Mehrere Hersteller, darunter Nestlé und Danone, haben Säuglingsnahrung zurückgerufen. Der Grund ist eine mögliche Verunreinigung mit dem Giftstoff Cereulid. Dieser kann bei Babys schweres Erbrechen und Durchfall auslösen. Eltern sollten betroffene Produkte nicht verwenden und die Chargennummern genau prüfen.
Wichtige Punkte
- Nestlé (Beba, Alfamino) und Danone (Aptamil, Milumil) rufen Säuglingsnahrung zurück.
- Mögliche Verunreinigung mit dem Toxin Cereulid ist der Grund.
- Cereulid kann Erbrechen, Durchfall und Bauchschmerzen verursachen.
- Besonders Säuglinge sind durch Flüssigkeitsverlust gefährdet.
- Eltern sollten Chargennummern prüfen und betroffene Produkte nicht nutzen.
- Informationspolitik der Hersteller steht in der Kritik.
Betroffene Produkte in Deutschland
Seit Anfang 2026 sind Rückrufaktionen für Säuglingsnahrung in mehreren Ländern angelaufen. In Deutschland betrifft dies vor allem Produkte der Marken Beba und Alfamino von Nestlé sowie Aptamil und Milumil von Danone. Die Verunreinigung mit Cereulid ist der Auslöser für diese Maßnahmen.
Cereulid ist ein Toxin, das von einem speziellen Bakterium gebildet wird. Die genauen Sorten und Chargen der betroffenen Produkte werden von den Herstellern laufend aktualisiert. Verbraucher sollten sich regelmäßig auf den Webseiten der Unternehmen und auf offiziellen Warnportalen informieren.
Faktencheck Cereulid
- Was ist es? Ein Giftstoff, gebildet vom Bakterium Bacillus cereus.
- Woher kommt es? Natürliches Bodenbakterium, gelangt über Rohstoffe in Lebensmittel.
- Gefahr bei Babynahrung? Nach dem Anrühren können sich Bakterien bei Raumtemperatur vermehren und Cereulid bilden.
- Hitzestabil? Ja, erneutes Erwärmen zerstört das Toxin nicht.
Wie Eltern sich informieren können
Die Verbraucherzentralen empfehlen, sich aktiv über aktuelle Produktrückrufe zu informieren. Mehrere offizielle und private Portale bieten hierfür wichtige Informationen.
- Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) betreibt gemeinsam mit den Ländern das Portal lebensmittelwarnung.de.
- Eine entsprechende App liefert ebenfalls aktuelle Meldungen direkt auf das Smartphone.
- Das private Portal produktwarnung.eu informiert tagesaktuell über Rückrufe.
Auch die Hersteller selbst stellen Informationen auf ihren Webseiten bereit:
- Danone für Aptamil und Milupa Milumil.
- Nestlé für Beba und Alfamino.
Gesundheitsrisiken durch Cereulid
Cereulid löst vor allem starkes Erbrechen aus. Typische Symptome treten oft schon 30 Minuten bis sechs Stunden nach dem Verzehr auf. Dazu gehören:
- Übelkeit
- Starkes Erbrechen
- Durchfall
- Bauchschmerzen
Meist klingen die Beschwerden innerhalb eines Tages ab. Schwere Verläufe mit Leber- oder Nierenschäden sind selten, wurden aber in Einzelfällen beobachtet. Für Säuglinge ist die Situation besonders kritisch. Durch Erbrechen und Durchfall kann es schnell zu einem gefährlichen Flüssigkeitsverlust kommen.
Eltern müssen auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten. Bei anhaltenden Beschwerden oder einem schlechten Allgemeinzustand des Kindes ist umgehend ein Arzt aufzusuchen. Babys gehören zu einer besonders empfindlichen Gruppe, da ihr Körpergewicht gering und ihr Stoffwechsel noch nicht vollständig entwickelt ist. Schon kleine Mengen des Toxins können bei ihnen Beschwerden auslösen.
Hintergrund: Cereulid in Babynahrung
Cereulid entsteht durch das Bakterium Bacillus cereus. Dieses Bakterium ist weltweit verbreitet und findet sich natürlicherweise im Boden. Es kann über Rohstoffe oder Staub in Lebensmittel gelangen. In trockenem Milchpulver vermehren sich die Keime kaum.
Problematisch wird es nach der Zubereitung: Wenn angerührte Säuglingsnahrung längere Zeit bei Raumtemperatur oder warm steht, können sich die Bakterien stark vermehren. Dabei produzieren sie Cereulid. Da das Toxin hitzestabil ist, wird es durch erneutes Erwärmen nicht zerstört. Deshalb sollte Säuglingsmilch immer frisch zubereitet und nicht aufbewahrt oder wieder aufgewärmt werden.
Ein Verdacht besteht auf eine in China hergestellte Zutat, die Arachidonsäure enthält. Diese könnte für die Verunreinigung verantwortlich sein. Der Inhaltsstoff stammt offenbar von einem Unternehmen in Wuhan, einem der größten Produzenten von Arachidonsäure weltweit.
Grenzwerte und Empfehlungen
Für Cereulid gibt es bisher keinen gesetzlich festgelegten Grenzwert. Die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) hat jedoch aktuelle Richtwerte für eine akute Risikobewertung festgelegt:
- 0,054 Mikrogramm pro Liter für Säuglingsnahrung.
- 0,1 Mikrogramm pro Liter für Folgenahrung.
Überschreitungen dieser Richtwerte dienen den Behörden als Grundlage für Maßnahmen wie Produktrückrufe. Wissenschaftler schlagen vor, dass Säuglinge eine Tagesdosis von 0,014 Mikrogramm Cereulid pro Kilogramm Körpergewicht nicht überschreiten sollten.
Was tun bei betroffenen Produkten?
Wer ein betroffenes Produkt gekauft hat, sollte es vorsichtshalber nicht weiterverwenden. Eltern prüfen die Verpackung und die Chargennummer. Bei Fragen wenden sie sich an den Händler oder Hersteller. Dort erhalten sie Informationen zur Rückgabe oder Erstattung.
Zeigt ein Kind nach dem Verzehr Symptome wie Erbrechen oder Durchfall, ist der Gang zur Arztpraxis dringend empfohlen. Die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch bittet betroffene Eltern zudem, sich zu melden. So können mögliche Fälle dokumentiert und weiterverfolgt werden. In Frankreich hat die Organisation bereits gemeinsam mit acht Familien Klage eingereicht.
Kritik am Krisenmanagement der Hersteller
Verbraucher erfuhren erst am 5. Januar 2026 von dem Rückruf von Nestlé. Das Unternehmen veröffentlichte eine Pressemitteilung und Warnungen erschienen auf den bekannten Portalen. Nach Unternehmensangaben war die Belastung jedoch schon Anfang Dezember 2025 bekannt. Zu diesem Zeitpunkt wurde allerdings nur der Handel informiert.
„Gerade bei einem sensiblen Produkt wie Säuglingsnahrung nahm man damit ein erhebliches Gesundheitsrisiko in Kauf“, kritisieren die Verbraucherzentralen.
In Frankreich ermittelt die Justiz im Zusammenhang mit dem Tod zweier Kinder, die betroffene Produkte konsumiert hatten. Nestlé weist in einer Mitteilung zum Rückruf darauf hin, man habe „bislang keine medizinische Bestätigung über einen Krankheitsfall erhalten, der im Zusammenhang mit dem Verzehr der rückgerufenen Produkte stünde.“ Diese Aussage ist schwer nachvollziehbar.
Tatsächlich meldeten sich bei den Verbraucherzentralen Eltern, deren Babys genau die betroffenen Chargen erhalten hatten und anschließend stark erbrechen mussten. Ein eindeutiger Zusammenhang konnte jedoch nicht nachgewiesen werden. Dies liegt auch daran, dass mögliche Fälle offenbar nicht systematisch untersucht wurden. Zum Zeitpunkt der Beschwerden war vielen die mögliche Ursache Cereulid zudem gar nicht bekannt. Dies ist nicht zuletzt der verspäteten öffentlichen Kommunikation des Rückrufs geschuldet.
Aus Sicht der Verbraucherzentralen hätten die Produkte in solchen Fällen umgehend untersucht werden müssen. Dies ist offenbar nicht geschehen. Vor diesem Hintergrund kann es folglich auch keine medizinische Bestätigung für oder gegen einen Zusammenhang geben.
Danone reagierte noch später. Erst am 30. Januar 2026 wurde die Öffentlichkeit vor verschiedenen Aptamil-Produkten aus unterschiedlichen Chargen gewarnt. Weitere betroffene Produkte kamen nach und nach hinzu. Inzwischen sind auch mehrere Milumil-Sorten der Marke Milupa betroffen, die ebenfalls zu Danone gehören. Auch hier wurde offenbar zunächst stillschweigend der Handel informiert, bevor Eltern von der kontaminierten Säuglingsnahrung erfuhren.
Empfehlungen der Verbraucherzentralen
Die Verbraucherzentralen raten Eltern, die Säuglingsnahrung verwenden, besonders aufmerksam zu bleiben:
- Regelmäßige Prüfung: Überprüfen Sie regelmäßig aktuelle Rückrufmeldungen.
- Chargennummern abgleichen: Vergleichen Sie die Chargennummern Ihrer Produkte mit den veröffentlichten Listen.
- Im Zweifel nicht verwenden: Nutzen Sie im Zweifel betroffene Produkte nicht weiter.
- Frische Zubereitung: Bereiten Sie Milch stets frisch zu.
- Reste entsorgen: Entsorgen Sie Reste konsequent.
- Ärztlichen Rat suchen: Zeigt Ihr Kind nach dem Trinken Symptome wie Erbrechen oder Durchfall, suchen Sie frühzeitig ärztlichen Rat.





