Im Alter steigt das Risiko für Unfälle, und damit oft auch der Bedarf an Unterstützung im Alltag. Spezielle Senioren-Unfallversicherungen bieten hier eine wichtige Absicherung. Sie kombinieren finanzielle Leistungen mit praktischen Hilfen, die im Falle eines Unfalls den Alltag erleichtern können. Diese Versicherungen sind besonders für Menschen interessant, die alleine leben und kein enges soziales Netzwerk haben, das sie im Bedarfsfall unterstützen könnte.
Wichtige Punkte
- Senioren-Unfallversicherungen bieten finanzielle und organisatorische Hilfe nach einem Unfall.
- Leistungen umfassen oft Hausnotruf, Menü-Service und Begleitung bei Arztbesuchen.
- Wichtige Absicherung auch bei alterstypischen Brüchen und unfallbedingten Bewusstseinsstörungen.
- Die meisten Verträge haben ein Aufnahmehöchstalter, einige verzichten darauf.
- Freie Wahl der Hilfsorganisationen ist ein Qualitätsmerkmal.
Warum eine spezielle Senioren-Unfallversicherung sinnvoll ist
Mit dem Eintritt in den Ruhestand entfällt für viele Menschen der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung. Während die gesetzliche Kranken- und Pflegeversicherung grundlegende Leistungen erbringen, bleiben nach einem Unfall oft erhebliche Lücken. Eine private Unfallversicherung kann diese Lücken schließen, doch herkömmliche Policen sind für ältere Menschen oft schwer abzuschließen oder enden mit einem bestimmten Alter, meist bei 75 Jahren. Hier setzen spezielle Senioren-Unfallversicherungen an.
Diese Policen sind auf die Bedürfnisse älterer Menschen zugeschnitten. Sie legen einen starken Fokus auf Hilfeleistungen, die den Alltag nach einem Unfall erleichtern. Statistiken zeigen, dass viele Verletzungen im Alter zwar heilen, die Betroffenen aber vorübergehend auf externe Unterstützung angewiesen sind. Die Hilfeleistungen sind oft für einige Monate nach dem Unfall vorgesehen und decken ein breites Spektrum ab.
Wussten Sie schon?
Mit dem Ruhestand endet in der Regel der Schutz der gesetzlichen Unfallversicherung, die nur für Arbeitsunfälle zuständig ist. Private Vorsorge wird somit noch wichtiger.
Umfassende Hilfe- und Pflegeleistungen
Die Kernleistungen einer Senioren-Unfallversicherung sind die Hilfe- und Pflegeleistungen. Diese gehen über die reine finanzielle Entschädigung hinaus und bieten praktische Unterstützung im Alltag. Es ist entscheidend, dass die Versicherung diese Dienste nicht nur organisiert, sondern auch die Kosten dafür trägt, unabhängig davon, ob eine dauerhafte Invalidität vorliegt.
Zu den typischen Leistungen gehören:
- Hausnotrufdienst: Eine 24-Stunden-Erreichbarkeit für schnelle Hilfe im Notfall.
- Menü-Service: Lieferung von Mahlzeiten direkt nach Hause.
- Begleitung: Unterstützung bei Arzt-, Therapie- und Behördengängen.
- Einkaufs- und Besorgungshilfen: Unterstützung bei alltäglichen Erledigungen.
- Haushaltsführung: Wohnungsreinigung sowie Waschen und Pflegen der Wäsche.
- Körperpflege: Hilfe beim An- und Auskleiden, bei der Zubereitung von Mahlzeiten und bei der Nahrungsaufnahme.
- Betreuung nach Krankenhausaufenthalt: Eine Tag- und Nachtwache bei medizinischer Notwendigkeit.
- Haustierversorgung: Unterbringung und Versorgung von Haustieren im Bedarfsfall.
- Beratung: Unterstützung bei der Anpassung der Wohnung oder des Autos an neue Bedürfnisse.
Die Leistungsdauer für diese Hilfen ist oft auf sechs Monate nach dem Unfalltag begrenzt. Ein wichtiges Kriterium bei der Wahl der Versicherung ist die freie Wahl der Hilfsorganisation. Viele Versicherer arbeiten mit etablierten Partnern wie Caritas, Johanniter-Unfall-Hilfe, Malteser Hilfsdienst oder dem Roten Kreuz zusammen.
Finanzielle Absicherung bei schwerwiegenden Folgen
Neben den praktischen Hilfen bieten Senioren-Unfallversicherungen auch finanzielle Leistungen. Diese sind besonders wichtig, wenn Unfälle zu einer dauerhaften Beeinträchtigung führen. Hierbei wird zwischen Rentenleistungen und einmaligen Kapitalleistungen unterschieden.
Lebenslange monatliche Renten werden meist dann gezahlt, wenn eine Invalidität von mindestens 50 Prozent vorliegt. Eine einmalige Kapitalleistung wird bei dauerhafter Invalidität gezahlt und kann für barrierefreie Umbauten der Wohnung, den Umzug in betreutes Wohnen oder die Finanzierung laufender Mehrausgaben für Haushaltshilfen und Pflegekräfte genutzt werden. Die Kapitalleistung ist oft die bevorzugte Option, da sie flexibel eingesetzt werden kann, um sich an die neuen Lebensumstände anzupassen.
„Die Kombination aus praktischer Hilfe und finanzieller Absicherung macht Senioren-Unfallversicherungen zu einem wichtigen Baustein für ein selbstbestimmtes Leben im Alter, auch nach einem unvorhergesehenen Ereignis.“
Invaliditätsgrad und Leistungen
Der Invaliditätsgrad und damit die Höhe der Versicherungsleistung werden anhand einer Gliedertaxe ermittelt. Bei Vollinvalidität wird die volle vereinbarte Summe ausgezahlt, sonst anteilig. Es ist wichtig zu beachten, dass Leistungen gekürzt werden können, wenn Vorerkrankungen den Unfall mit ausgelöst oder zur Invalidität beigetragen haben. Eine unfallfremde Mitwirkung bis zu 25 Prozent führt in der Regel zu keinen Abzügen.
Besondere Risiken im Alter abdecken
Normale Unfallversicherungen definieren einen Unfall oft sehr eng. Für ältere Menschen ist es jedoch entscheidend, dass die Senioren-Unfallversicherung auch alterstypische Risiken abdeckt. Dazu gehören:
- Oberschenkelhals- und Armbrüche: Diese Brüche sind bei älteren Menschen häufig und oft nicht allein auf einen Sturz zurückzuführen, sondern auf Überlastung oder Osteoporose. Eine gute Versicherung sollte diese Fälle als Unfall betrachten.
- Unfälle durch Bewusstseinsstörungen: Wenn ein Unfall durch eine Ohnmacht infolge eines Herzinfarkts oder Schlaganfalls verursacht wird, sollte dies ebenfalls versichert sein.
- Medikamentenbedingte Unfallfolgen: Unfälle, die durch die Einnahme von Medikamenten ausgelöst werden, müssen ebenfalls unter den Versicherungsschutz fallen.
Diese Erweiterungen des Unfallbegriffs sind entscheidend, um einen umfassenden Schutz zu gewährleisten, der den spezifischen Gesundheitsrisiken im Alter Rechnung trägt.
Gesundheitsfragen und Aufnahmealter
Bei Abschluss einer Senioren-Unfallversicherung müssen die Gesundheitsfragen im Antrag vollständig und wahrheitsgemäß beantwortet werden, um den Versicherungsschutz nicht zu gefährden. Einige Anbieter verzichten jedoch auf eine Gesundheitsprüfung, was den Abschluss für viele Senioren erleichtert.
Das Aufnahmehöchstalter variiert stark zwischen den Versicherungsgesellschaften. Viele versichern Personen ab 50 Jahren, wobei das Aufnahmehöchstalter oft bei 75 Jahren liegt. Es gibt aber auch Anbieter, die auf ein Aufnahmehöchstalter verzichten. Wichtig ist, dass die Verträge auch im fortgeschrittenen Alter ohne Leistungseinschränkungen oder Beitragserhöhungen fortgeführt werden können. Verträge, die automatisch mit 85 Jahren enden, sollten vermieden werden.
Checkliste für die Auswahl der richtigen Senioren-Unfallversicherung
Wer eine Senioren-Unfallversicherung in Betracht zieht, sollte auf folgende Punkte achten:
- Leistungsdauer: Die Hilfeleistungen sollten mindestens sechs Monate abdecken.
- Kostenübernahme: Die Versicherung sollte die Kosten für Hilfsleistungen nicht nur organisieren, sondern auch bezahlen.
- Erweiterter Unfallbegriff: Alterstypische Brüche (Oberschenkelhalsbruch, Armbruch), Unfälle durch Bewusstseinsstörungen (Herzinfarkt, Schlaganfall) und medikamentenbedingte Unfallfolgen müssen versichert sein.
- Keine Leistungseinschränkung: Bei mitwirkenden Krankheiten oder Gebrechen sollte es keine Leistungseinschränkungen geben, insbesondere bei Hilfeleistungen und den genannten alterstypischen Unfallursachen.
- Kein Höchstversicherungsalter: Der Vertrag sollte ohne ein festes Höchstversicherungsalter und altersunabhängig ohne Leistungseinschränkungen oder Beitragserhöhungen fortgeführt werden können.
- Freie Wahl der Hilfsorganisation: Kunden sollten nicht an eine bestimmte Organisation gebunden sein.
Eine Senioren-Unfallversicherung kann eine sinnvolle Ergänzung sein, besonders für alleinlebende Senioren ohne unterstützendes Netzwerk. Wer bereits eine gute "normale" Unfallversicherung besitzt und die organisierten Hilfeleistungen nicht zwingend benötigt, sollte versuchen, diesen Vertrag so lange wie möglich fortzusetzen.
Für weitere Informationen und zur Auswahl eines passenden Anbieters können sich Interessierte an die Stiftung Warentest, den Bundesverband der unabhängigen Versicherungsberater oder die örtliche Verbraucherzentrale wenden.





