Eine aktuelle Untersuchung zeigt, dass viele Hersteller von Whey-Protein-Produkten Verbraucher über die tatsächliche Herkunft der Hauptzutat im Unklaren lassen. Obwohl Produkte mit „Made in Germany“ beworben werden, stammt das Molkenprotein selbst oft aus anderen Ländern. Dies kann zu Irreführungen führen, da Konsumenten eine bestimmte Qualität und Produktionsstandards erwarten.
Wichtige Erkenntnisse
- 90 Prozent der untersuchten Produkte machten keine Angaben zur Herkunft des Molkenproteins.
- Nur 7 von 29 Herstellern bestätigten, dass ihr Molkenprotein aus Deutschland stammt.
- "Made in Germany" bezieht sich oft nur auf die Abfüllung oder Mischung, nicht die Rohstoffe.
- Rechtlich ist eine klare Kennzeichnung der Primärzutat vorgeschrieben, wenn diese nicht aus dem beworbenen Herkunftsland stammt.
- Sportler sollten auf Produkte der Kölner Liste achten, um Dopingrisiken zu minimieren.
Irreführende Versprechen bei Proteinprodukten
Molkenprotein, auch als Whey-Protein bekannt, ist bei vielen Sportlern beliebt. Es gilt als hochwertige Eiweißquelle, die den Muskelaufbau unterstützen kann. Viele Verbraucher legen Wert auf die Herkunft ihrer Lebensmittel, insbesondere wenn es um Nahrungsergänzungsmittel geht. Eine deutsche Flagge oder der Hinweis „Made in Germany“ auf der Verpackung oder Website suggeriert dabei oft eine hohe Qualität und Sicherheit.
Doch eine Marktstichprobe der Verbraucherzentrale NRW im Jahr 2024 hat ergeben, dass diese Angaben häufig irreführend sind. Von 29 untersuchten Whey-Protein-Produkten, die mit deutschen Herkunftsangaben warben, gaben 26 Produkte (das sind 90 Prozent) nicht an, woher das Molkenprotein als Primärzutat wirklich stammt.
Faktencheck Herkunft
In Deutschland hergestellte Produkte, deren Hauptzutat (z.B. Whey-Protein) aus einem anderen Land stammt, müssen dies klar kennzeichnen. Eine deutsche Flagge oder der Slogan „Made in Germany“ allein reicht nicht aus, um die Herkunft der Rohstoffe zu garantieren.
Woher kommt das Protein wirklich?
Die Verbraucherzentrale hakte bei den Herstellern und Händlern nach. Von den 29 kontaktierten Unternehmen antworteten lediglich 17 auf die Anfragen. Die Ergebnisse waren ernüchternd: Nur sieben Hersteller gaben an, dass ihr Molkenprotein tatsächlich aus Deutschland kommt. Zwei weitere Hersteller erklärten, dass die Herkunft sowohl Deutschland als auch andere Länder umfasse.
Die tatsächlichen Herkunftsländer des Molkenproteins sind vielfältig. Hersteller nannten Länder wie Dänemark, Großbritannien, Irland, Niederlande, Polen sowie weit entfernte Regionen wie Asien, Neuseeland und die USA. Dies zeigt, wie global die Lieferketten für solche Produkte sind und wie wichtig eine transparente Kennzeichnung ist.
„Viele Hersteller waren sich der gesetzlichen Vorschriften bezüglich der Kennzeichnung der Primärzutat offenbar nicht bewusst oder interpretierten die Vorgaben falsch. Das muss sich ändern, um Verbraucher nicht zu täuschen“, so ein Sprecher der Verbraucherzentrale.
Die rechtliche Lage: Was ist eine Primärzutat?
Die Lebensmittelinformations-Verordnung (LMIV) regelt die Kennzeichnung von Lebensmitteln in der EU. Sie besagt, dass, wenn das Ursprungsland oder der Herkunftsort eines Lebensmittels angegeben wird und dieser nicht mit dem Ursprungsland oder dem Herkunftsort seiner primären Zutat identisch ist, dies verpflichtend anzugeben ist.
Eine Primärzutat ist laut Artikel 2q der LMIV diejenige Zutat, die über 50 Prozent eines Lebensmittels ausmacht oder die die Verbraucher üblicherweise mit der Bezeichnung des Lebensmittels assoziieren und für die meist eine mengenmäßige Angabe vorgeschrieben ist. Im Fall von Whey-Protein-Pulver ist das Molkenprotein selbst die Primärzutat.
Hintergrund: Warum die Herkunft zählt
Verbraucher assoziieren mit Produkten aus Deutschland oft hohe Standards bei Produktqualität, Umweltschutz und Arbeitsbedingungen. Eine regionale Herkunft kann zudem für mehr Nachhaltigkeit und die Unterstützung der heimischen Landwirtschaft stehen. Wenn diese Erwartungen nicht erfüllt werden, fühlen sich Konsumenten getäuscht.
Konsequenzen für Hersteller und Verbraucher
Die Nachfragen der Verbraucherzentrale zeigten Wirkung: Einige deutsche Herkunftsangaben verschwanden binnen kürzester Zeit von den Internetseiten der Anbieter. Dies deutet darauf hin, dass die Hersteller ihre Kennzeichnungspraxis anpassen mussten. Es gab jedoch auch Unternehmen, die sich lediglich an die Vorgaben des Gütesiegels „Made in Germany“ gebunden fühlten, welches die Herkunft der Rohstoffe nicht berücksichtigt. Bei Lebensmitteln ist diese Auslegung jedoch rechtlich nicht haltbar.
Für einige der „Unverbesserlichen“ könnte dies noch juristische Konsequenzen haben, da die Täuschung der Verbraucher nach der LMIV nicht zulässig ist.
Worauf Sie als Verbraucher achten sollten
Um sicherzustellen, dass Sie ein Produkt mit der gewünschten Herkunft kaufen, ist es wichtig, genau hinzusehen:
- Seien Sie skeptisch: Eine deutsche Flagge oder „hergestellt in Deutschland“ garantiert nicht, dass die Hauptzutaten ebenfalls aus Deutschland stammen.
- Prüfen Sie die Zutatenliste: Achten Sie auf zusätzliche Herkunftsangaben für die mengenmäßig wichtigsten Zutaten, die am Anfang der Liste stehen.
- Vorsicht bei „Labor geprüft in Deutschland“: Diese Aussage bezieht sich nur auf die Qualitätskontrolle, nicht auf die Herkunft der Rohstoffe.
- Fragen Sie nach: Wenn Angaben fehlen oder unklar sind, kontaktieren Sie den Hersteller oder Anbieter direkt. Lassen Sie sich nicht mit Ausflüchten abspeisen.
- Wechseln Sie den Hersteller: Wenn Sie keine vertrauenswürdigen Informationen erhalten, suchen Sie nach einem anderen Produkt.
Sicherheit für Sportler: Die Kölner Liste
Leistungssportler haben zudem ein besonderes Interesse daran, Produkte zu konsumieren, die frei von Dopingsubstanzen sind. Hier bietet die Kölner Liste® eine wichtige Orientierungshilfe. Produkte, die auf dieser Liste stehen oder von ähnlichen Zertifizierern geprüft wurden, gewährleisten eine minimierte Gefahr von Verunreinigungen. Dies ist ein entscheidender Faktor für Athleten, die auf Nummer sicher gehen wollen und für die die Herkunft der Rohstoffe auch eine Rolle in der Kontaminationsprävention spielt.
Es ist klar, dass Transparenz bei Herkunftsangaben für Verbraucher von großer Bedeutung ist. Hersteller sind in der Pflicht, klare und wahrheitsgemäße Informationen bereitzustellen, um das Vertrauen der Konsumenten nicht zu enttäuschen.





