Die Verbraucherzentralen Hessen und Rheinland-Pfalz haben ein neues Berechnungstool entwickelt. Es soll Verbrauchern helfen, mögliche Schadensersatzansprüche gegen ehemalige Energieversorger wie Stromio und Gas.de zu ermitteln. Viele Kunden standen nach plötzlichen Lieferstopps dieser Anbieter vor deutlich höheren Kosten in der Grundversorgung.
Wichtige Punkte
- Neues Tool hilft bei der Berechnung von Schadensersatzansprüchen nach Lieferstopps.
- Betroffene von Stromio und Gas.de können Kosten in der Grundversorgung geltend machen.
- Genauigkeit der Berechnung hängt von vorliegenden Zählerständen ab.
- Individuelle Rechtsberatung vor gerichtlichen Schritten ist dringend empfohlen.
Hintergrund der Lieferstopps und Folgen für Kunden
Im Winter 2021/2022 stellten mehrere Energieversorger, darunter Stromio und Gas.de, überraschend die Belieferung ihrer Kunden ein. Dies führte dazu, dass Tausende Haushalte unverschuldet in die teurere Grundversorgung fielen. Die plötzliche Umstellung verursachte bei vielen Verbrauchern erhebliche finanzielle Mehrbelastungen. Die Verbraucherzentrale Hessen hat aus diesem Grund Musterfeststellungsklagen eingereicht, um die Ansprüche der Betroffenen gerichtlich prüfen zu lassen.
Diese Klagen zielen darauf ab, grundsätzliche Fragen zum Schadensersatzanspruch zu klären. Ein positives Urteil könnte vielen Verbrauchern den Weg ebnen, ihre Verluste zurückzufordern. Bis dahin ist es für jeden Einzelnen wichtig, den eigenen Schaden genau zu beziffern.
Was ist eine Musterfeststellungsklage?
Eine Musterfeststellungsklage ermöglicht es Verbraucherverbänden, grundsätzliche Rechtsfragen für viele gleichgelagerte Fälle gerichtlich klären zu lassen. Einzelne Verbraucher können sich dieser Klage anschließen, ohne selbst vor Gericht ziehen zu müssen. Ein Erfolg der Musterklage erleichtert es ihnen anschließend, ihre individuellen Ansprüche durchzusetzen.
Das neue Berechnungstool im Detail
Das von den Verbraucherzentralen Hessen und Rheinland-Pfalz entwickelte Online-Tool bietet eine erste Hilfestellung zur Schadensberechnung. Es berücksichtigt verschiedene Faktoren, die die Höhe des möglichen Schadensersatzes beeinflussen. Dazu gehören die Dauer des Verbleibs in der Grundversorgung und etwaige Bonus-Zahlungen.
Nutzer können ihre individuellen Daten eingeben, um eine Schätzung zu erhalten. Besonders wichtig sind dabei genaue Zählerstände zu den Stichtagen der Vertragsbeendigung und des Wechsels. Je präziser diese Daten vorliegen, desto genauer fällt das Ergebnis aus.
Faktoren, die den Schadensersatz beeinflussen:
- Zählerstände: Dokumentierte Verbräuche zu den relevanten Zeitpunkten.
- Bonuszahlungen: Vereinbarte Sofortboni von Stromio/Gas.de sowie Boni des neuen Anbieters, die den Anspruch mindern könnten.
- Dauer der Grundversorgung: Wie lange Kunden nach dem Lieferstopp im teureren Grundversorgungstarif waren.
- Tarifwechsel: Ob und wie oft der Stromtarif nach der Grundversorgung gewechselt wurde.
Das Tool fokussiert sich primär auf den Sofortbonus, den Stromio und Gas.de vielen Kunden versprochen hatten. Andere Bonusvarianten sind nicht integriert und müssten separat berechnet werden.
"Wenn Sie einen Schaden geltend machen wollen, müssen Sie ihn so konkret wie möglich beziffern. Dieses Berechnungstool soll Ihnen dazu eine erste Hilfestellung geben", so die Verbraucherzentrale Hessen.
Wichtigkeit genauer Daten und Schätzwerte
Verbraucher, die ihre Zählerstände nicht lückenlos dokumentiert haben, können das Tool dennoch nutzen. Es bietet die Möglichkeit, den Schadensersatz auf Basis von Schätzwerten zu berechnen. Es ist jedoch zu beachten, dass solche Schätzungen ungenauer sein können. Die Genauigkeit der Berechnung steigt mit der Präzision der eingegebenen Daten.
Die Verbraucherzentralen betonen, dass das Tool eine Orientierung bietet, aber keine Garantie für die Höhe eines gerichtlich zugesprochenen Schadensersatzes darstellt. Ein Gericht kann in einer Auseinandersetzung von den Schätzungen abweichen.
Wussten Sie schon?
Die Musterfeststellungsklagen der Verbraucherzentrale Hessen sind ein wichtiger Schritt, um die Rechte von Verbrauchern gegenüber Energieversorgern zu stärken. Sie bieten eine kollektive Möglichkeit, Gerechtigkeit zu suchen, ohne dass jeder Einzelne ein aufwendiges Gerichtsverfahren führen muss.
Individuelle Rechtsberatung vor Klagen
Die Anwendung der Verbraucherzentralen ersetzt keine Rechtsberatung. Vor einer gerichtlichen Auseinandersetzung ist es unerlässlich, individuellen Rechtsrat einzuholen. Die Verbraucherzentralen empfehlen dringend, sich bei Zweifeln oder vor Klageerhebung beraten zu lassen, beispielsweise direkt bei einer Verbraucherzentrale.
Die im Tool getroffenen Aussagen und berechneten Ergebnisse basieren ausschließlich auf den vom Nutzer eingegebenen Daten. Eine Überprüfung der Vollständigkeit und Richtigkeit dieser Angaben durch die Verbraucherzentrale findet nicht statt. Daher ist die Eigenverantwortung der Nutzer bei der Dateneingabe sehr hoch.
Die Programmierungen und Bewertungen des Tools spiegeln die Rechtsauffassung der Verbraucherzentralen wider. Alle Informationen wurden nach bestem Wissen und Gewissen im Juni 2022 zusammengestellt. Eine Gewähr für die Vollständigkeit und Aktualität darüber hinaus kann nicht übernommen werden.
Das Tool ist ein wertvoller erster Schritt für Betroffene, um einen Überblick über ihre potenziellen Ansprüche zu erhalten. Es dient als Grundlage für weitere individuelle Schritte und zur Vorbereitung auf eine mögliche Rechtsberatung.
Weitere Ratgeber-Angebote
Die Verbraucherzentralen bieten neben dem Berechnungstool auch weitere hilfreiche Ratgeber an. Dazu gehören zum Beispiel das "Vorsorge-Handbuch" für ein selbstbestimmtes Leben im Alter und der Ratgeber "Fit und gesund - für Frauen ab 50", der sich mit Themen wie Menopause und Nährstoffbedarf befasst. Diese Angebote unterstreichen das Engagement der Verbraucherzentralen für umfassende Verbraucherinformation.





