Phishing-Mails sind eine ständige Bedrohung im digitalen Alltag. Kriminelle versuchen, mit täuschend echten E-Mails an persönliche Daten und Passwörter zu gelangen. Wer die Merkmale dieser Betrugsversuche kennt, kann sich effektiv schützen und finanzielle Schäden vermeiden. Es ist entscheidend, wachsam zu bleiben und bei Verdacht richtig zu reagieren.
Wichtigste Erkenntnisse
- Phishing-Mails enthalten oft Grammatikfehler, fehlende Umlaute oder fremdsprachige Texte.
- Persönliche Anrede fehlt meist, oder es wird dringender Handlungsbedarf mit Drohungen suggeriert.
- Banken und seriöse Dienstleister fordern niemals sensible Daten wie PINs oder TANs per E-Mail an.
- Niemals auf Links klicken oder Anhänge öffnen, wenn die E-Mail verdächtig erscheint.
- Bei Klick auf Links oder Eingabe von Daten sofort handeln: Passwörter ändern, Bank informieren, Antivirenprogramm nutzen.
So erkennen Sie Phishing-Mails
Betrügerische E-Mails werden immer raffinierter, doch es gibt klare Anzeichen, an denen man sie erkennen kann. Die meisten Phishing-Versuche weisen bestimmte Muster auf, die bei genauer Betrachtung auffallen.
Typische Merkmale einer Betrugs-E-Mail
Ein häufiges Warnsignal sind Grammatik- und Rechtschreibfehler. Viele Phishing-Mails werden maschinell übersetzt und enthalten daher stilistische oder grammatische Ungenauigkeiten. Auch fehlende Umlaute oder ungewöhnliche Zeichen können auf einen Betrug hinweisen. Eine E-Mail in einer fremden Sprache, obwohl man keine Geschäftsbeziehungen zu einem ausländischen Unternehmen hat, ist ebenfalls ein starkes Indiz.
Faktencheck: Sprachliche Fehler
Rund 70% der Phishing-Mails, die als solche identifiziert werden, weisen offensichtliche sprachliche Mängel auf, wie Grammatikfehler oder unpassende Formulierungen.
Ein weiteres wichtiges Merkmal ist die Anrede. Seriöse Unternehmen sprechen ihre Kunden in der Regel persönlich mit Namen an. Eine generische Anrede wie „Sehr geehrter Kunde“ oder „Sehr geehrter Nutzer“ sollte misstrauisch machen. Allerdings nutzen Kriminelle zunehmend auch personalisierte Anreden, um Glaubwürdigkeit vorzutäuschen.
"Ihre Bank oder Ihr Zahlungsdienstleister wird Sie niemals per E-Mail oder telefonisch nach Ihrer PIN oder TAN fragen. Das ist eine grundlegende Sicherheitsregel."
Dringender Handlungsbedarf und Dateneingaben
Phishing-Mails versuchen oft, Empfänger unter Zeitdruck zu setzen. Es wird suggeriert, dass sofort gehandelt werden muss, um beispielsweise eine Kontosperrung oder die Kündigung eines Dienstes zu verhindern. Solche Drohungen sind typisch für Betrugsversuche. Besonders heikel wird es, wenn Sie aufgefordert werden, persönliche Daten, Passwörter oder PINs über einen Link einzugeben.
Hintergrund: Warum Kriminelle Ihre Daten wollen
Kriminelle sammeln persönliche Daten, um Identitätsdiebstahl zu begehen, auf Bankkonten zuzugreifen oder Online-Einkäufe zu tätigen. Oft werden die Daten auch im Darknet verkauft.
Auch das Öffnen von Dateianhängen, die unerwartet kommen, birgt große Risiken. Diese Anhänge können Schadprogramme wie Viren oder Trojaner enthalten, die sich auf Ihrem Computer installieren und sensible Informationen ausspionieren.
Umgang mit verdächtigen E-Mails
Sobald eine E-Mail verdächtig erscheint, ist Vorsicht geboten. Die richtige Reaktion kann weitreichende Konsequenzen verhindern.
Was tun, wenn eine E-Mail verdächtig ist?
Klicken Sie niemals auf Links in verdächtigen E-Mails und öffnen Sie keine Anhänge. Auch eine direkte Antwort auf die E-Mail sollten Sie vermeiden, da dies den Betrügern signalisiert, dass Ihre E-Mail-Adresse aktiv ist und für weitere Angriffe genutzt werden kann. Wenn Sie unsicher sind, ob eine E-Mail echt ist, kontaktieren Sie den angeblichen Absender direkt über dessen offizielle Kontaktwege – nicht über die in der E-Mail angegebenen Daten.
- Suchen Sie die offizielle Webseite des Unternehmens und nutzen Sie die dort hinterlegten Kontaktinformationen.
- Besuchen Sie eine Filiale, wenn es sich um Ihre Bank handelt.
- Leiten Sie die verdächtige E-Mail an phishing@verbraucherzentrale.nrw weiter (direkt, nicht als Anhang).
Beachten Sie auch die Absenderadresse und die Empfänger im "An"-Feld. Manchmal wird Ihre Adresse im BCC-Feld versteckt, was bei seriösen persönlichen Nachrichten ungewöhnlich ist.
Wenn Sie bereits auf einen Link geklickt haben
Ein Klick auf einen Phishing-Link ist bereits gefährlich, selbst wenn keine Daten eingegeben wurden. Oft sind im Quellcode der verlinkten Seite Schadprogramme versteckt. Prüfen Sie umgehend Ihr System:
- Virenschutz aktualisieren und vollständigen Scan durchführen: Stellen Sie sicher, dass Ihr Antivirenprogramm auf dem neuesten Stand ist und lassen Sie es Ihren gesamten Computer überprüfen.
- System-Updates prüfen: Überprüfen Sie, ob Ihr Betriebssystem und Ihr Browser automatische Updates erhalten.
- Experten hinzuziehen: Bei Unsicherheit sollten Sie professionelle Hilfe von Computerspezialisten in Anspruch nehmen, die Erfahrung mit Internetkriminalität haben.
- Passwörter ändern: Wenn Sie Daten auf dem möglicherweise infizierten Computer gespeichert hatten, ändern Sie umgehend alle wichtigen Passwörter und Sicherheitsfragen.
Was tun nach Dateneingabe oder Anhang-Öffnung?
Haben Sie persönliche Daten eingegeben oder einen Anhang geöffnet, ist schnelles Handeln entscheidend.
Nach Eingabe sensibler Daten
Wenn Sie PINs, Passwörter, Kontonummern oder Kreditkartendaten preisgegeben haben, ist die Lage ernst. Die Daten sind nun in den Händen von Kriminellen. Folgendes ist unverzüglich zu tun:
- Bank oder Zahlungsdienstleister kontaktieren: Informieren Sie sofort Ihr Kreditinstitut oder den betroffenen Zahlungsdienstleister.
- Konten und Karten sperren: Nutzen Sie die Sperr-Hotline (z.B. 116 116) umgehend, um betroffene Konten oder Kreditkarten zu sperren.
- Passwörter ändern: Ändern Sie sofort alle betroffenen Passwörter und Sicherheitsfragen. Wenn der E-Mail-Account betroffen ist, ändern Sie auch alle Passwörter von Konten, die diesen E-Mail-Account als Benutzernamen verwenden.
- Kontoauszüge prüfen: Kontrollieren Sie regelmäßig Ihre Kontoauszüge auf ungewöhnliche Abbuchungen.
- Strafanzeige erstatten: Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Die E-Mail selbst ist ein wichtiges Beweismittel und sollte nicht gelöscht werden, falls der Betrug nicht rechtzeitig erkannt wurde.
Nach dem Öffnen eines Dateianhangs
Das Öffnen eines Anhangs aus einer Phishing-Mail führt fast immer zur Installation eines Schadprogramms. Dann sollten Sie wie folgt vorgehen:
- Rechner nicht mehr nutzen: Verwenden Sie den infizierten Rechner nicht mehr, bis er "sauber" ist. Nutzen Sie einen uninfizierten Rechner für wichtige Aufgaben.
- Professionelle Hilfe: Kontaktieren Sie bei Unsicherheit Experten, die den Rechner vor Ort überprüfen können.
- Notfall-CD nutzen: Starten Sie Ihren Computer von einer externen "Notfall-CD" oder einem USB-Stick, um ihn auf Schadprogramme zu prüfen, da manipulierte Antivirenprogramme auf dem infizierten System möglicherweise nichts mehr erkennen.
- System neu aufsetzen: Wenn alle anderen Maßnahmen fehlschlagen, kann eine Neuinstallation des Betriebssystems notwendig sein. Sichern Sie zuvor Ihre Daten.
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) bietet umfassende Informationen und Hilfestellungen zum Thema Schadprogramme und sicheres Surfen im Internet.
Prävention: Wie Sie sich dauerhaft schützen können
Neben der akuten Reaktion auf Phishing-Versuche gibt es Maßnahmen, um das Risiko von vornherein zu minimieren.
Einstellungen und Verhaltensweisen
Sprechen Sie mit Ihrem E-Mail-Anbieter über die Einstellungen Ihres Spam-Filters. Viele Anbieter bieten erweiterte Schutzmechanismen, die Phishing-Mails bereits vor dem Erreichen Ihres Postfachs erkennen können. Seien Sie zudem sparsam mit der Weitergabe Ihrer Daten im Internet. Je mehr Informationen über Sie online verfügbar sind, desto leichter können Kriminelle diese "abfischen" und für personalisierte Phishing-Angriffe nutzen.
Es kann auch sinnvoll sein, für verschiedene Dienste unterschiedliche E-Mail-Adressen zu nutzen. So können Sie leichter erkennen, woher ein Datenleck stammen könnte, und müssen bei einer Kompromittierung nicht alle Dienste gleichzeitig absichern.
Aktuelle Betrugsmaschen erkennen
Kriminelle entwickeln ständig neue Taktiken. Häufig geben sie sich als bekannte Unternehmen aus, darunter:
- Amazon: Betreffzeilen wie "Benutzerkonto eingefroren" oder "Beihilfe erforderlich Betrugsversuch".
- PayPal: "Ihr Kontozugriff Ist Eingeschränkt".
- Google/Mastercard: "You recieved important Document".
- Banken (Sparkasse, Postbank, Targobank): Oft mit Hinweisen auf "verbesserte Sicherheit beim Online-Banking" oder "Sichern Sie Ihre Online KONTO".
- Erotik-Portale: Falsche Rechnungen mit Betreffzeilen wie "Ihre Rechnung MyDirtyHobby GmbH".
Achten Sie auf Anhänge im ZIP- oder CAB-Format. Diese komprimierten Dateien können mehrere Dateien enthalten, darunter auch Viren, die erst beim Entpacken erkannt werden. Veraltete Schutzprogramme können solche Bedrohungen oft nicht zuverlässig erkennen.
Bleiben Sie informiert über aktuelle Warnungen und Betrugsmaschen, beispielsweise über das Phishing-Radar der Verbraucherzentrale NRW. Ihre Wachsamkeit ist der beste Schutz im digitalen Raum.





