Tomaten sind das beliebteste Gemüse in Deutschland, doch nur ein kleiner Teil davon stammt aus heimischem Anbau. Verbraucher stehen oft vor der Frage, welche Tomaten die nachhaltigste Wahl sind – besonders wenn es um Herkunft, Anbaumethoden und Umweltauswirkungen geht. Eine genaue Betrachtung der Lieferketten zeigt die Komplexität.
Wichtige Erkenntnisse
- Nur 13 Prozent der frischen Tomaten in Deutschland sind heimisch.
- Deutsche und niederländische Gewächshaustomaten sind im Winter energieintensiv.
- Tomaten aus Südeuropa haben oft einen geringeren CO2-Fußabdruck, aber hohe Wasserbedarfe.
- Saisonaler Einkauf von Ende Mai bis September ist die beste Wahl.
- Bio-Tomaten bieten Vorteile beim Pflanzenschutz, aber nicht immer bei der Heizenergie.
Deutschlands Tomatenhunger: Zahlen und Fakten
Tomaten sind ein fester Bestandteil der deutschen Küche. Im Durchschnitt verzehrt jeder Deutsche jährlich fast 30 Kilogramm Tomaten. Etwa ein Drittel davon wird frisch konsumiert, der Rest in verarbeiteter Form wie Soßen oder Pürees.
Trotz dieser hohen Nachfrage deckt die heimische Produktion nur einen geringen Anteil des Bedarfs. Lediglich 13 Prozent der frischen Tomaten, die in deutschen Supermärkten und auf Wochenmärkten landen, stammen aus Deutschland. Bei verarbeiteten Produkten liegt dieser Anteil sogar nur bei 3,5 Prozent. Der Großteil wird importiert, hauptsächlich aus den Niederlanden und Spanien.
Tomaten im Fokus
- Durchschnittlicher Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland: knapp 30 kg/Jahr
- Anteil frischer Tomaten am Gesamtverbrauch: etwa 1/3
- Anteil deutscher Tomaten am Frischwarenmarkt: 13%
- Anteil deutscher Tomaten an verarbeiteten Produkten: 3,5%
Anspruchsvolle Pflanzen: Der Tomatenanbau
Tomaten sind wärmeliebende Pflanzen. Sie benötigen viel Wasser, Licht und konstante Temperaturen zwischen 18 und 22 Grad Celsius, um gut zu gedeihen. Zudem sind sie empfindlich gegenüber Regen, Wind und hoher Luftfeuchtigkeit. Diese Anforderungen machen den Freilandanbau in Deutschland oft schwierig und wenig rentabel.
Deshalb werden Tomaten in Deutschland und den Niederlanden fast ausschließlich in Gewächshäusern kultiviert. Dort können die Umweltbedingungen optimal gesteuert werden. Lampen ergänzen das Sonnenlicht, Heizungen sorgen für die nötige Wärme. Der Anbau erfolgt oft auf Substraten wie Steinwolle anstatt in Erde.
Saisonale Verfügbarkeit und Anbaumethoden
Die Hauptsaison für deutsche Gewächshaustomaten reicht von Ende Mai bis Ende September. In dieser Zeit ist das Angebot am größten. Die Gewächshaus-Saison endet in der Regel im November, bevor die Anlagen im Januar neu bepflanzt werden, um ab März wieder erste Ernten zu ermöglichen.
„Heimische Tomaten, aber auch die aus den Niederlanden und Belgien, sind von Ende Mai bis September eine gute Wahl“, so die Empfehlung von Verbraucherschützern. In dieser Periode ist der Energieaufwand für den Anbau in Mitteleuropa am geringsten.
Was Tomaten brauchen
Tomaten sind anspruchsvolle Kulturpflanzen. Sie benötigen:
- Viel Wasser
- Ausreichend Licht
- Temperaturen zwischen 18 und 22 °C
- Schutz vor Regen und Wind
Diese Bedingungen sind im Freiland in Deutschland nur schwer zu gewährleisten, weshalb der Gewächshausanbau dominiert.
Tomaten im Winter: Hoher Energieverbrauch
Der ganzjährige Anbau von Tomaten in Deutschland und den Niederlanden ist technisch möglich, hat aber eine Schattenseite: den hohen Energiebedarf. Um auch im Winter Tomaten wachsen zu lassen, müssen Gewächshäuser ständig beheizt und beleuchtet werden. Dies geschieht oft mit Gas oder Heizöl, was sich negativ auf die Klimabilanz auswirkt.
Der CO2-Fußabdruck einer Gewächshaustomate aus Deutschland oder den Niederlanden kann im Winter fast zehnmal höher sein als der einer Freilandtomate. Im Vergleich zu einer spanischen Tomate ist er immer noch etwa siebenmal höher. Angesichts steigender Energiekosten suchen immer mehr Betriebe nach nachhaltigeren Heizmethoden, um den ökologischen Fußabdruck zu reduzieren.
Die Rolle südeuropäischer Importe
In den kalten Monaten kommen die meisten frischen Tomaten nach Deutschland aus Spanien, insbesondere aus der Region Almería. Dort werden sie in Folien-Gewächshäusern angebaut, die aufgrund des wärmeren Klimas nicht beheizt werden müssen. Dies führt zu einem besseren Energieverbrauch und einer günstigeren CO2-Bilanz im Vergleich zu beheizten Gewächshäusern in Mitteleuropa, selbst wenn man den Transport per LKW berücksichtigt.
„Im Vergleich zu einer spanischen Tomate ist der CO2-Fußabdruck einer Gewächshaustomate im Winter etwa sieben Mal höher.“
Allerdings birgt der Anbau in Südeuropa andere Herausforderungen. Tomaten bestehen zu 94 Prozent aus Wasser und benötigen viel davon. In trockenen Regionen wie Almería verschärft der intensive Anbau die ohnehin problematische Wassersituation. Wasser wird oft aus Tiefbrunnen entnommen, was den Grundwasserspiegel sinken lässt. Zudem kann es in Küstennähe zur Versalzung von Brunnen durch eindringendes Salzwasser kommen. Meerwasserentsalzung wird als Alternative genutzt, ist aber wiederum sehr energieintensiv.
Hinzu kommen Berichte über teils schwierige Arbeitsbedingungen für die Landarbeiter in südlichen Anbaugebieten, die bei einer umfassenden Nachhaltigkeitsbetrachtung ebenfalls berücksichtigt werden müssen.
Bio vs. Konventionell: Unterschiede und Gemeinsamkeiten
In Deutschland stammen 11 Prozent der angebauten Tomaten aus biologischem Anbau. Ein wesentlicher Unterschied zu konventionellen Tomaten ist der Anbau in Erde sowie das Verbot von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmitteln und Kunstdüngern. Bio-Tomaten weisen daher in der Regel keine Pestizidrückstände auf.
Auch bei konventionell angebauten deutschen Tomaten sind Pestizidrückstände im internationalen Vergleich seltener und geringer nachweisbar. Hinsichtlich der sozialen Standards gibt es zwischen Bio- und konventionellem Anbau kaum Unterschiede, obwohl einige Bio-Anbauverbände strengere Sozialrichtlinien haben.
Auch Bio-Tomaten werden überwiegend im Gewächshaus angebaut. Die EU-Öko-Verordnung regelt das Beheizen von Gewächshäusern nicht explizit. Viele Bio-Anbauverbände erlauben jedoch nur das frostfreie Halten der Gewächshäuser im Winter. Dies führt zu späteren Pflanzungen und geringeren Heizenergiebedarfen, aber auch zu geringeren Erntemengen. Oft werden robustere Sorten verwendet, die ebenfalls weniger Ertrag bringen.
Nachhaltig Tomaten einkaufen: Tipps für Verbraucher
Eine nachhaltige Kaufentscheidung ist komplex, da viele Faktoren eine Rolle spielen. Hier sind einige Empfehlungen:
- Saisonalität beachten: Von Ende Mai bis September sind heimische Tomaten sowie die aus den Niederlanden und Belgien die beste Wahl. In dieser Zeit ist der Energieaufwand für den Anbau in Mitteleuropa am geringsten.
- Herkunft prüfen: Achten Sie auf die Angaben zum Ursprungsland. Diese sind bei frischen Tomaten Pflicht.
- Regionale Produkte bevorzugen: Auf Wochenmärkten oder in Hofläden finden sich manchmal regionale Freilandtomaten oder solche aus unbeheiztem Folienanbau. Fragen Sie direkt nach der Anbaumethode.
- Selbst anbauen: Wer die Möglichkeit hat, kann Tomaten auf dem Balkon oder im Garten selbst ziehen. Das macht Spaß und garantiert frische, reife Früchte.
- Alternativen im Winter: In den Wintermonaten sind frische Tomaten aus beheizten Gewächshäusern oder wasserintensiven Regionen keine optimale Wahl. Erwägen Sie andere saisonale Gemüsesorten oder greifen Sie auf haltbare Tomatenprodukte wie gehackte oder passierte Tomaten zurück, wenn diese für Suppen oder Soßen verwendet werden. Diese haben oft eine bessere Gesamtbilanz.
Der Saisonkalender der Verbraucherzentralen bietet eine gute Orientierungshilfe für den nachhaltigen Gemüsekauf.





