Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies hat sich für eine staatliche Förderung gebrauchter Elektroautos ausgesprochen. Er argumentiert, dass solche Zuschüsse mehr Menschen den Zugang zu E-Mobilität ermöglichen und gleichzeitig die heimische Automobilindustrie stärken würden. Dies wäre eine Abkehr von der bisherigen Fokussierung auf Neuwagenprämien und könnte den Markt für Elektromobilität in Deutschland neu gestalten.
Wichtige Punkte
- Niedersachsen fordert staatliche Förderung für gebrauchte Elektroautos.
- Ziel ist es, E-Autos für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglicher zu machen.
- Die Förderung soll europäische Hersteller stärken und Restwerte stabilisieren.
- Kritik an der bisherigen Neuwagenförderung, die auch ausländische Märkte stützt.
- Diskussion um das Verbrenner-Aus und die Rolle der E-Mobilität nach 2035.
Warum gebrauchte E-Autos fördern?
Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) betonte gegenüber der Deutschen Presse-Agentur die Notwendigkeit, insbesondere junge Gebrauchtwagen zu fördern. Seiner Ansicht nach stärken Zuschüsse für neue Elektroautos, ohne europäische Fertigungsanteile zu berücksichtigen, auch den chinesischen Markt. Als Beispiel führte er die Situation in Frankreich an.
Lies schlägt vor, Käufer von zwei bis drei Jahre alten Leasing-Rückläufern zu unterstützen. Eine solche Prämie hätte nach seinen Angaben mehrere positive Effekte auf den deutschen und europäischen Automarkt.
Drei Effekte einer Gebrauchtwagenprämie:
- Erschwinglichkeit: Mehr Menschen könnten sich günstige Elektroautos leisten.
- Restwertstabilität: Die Restwerte gebrauchter Fahrzeuge würden steigen, was auch das Leasing neuer Autos günstiger macht.
- Heimische Industrie: Die Förderung käme vor allem europäischen Herstellern zugute, da der Markt für gebrauchte E-Autos überwiegend europäische Modelle umfasst.
Aktuelle Pläne der Bundesregierung
Die schwarz-rote Koalition im Bund hat sich im November auf ein E-Auto-Förderprogramm geeinigt. Dieses Programm richtet sich an Haushalte mit kleinem und mittlerem Einkommen. Es soll den Kauf und das Leasing von reinen Elektro- sowie Plug-in-Hybrid-Fahrzeugen unterstützen.
Bisher konzentriert sich die erste Stufe dieses Programms laut Bundesumweltministerium auf Neuwagen. Für eine zweite Stufe sind jedoch bereits Regelungen für Gebrauchtwagen in Planung. Dies zeigt, dass die Forderung nach einer Gebrauchtwagenförderung auf Bundesebene Gehör findet und in zukünftige Programme integriert werden könnte.
„Wir müssen vor allem junge Gebrauchtwagen fördern“, sagte Olaf Lies. „Zuschüsse für neue E-Autos stärkten dagegen auch den chinesischen Markt, wenn es keine Vorgaben zum europäischen Fertigungsanteil gebe.“
Herausforderungen im E-Auto-Markt
Der Markt für Elektroautos wächst stetig, doch die Anschaffungskosten bleiben für viele Haushalte eine Hürde. Laut aktuellen Statistiken sind Elektrofahrzeuge im Durchschnitt teurer als vergleichbare Verbrenner. Eine Förderung von Gebrauchtwagen könnte diese Lücke schließen und die Akzeptanz von E-Mobilität in der Breite der Bevölkerung erhöhen.
Experten weisen darauf hin, dass ein robuster Gebrauchtwagenmarkt für Elektroautos entscheidend für den langfristigen Erfolg der Energiewende im Verkehrssektor ist. Es geht darum, einen Kreislauf zu schaffen, in dem Fahrzeuge nach der Erstnutzung weiterhin attraktiv sind.
Hintergrund: EU-Ziele und globale Konkurrenz
Die Europäische Union hat sich ehrgeizige Ziele für die Reduzierung von CO2-Emissionen gesetzt. Die Elektromobilität spielt dabei eine zentrale Rolle. Gleichzeitig sehen sich europäische Automobilhersteller einem intensiven globalen Wettbewerb ausgesetzt, insbesondere durch asiatische Produzenten, die oft günstigere Modelle anbieten können. Maßnahmen, die die heimische Produktion stärken, sind daher von großer Bedeutung.
Debatte um das Verbrenner-Aus
Olaf Lies äußerte sich auch zur Debatte über das Verbrenner-Aus. Er hält es für richtig, den Weg über das Jahr 2035 hinaus für andere Technologieoptionen als reine Elektroautos zu öffnen. Gleichzeitig betonte er, dass die E-Mobilität weiterhin die Zieltechnologie bleiben müsse.
Die ursprünglichen Wegmarken seien zu einer Zeit gesetzt worden, als die Auswirkungen des Ukraine-Kriegs, US-Zölle und Handelshemmnisse aus China noch nicht absehbar waren. Diese Faktoren hätten die Rahmenbedingungen verändert.
Missverständnisse vermeiden
Lies zeigte sich verärgert über die Formulierung „Aus vom Verbrenner-Aus“. Er befürchtet, dass dies fälschlicherweise als ein Aus der E-Mobilität interpretiert werden könnte. „Das ist nicht richtig“, stellte er klar. „Der ganz überwiegende Teil des Autoabsatzes nach 2035 wird elektrisch sein. Sicher weit über 80 Prozent.“
Die EU-Kommission hatte ihre Pläne für ein striktes Verbrenner-Aus zuletzt angepasst. Nun sollen auch nach 2035 noch Autos mit Verbrennungsmotor neu zugelassen werden können, sofern sie mit synthetischen Kraftstoffen (E-Fuels) betrieben werden. Dies bietet Herstellern und Verbrauchern zusätzliche Optionen, während der Fokus auf emissionsarmer Mobilität erhalten bleibt.
Prognose für 2035
Olaf Lies geht davon aus, dass weit über 80 Prozent des Autoabsatzes nach 2035 elektrisch sein wird, trotz der Anpassungen beim Verbrenner-Aus.
Auswirkungen auf den Markt und Verbraucher
Eine staatliche Förderung für gebrauchte E-Autos könnte den Markt beleben. Für Verbraucher würde dies bedeuten, dass der Einstieg in die Elektromobilität finanziell attraktiver wird. Die Verfügbarkeit von günstigeren, aber dennoch zuverlässigen Elektrofahrzeugen würde steigen.
Gleichzeitig könnten Hersteller von einer stabileren Restwertentwicklung profitieren. Dies wiederum würde die Kalkulation für Leasingangebote verbessern und somit auch den Absatz von Neufahrzeugen indirekt ankurbeln. Eine solche Strategie könnte somit eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten schaffen: Verbraucher, Hersteller und die Umwelt.
Die Diskussion zeigt, dass die Politik weiterhin nach Wegen sucht, die Elektromobilität zu fördern und gleichzeitig die heimische Wirtschaft zu stärken. Die Balance zwischen Klimazielen, wirtschaftlichen Interessen und sozialer Gerechtigkeit bleibt dabei eine zentrale Herausforderung.





