapazitätserhöhungen in der Lieferkette und der fortgesetzten Innovation im Technologiebereich weiterhin Kosteneffizienzen sehen werden“, erklärt Strømsø. Er räumt ein, dass die Zeit der sehr schnellen Rückgänge möglicherweise vorbei ist und es keine geradlinige Entwicklung geben wird. Doch insgesamt bewegen sich die Batterietechnologien weiterhin in eine Richtung, in der sie kosteneffizientere Lösungen für das Stromnetz bieten als jede andere Technologie.
Die langfristige Perspektive für Batteriespeicher bleibt positiv. Die Technologie entwickelt sich stetig weiter, und die Nachfrage nach flexiblen Speicherlösungen wird mit dem Ausbau der erneuerbaren Energien weiter steigen. BW ESS positioniert sich strategisch, um von diesen Entwicklungen zu profitieren und einen wesentlichen Beitrag zur globalen Energiewende zu leisten.





