Bundesfinanzminister Lars Klingbeil (SPD) hat die deutsche Automobilindustrie davor gewarnt, sich zu lange auf Verbrennungsmotoren zu verlassen. Er betonte, dass die Zukunft der Mobilität elektrisch sei und die Umstellung auf Elektromobilität mit hohem Tempo vorangetrieben werden müsse. Diese Äußerungen kommen kurz nach dem EU-Vorschlag, die CO₂-Grenzwerte für Autos zu lockern, was zu einer Debatte über den Kurs der deutschen Autohersteller führt.
Wichtige Punkte
- Lars Klingbeil warnt die Autoindustrie vor Festhalten an Verbrennern.
- Er fordert ein hohes Tempo beim Umstieg auf Elektromobilität.
- Klingbeil sieht die Zukunft der Mobilität klar elektrisch.
- Verkehrsminister Schnieder verteidigt EU-Lockerungen für Verbrenner.
- EU-Pläne sehen nun Ausnahmen für CO₂-Ziele nach 2035 vor.
Klingbeils klare Botschaft an die Autoindustrie
Lars Klingbeil äußerte sich deutlich gegenüber der Neuen Osnabrücker Zeitung. Er betonte, dass die deutschen Autokonzerne die jüngsten EU-Vorschläge nicht falsch verstehen sollten. Wer jetzt auf Diesel und Benziner setze, werde in wenigen Jahren größere Schwierigkeiten haben. Für ihn ist die Richtung klar: Die Elektromobilität muss zügig voranschreiten.
Der Finanzminister machte seine Position unmissverständlich klar:
„Die Zukunft der Mobilität ist elektrisch.“
Er verwies auf seine Erfahrungen in Asien, wo die Entwicklung der Elektromobilität bereits weit fortgeschritten sei, auch dank massiver staatlicher Förderung. Klingbeil sieht hierin einen Nachholbedarf für deutsche Automobilhersteller.
Faktencheck: EU-Grenzwerte
- Ursprünglicher EU-Plan: 100% CO₂-Reduktion bei Neuwagen ab 2035.
- Angepasster EU-Vorschlag: Ausnahmen ermöglichen bis zu 90% CO₂-Einsparung.
- Voraussetzung für Ausnahmen: Nutzung umweltfreundlich produziertem Stahl und klimafreundlicher Kraftstoffe.
Verkehrsminister Schnieder verteidigt EU-Kompromiss
Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder (CDU) verteidigte die von der EU-Kommission vorgeschlagenen Lockerungen. Er sieht darin einen tragfähigen Kompromiss, der sowohl Klimaschutz als auch den Erhalt von Arbeitsplätzen in der Automobilindustrie berücksichtigt.
Schnieder äußerte sich gegenüber den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Er betonte die Bedeutung der Automobilindustrie als Leitindustrie in Deutschland. Ein zu striktes Vorgehen könnte den "Ast absägen, auf dem wir sitzen".
Die Sorge, dass deutsche Hersteller im Bereich der E-Autos weiter zurückfallen könnten, teilt er nicht.
„Das wird nicht passieren. Der Druck und der Wille zur Elektromobilität sind da.“
Er wies darauf hin, dass auch in anderen großen Märkten wie China und den USA weiterhin Verbrenner produziert werden.
Die angepassten EU-Pläne im Detail
Die Europäische Kommission hat ihre ursprünglichen Pläne für ein striktes Verbrenner-Aus nach 2035 angepasst. Ursprünglich hatten sich die Unterhändler der EU-Staaten und des Europaparlaments auf ein 100-Prozent-Reduktionsziel für CO₂-Emissionen bei Neuwagen ab 2035 geeinigt. Dies hätte effektiv das Ende für Neuzulassungen von Verbrennungsmotoren bedeutet.
Der neue Vorschlag sieht nun Ausnahmen vor. Künftig sollen nur noch bis zu 90 Prozent CO₂ im Vergleich zum Basisjahr 2021 eingespart werden müssen. Die Bedingung dafür ist, dass der verbleibende Ausstoß durch spezifische Maßnahmen ausgeglichen wird. Dazu gehören der Einsatz von umweltfreundlich produziertem Stahl und die Nutzung von klimafreundlichen Kraftstoffen.
Hintergrund: Klimaneutralität und Arbeitsplätze
Die Diskussion um das Verbrenner-Aus ist eng verknüpft mit den Zielen zur Klimaneutralität und dem Erhalt von Arbeitsplätzen. Die Automobilindustrie ist ein zentraler Wirtschaftsfaktor in Deutschland. Die Transformation zur Elektromobilität stellt sowohl Chancen als auch Herausforderungen für Hunderttausende Beschäftigte dar. Ein pragmatisches Vorgehen soll hier einen Ausgleich schaffen.
Internationale Konkurrenz und der Weg nach vorn
Klingbeils Hinweis auf die internationale Konkurrenz ist bemerkenswert. Er betonte, dass Länder wie China bereits sehr weit in der Förderung und Entwicklung von Elektromobilität seien. Dies unterstreicht die Notwendigkeit, dass Deutschland und Europa nicht den Anschluss verlieren dürfen.
Die deutsche Autoindustrie steht vor der Aufgabe, Innovationen voranzutreiben und gleichzeitig die komplexen Anforderungen an Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit zu erfüllen. Die jüngsten EU-Anpassungen bieten zwar eine gewisse Flexibilität, dürfen aber nicht als Signal missverstanden werden, den Wandel zu verlangsamen. Vielmehr geht es darum, den Übergang so zu gestalten, dass Arbeitsplätze gesichert und die Wettbewerbsfähigkeit langfristig gewährleistet werden.
Die Balance zwischen Klimaschutz und wirtschaftlicher Realität bleibt eine zentrale Herausforderung. Die Meinungen der Minister zeigen, dass die Debatte über den besten Weg zur Elektromobilität weiterhin aktiv geführt wird, mit dem gemeinsamen Ziel, eine nachhaltige und zukunftsfähige Mobilität zu erreichen.
- Technologischer Fortschritt: Investitionen in Batterietechnologie und Ladeinfrastruktur sind entscheidend.
- Politische Rahmenbedingungen: Klare und verlässliche Vorgaben fördern Planungssicherheit für Unternehmen.
- Verbraucherakzeptanz: Attraktive und bezahlbare E-Fahrzeuge sind für den Massenmarkt notwendig.





