Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) schlägt vor, die Ladepreise für Elektroautos zu senken, wenn ein Überschuss an erneuerbaren Energien im Netz besteht. Diese Maßnahme soll Anreize schaffen, den überschüssigen Strom besser zu nutzen und gleichzeitig die Kosten für E-Auto-Fahrer zu reduzieren.
Wichtige Punkte
- Niedersachsen fordert günstigere E-Auto-Ladepreise bei Stromüberschuss.
- Ziel ist die bessere Nutzung erneuerbarer Energien und Kostensenkung.
- Bundesnetzagentur meldet hohe Kosten für Netzengpassmanagement.
- Details zur Umsetzung der dynamischen Tarife sind noch offen.
- Ähnliche Vorschläge gab es bereits 2022 aus Niedersachsen.
Überschüssigen Strom effizienter nutzen
Minister Meyer betont die Notwendigkeit, überschüssigen Strom aus Wind- und Solaranlagen nicht ungenutzt zu lassen. Statt die Erzeugung abzuregeln, soll dieser Strom gezielt für das Laden von Elektroautos eingesetzt werden. Dies würde nicht nur die Umwelt entlasten, sondern auch wirtschaftliche Vorteile bieten. Das Land Niedersachsen verfügt über einen hohen Anteil an erneuerbaren Energien, was regelmäßig zu Überschüssen führt.
„Nutzen statt Abregeln“ lautet die klare Forderung aus Hannover. Diese Strategie zielt darauf ab, die Potenziale der erneuerbaren Energien voll auszuschöpfen und gleichzeitig die Belastung der Stromnetze zu managen. Ein solcher Ansatz könnte die Energiewende beschleunigen und die Akzeptanz für Elektromobilität weiter steigern.
„Das Laden eines E-Autos in Ostfriesland muss günstiger werden, wenn zu viel Strom im Netz ist“, so Meyer.
Kosten des Netzengpassmanagements
Die Kosten für das sogenannte Netzengpassmanagement sind erheblich. Laut Bundesnetzagentur beliefen sich diese im Jahr 2024 auf 2,776 Milliarden Euro. Dabei wurden Maßnahmen mit einem Volumen von insgesamt 30.304 Gigawattstunden ergriffen. Diese Zahlen unterstreichen den finanziellen Aufwand, der entsteht, wenn Stromerzeugung und -verbrauch nicht optimal aufeinander abgestimmt sind.
Interessanter Fakt
Im ersten Quartal 2025 stiegen die Kosten für das Netzengpassmanagement um rund 37 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal, obwohl das Maßnahmenvolumen insgesamt zurückging.
Anlagenbetreiber erhalten bei einem Redispatch, also der Abregelung ihrer Anlage zur Stromeinspeisung, einen finanziellen Ausgleich. Diese Ausgleichszahlungen tragen ebenfalls zu den hohen Gesamtkosten bei. Eine effizientere Nutzung des überschüssigen Stroms könnte diese Kosten langfristig senken.
Offene Fragen zur Umsetzung
Wie genau dieser Vorschlag in der Praxis umgesetzt werden soll, bleibt noch offen. Es stellt sich die Frage, ob nur private Haushalte mit dynamischen Stromtarifen profitieren würden oder auch Nutzer öffentlicher Ladestationen. Viele E-Auto-Fahrer sind auf diese angewiesen, da sie beispielsweise in Wohnungen leben oder keine eigene Lademöglichkeit besitzen.
Minister Meyer schlägt in diesem Zusammenhang eine generelle Senkung der Stromsteuer vor. „Das wäre sozial gerecht und würde auch der Wirtschaft helfen“, so seine Argumentation. Eine solche Maßnahme könnte die Stromkosten für alle Verbraucher senken und somit die Wirtschaftlichkeit der Elektromobilität weiter verbessern, unabhängig von spezifischen Ladetarifen.
Hintergrundinformation
Bereits im Jahr 2022 gab es einen ähnlichen Vorstoß aus Niedersachsen. Der heutige Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) setzte sich damals zusammen mit anderen norddeutschen Bundesländern für verschiedene Strompreiszonen ein. Damals stand jedoch weniger der Stromüberschuss im Fokus, sondern die Kosten, die den Ländern durch den Ausbau erneuerbarer Energien entstehen.
Vorteile für E-Auto-Fahrer und Netzstabilität
Die Einführung dynamischer Ladepreise bei Stromüberschuss bietet mehrere Vorteile. E-Auto-Fahrer könnten ihre Fahrzeuge zu bestimmten Zeiten deutlich günstiger laden, was die Betriebskosten senkt und die Attraktivität der Elektromobilität erhöht. Gleichzeitig würde das Stromnetz entlastet, da überschüssige Energie direkt verbraucht statt abgeregelt wird.
Dies trägt zur Stabilisierung des Netzes bei und reduziert die Notwendigkeit teurer Eingriffe durch Netzbetreiber. Solche Anreize fördern nicht nur die Elektromobilität, sondern auch die Integration erneuerbarer Energien in das Stromsystem. Es geht darum, die 95 Prozent im Jahr zu nutzen, in denen reichlich Wind- und Solarstrom zur Verfügung steht, wie Meyer betont.
- Günstigere Ladepreise für Verbraucher
- Bessere Auslastung erneuerbarer Energiequellen
- Entlastung und Stabilisierung des Stromnetzes
- Reduzierung der Kosten für Netzengpassmanagement
Die Diskussion um flexible Strompreise und die optimale Nutzung erneuerbarer Energien wird weiter an Bedeutung gewinnen. Die Vorschläge aus Niedersachsen könnten einen wichtigen Schritt in Richtung einer effizienteren und nachhaltigeren Energieversorgung darstellen.





