Pflanzendrinks werden immer beliebter und ersetzen in vielen Haushalten die traditionelle Kuhmilch. Doch wie gut sind diese Alternativen wirklich, insbesondere im Hinblick auf ihren Nährstoffgehalt und ihre Nachhaltigkeit? Eine aktuelle Untersuchung der Verbraucherzentrale NRW zeigt deutliche Unterschiede und gibt wichtige Hinweise für Verbraucher.
Wichtige Erkenntnisse
- Pflanzendrinks sind im Nährstoffgehalt nicht direkt mit Kuhmilch vergleichbar.
- Anreicherung mit Calcium, Jod, Vitamin B12 und B2 ist entscheidend.
- Bio-Pflanzendrinks dürfen laut EU-Verordnung nicht angereichert werden.
- Pflanzendrinks haben eine bessere CO2-Bilanz als Kuhmilch.
- Der Begriff „Milch“ ist für pflanzliche Produkte gesetzlich geschützt.
Nährstoffgehalt: Wo Pflanzendrinks punkten und wo sie Defizite zeigen
Pflanzliche Drinks sind vielseitig einsetzbar, sei es im Kaffee, Müsli oder beim Backen. Doch ihre Zusammensetzung unterscheidet sich erheblich von Kuhmilch. Während Kuhmilch von Natur aus wichtige Nährstoffe wie Calcium, Jod, Vitamin B12 und Vitamin B2 liefert, enthalten Pflanzendrinks diese in der Regel nicht in relevanten Mengen – es sei denn, sie sind gezielt angereichert.
Der Gehalt an Fetten, Proteinen, Kohlenhydraten und Energie variiert stark je nach Hauptzutat. Soja-, Hafer-, Mandel- oder Reisdrinks haben jeweils unterschiedliche Profile. Ein Vorteil von Pflanzendrinks ist ihr geringer Gehalt an gesättigten Fettsäuren und das Fehlen von Cholesterin. Zudem liefern sie Ballaststoffe, wenn auch meist in geringen Mengen.
Wichtige Nährstoffe im Vergleich
- Calcium: Essentiell für Knochen. Kuhmilch ist eine Hauptquelle.
- Jod: Wichtig für die Schilddrüsenfunktion. Viele Deutsche sind unterversorgt.
- Vitamin B12: Fast ausschließlich in tierischen Produkten. Veganer benötigen oft Ergänzung.
- Vitamin B2: Milchprodukte sind in Deutschland die wichtigste Quelle.
Warum Anreicherung so wichtig ist
Wer Milch und Milchprodukte vollständig durch pflanzliche Alternativen ersetzt, muss besonders auf die Zufuhr bestimmter Nährstoffe achten. Calcium ist entscheidend für die Knochengesundheit. Eine dauerhaft zu niedrige Zufuhr kann den Knochenabbau fördern. Jod ist wichtig für die Schilddrüse; laut Robert-Koch-Institut sind 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen in Deutschland von einer Jodunterversorgung bedroht.
Vitamin B12 kommt fast nur in tierischen Lebensmitteln vor. Milchprodukte decken etwa ein Drittel des Bedarfs. Veganer sind auf Nahrungsergänzungsmittel angewiesen. Auch Vitamin B2, das hauptsächlich in tierischen Produkten vorkommt, ist ein kritischer Nährstoff für Menschen, die wenig oder keine tierischen Lebensmittel konsumieren.
Hintergrund zur Nährstoffversorgung
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt zwei Portionen Milch- oder Milchprodukte täglich, um den Calciumbedarf zu decken. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert die Anreicherung von Pflanzendrinks mit Jod, da diese Produkte immer häufiger tierische Lebensmittel ersetzen.
Ergebnisse der Marktstichprobe 2024
Die Verbraucherzentrale NRW hat von Juli bis September 2024 eine umfassende Stichprobe von 160 Pflanzendrinks von 22 Herstellern durchgeführt. Die Produkte stammten aus Supermärkten, Discountern und Bioläden. Auffällig war der hohe Anteil an Bio-Produkten: 76 Prozent der untersuchten Drinks waren aus ökologischer Herstellung.
Bio-Drinks: Das Problem mit der Anreicherung
Bei Bio-Produkten zeigte sich ein klares Muster: Nur 6 Prozent der Bio-Drinks waren mit Calcium angereichert. Andere wichtige Nährstoffe wurden in keinem Bio-Drink zugesetzt. Der Grund liegt in der EU-Bio-Verordnung 2018/848, die ein generelles Supplementationsverbot für Bio-Produkte vorschreibt.
Es gab zwar Versuche, Bio-Pflanzendrinks mit Calcium aus Rotalgen (Lithothamnium) anzureichern. Die EU-Kommission stellte jedoch im Dezember 2023 klar, dass dies als Calciumzusatz und somit als Anreicherung gilt, was unter das Verbot fällt. Aktuell laufen Klagen gegen diese Auslegung.
Konventionelle Drinks: Mehr Angereicherte Produkte
Bei den konventionellen Pflanzendrinks sieht die Situation anders aus: 87 Prozent (33 Produkte) waren mit Calcium angereichert. In den meisten Fällen wurde Calciumcarbonat verwendet, das gut vom Körper aufgenommen wird. Sechs Drinks enthielten Tricalciumphosphat, welches schlechter verwertbar ist.
Fast alle angereicherten konventionellen Drinks enthielten 120 mg Calcium pro 100 ml, was dem Gehalt in Kuhmilch entspricht. Bei Jod sah es weniger gut aus: Nur 29 Prozent (11 Produkte) der konventionellen Drinks waren mit Jod angereichert. Bei Vitamin B12 waren es immerhin 71 Prozent (27 Produkte), und etwa die Hälfte enthielt Vitamin B2.
„Die aktuelle Stichprobe macht deutlich, dass nur ein eher kleiner Teil der Pflanzendrinks mit potenziell kritischen Nährstoffen angereichert ist. Dies überrascht nicht, da Bioprodukte einen Großteil der auf dem Markt befindlichen Pflanzendrinks ausmachen und einem generellen Anreicherungsverbot unterliegen.“
Fazit und Empfehlungen für Verbraucher
Die Untersuchung zeigt, dass Pflanzendrinks ohne Anreicherung die Nährstoffversorgung durch Milch nicht ohne Weiteres ersetzen können. Besonders preissensible Verbraucher, die oft zu günstigeren Bio-Eigenmarken greifen, sind hier im Nachteil, da diese Produkte selten angereichert sind.
Angesichts der wachsenden Beliebtheit von Pflanzendrinks ist es wichtig, dass Produkte, die als Milchersatz dienen sollen, konsequent mit Calcium, Jod, Vitamin B12 und B2 in Mengen angereichert werden, die denen in Kuhmilch entsprechen. Die rechtlichen Hürden bei Bio-Produkten müssen hierfür möglicherweise angepasst werden.
Tipps zur Auswahl von Pflanzendrinks
- Angereicherte Drinks bevorzugen: Wenn Sie wenig oder keine Milchprodukte konsumieren, wählen Sie konventionelle Pflanzendrinks, die mit Calcium, Jod, Vitamin B12 und B2 angereichert sind.
- Bei Bio-Drinks Nährstoffe anders decken: Wenn Sie Bio-Pflanzendrinks bevorzugen, achten Sie darauf, die kritischen Nährstoffe über andere Lebensmittel oder Ergänzungsmittel aufzunehmen.
- Gut schütteln: Calcium kann sich am Boden absetzen. Schütteln Sie angereicherte Drinks vor dem Verzehr gut durch.
- Zutatenliste prüfen: Achten Sie auf Calciumcarbonat oder Lithothamnium calcareum, da diese besser vom Körper aufgenommen werden als Tricalciumphosphat.
- Proteinreiche Optionen: Drinks auf Hülsenfruchtbasis (z.B. Erbsen, Soja) enthalten oft mehr Proteine als Getreide- oder Nussdrinks.
- Abwechslung ist wichtig: Wechseln Sie die Sorten, um die Aufnahme potenzieller Schimmelpilzgifte gering zu halten.
Nachhaltigkeit: Ein klarer Vorteil der Pflanzendrinks
Ein Hauptgrund für den Kauf von Pflanzendrinks ist der Klimaschutz. Sie verursachen pro Liter deutlich weniger Treibhausgasemissionen als Kuhmilch – etwa ein Viertel bis die Hälfte. Sogar Kokosdrinks, deren Zutaten weite Transportwege zurücklegen, schneiden in der CO2-Bilanz besser ab als Kuhmilch.
Allerdings ist die Herkunft der Zutaten entscheidend. Angaben wie „Hergestellt in Deutschland“ bedeuten nicht zwangsläufig, dass die Rohstoffe regional angebaut wurden. Sie können lediglich auf Abfüllung oder Verpackung in Deutschland hindeuten. Für eine wirklich nachhaltige Wahl sind Produkte aus möglichst regional angebauten Zutaten zu bevorzugen. Bei Hafer ist dies oft in Deutschland möglich, bei Soja, Reis und Mandeln muss man den Blick auf Europa erweitern.
Regionale Herkunft und Wasserverbrauch
- Reisdrinks: Europäischer Reis wird oft im Trockenanbau erzeugt und ist klimafreundlicher.
- Mandeldrinks: Hoher Wasserverbrauch im Anbaugebiet (z.B. Kalifornien), was ein ökologisches Problem darstellt. Die Wasserbilanz kann schlechter sein als die von Milch.
Wissenswertes rund um Pflanzendrinks
„Drink“ statt „Milch“
Der Begriff „Milch“ ist, wie auch „Joghurt“ oder „Käse“, gesetzlich geschützt und nur für Produkte aus dem Gemelk von Säugetieren erlaubt. Daher sind Bezeichnungen wie „Hafermilch“ oder „Mandelmilch“ nicht zulässig. Eine Ausnahme bildet „Kokosmilch“, die durch eine alte Ausnahmeregelung erlaubt ist.
Zuckergehalt: Genau hinsehen
Werbeaussagen wie „ohne Zuckerzusatz“ oder „ungesüßt“ können irreführend sein. Sie bedeuten lediglich, dass kein zusätzlicher Zucker hinzugefügt wurde. Der natürliche Zuckergehalt kann je nach Rohstoff dennoch hoch sein. Ein Blick auf die Nährwerttabelle ist immer ratsam, um den tatsächlichen Zuckergehalt zu erfahren.
Verpackungsdesign
Verpackungen von Pflanzendrinks sind oft überladen mit Werbeaussagen, Siegeln und Bildern. Dies erschwert die Orientierung und lenkt von wichtigen Informationen wie dem Zutatenverzeichnis ab. Verbraucher sollten sich auf die Rückseite oder Seite der Verpackung konzentrieren, um die offizielle Produktbezeichnung und das Zutatenverzeichnis zu finden.





