Die US-Regierung hat die Verbrauchsvorgaben für neue Pkw und leichte Nutzfahrzeuge deutlich gesenkt. Diese Entscheidung, die unter der Anweisung von Präsident Donald Trump getroffen wurde, könnte weitreichende Folgen für Verbraucher, Hersteller und den Klimaschutz haben. Die neuen Regeln sollen den durchschnittlichen Flottenverbrauch im Modelljahr 2031 auf etwa 34,9 Meilen pro Gallone (mpg) anheben, was einer massiven Reduzierung der Effizienzziele im Vergleich zu den zuvor unter Präsident Joe Biden festgelegten 50,4 mpg entspricht.
Wichtige Punkte
- Die US-Verbrauchsvorgaben für Neuwagen werden drastisch gesenkt.
- Zielwert für 2031 liegt bei 34,9 mpg statt 50,4 mpg.
- Elektrofahrzeuge und Plug-in-Hybride verlieren Anrechnungen.
- Hersteller profitieren kurzfristig, Verbraucher zahlen mehr an der Zapfsäule.
- Erwarteter Anstieg der CO₂-Emissionen um rund fünf Prozent.
- Klagen von Umweltverbänden und Bundesstaaten sind wahrscheinlich.
Drastische Senkung der Effizienzziele
Die National Highway Traffic Safety Administration (NHTSA) hat die finalen CAFE-Regeln (Corporate Average Fuel Economy) für die Modelljahre 2027 bis 2031 veröffentlicht. Der regulatorische Flottendurchschnitt soll bis 2031 nur noch bei rund 34,9 mpg liegen. Dies entspricht etwa 6,7 Litern pro 100 Kilometer. Unter den früheren Biden-Regeln wären für das gleiche Modelljahr 50,4 mpg vorgeschrieben gewesen.
Diese Neuregelung betrifft eine breite Palette von Fahrzeugen, von klassischen Limousinen über Kompaktwagen bis hin zu SUVs, Pick-ups und Vans, die als leichte Nutzfahrzeuge eingestuft werden. Schwere Pick-ups und Vans unterliegen gesonderten Vorgaben.
Faktencheck: CAFE-Werte
CAFE-Werte sind regulatorische Flottenmittelwerte, die über die gesamte Fahrzeugflotte eines Herstellers berechnet werden. Sie berücksichtigen Testverfahren, Flottenklassifikation und spezielle Anrechnungen. Die neuen Regeln schränken jedoch mehrere dieser Anrechnungsmechanismen ein.
Einschränkungen für Elektrofahrzeuge und Hybride
Die neuen Vorschriften sehen vor, dass batterieelektrische Fahrzeuge (BEV) und Plug-in-Hybride (PHEV) bei der Festlegung der Standards nicht mehr berücksichtigt werden. Auch bestimmte Anrechnungen für Klimaanlagen und sogenannte Off-Cycle-Technologien entfallen. Ab dem Modelljahr 2028 plant die NHTSA zudem, den Zertifikatehandel zwischen den Herstellern abzuschaffen.
Die jährlichen Steigerungsraten der Effizienz fallen ebenfalls deutlich geringer aus. Für die Modelljahre 2027 bis 2031 ist eine Steigerung von lediglich 0,25 Prozent pro Jahr vorgesehen. Zum Vergleich: Die frühere Biden-Regelung sah für Pkw jährliche Steigerungen von 8 bis 10 Prozent für die Modelljahre 2024 bis 2026 vor.
Rückwirkende Neuberechnung
Besonders brisant ist die rückwirkende Neuberechnung der Standards ab dem Modelljahr 2022. Dies könnte die Bewertung bereits ausgestellter CAFE-Gutschriften nachträglich ändern und bestehende Defizite einzelner Hersteller in Überschüsse verwandeln.
Katherine García von der Umweltorganisation Sierra Club betonte bereits 2025: „Wenn wir unsere Fahrzeuge weniger kraftstoffeffizient machen, schadet das den Familien, da sie an der Zapfsäule mehr bezahlen müssen.“
Höhere Kosten für Verbraucher, mehr CO₂-Ausstoß
Die NHTSA prognostiziert, dass die gelockerten Vorgaben den durchschnittlichen Anschaffungspreis eines Neuwagens um rund 1300 US-Dollar senken könnten, wenn Hersteller diese Einsparungen an die Kunden weitergeben. Die Verbraucherschutzorganisation Consumer Reports widerspricht dieser Einschätzung jedoch energisch. Historische Daten zeigten, dass strengere Effizienzvorgaben den Verbrauchern langfristig Geld sparten, anstatt die Fahrzeugpreise zu erhöhen.
Die vermeintliche Ersparnis beim Kauf wird durch erhebliche Mehrkosten an der Zapfsäule mehr als aufgewogen. Bis 2050 rechnet die Behörde selbst mit rund 100 Milliarden zusätzlichen Gallonen Kraftstoffverbrauch. Dies führt zu etwa 185 Milliarden US-Dollar höheren Tankkosten für die Verbraucher.
Umweltfolgen der Lockerung
Für den Klimaschutz sind die Folgen gravierend. Die NHTSA geht von einem Anstieg der CO₂-Emissionen um rund fünf Prozent im Vergleich zu den strengeren Standards aus. Generalstaatsanwälte mehrerer US-Bundesstaaten kritisierten bereits ein paralleles Vorhaben der Umweltbehörde EPA. Deren Modellrechnungen zeigten, dass die Rücknahme der Abgasstandards die Emissionen bestimmter Luftschadstoffe wie Stickoxide und Feinstaub erhöhen und gesundheitliche Nachteile verursachen könnte. Der zusätzliche Benzinverbrauch dürfte zudem die US-Abhängigkeit von Ölpreisschwankungen erhöhen.
Elektromobilität verliert an Attraktivität
Die schwächeren Standards reduzieren den Druck auf Fahrzeughersteller, effiziente Technologien in den USA einzusetzen. Mild-Hybride, Vollhybride, Plug-in-Hybride, Leichtbau, verbesserte Aerodynamik und sogar Start-Stopp-Systeme könnten wirtschaftlich weniger attraktiv werden. Dies betrifft insbesondere elektrische Varianten großer SUVs und Pick-ups sowie effiziente Limousinen, die bisher oft zum Flottenausgleich dienten.
Im Gegenzug werden margenstarke Benzin-SUVs und Pick-ups relativ attraktiver. Die Modellpalette könnte sich zugunsten größerer, weniger effizienter Fahrzeuge verschieben. Die Alliance for Automotive Innovation, die große Hersteller wie General Motors, Toyota, Volkswagen, Hyundai und Ford vertritt, unterstützt die niedrigeren Anforderungen grundsätzlich. Die Industrie fordert jedoch auch Nachbesserungen, wie den Erhalt des Credit-Handels und mehr Flexibilität bei der Einhaltung.
Auswirkungen auf deutsche Hersteller
Auch für deutsche Hersteller wie Volkswagen, BMW, Mercedes-Benz und Porsche könnte die neue Regelung die US-Produktstrategie verändern. Es besteht die Gefahr einer wachsenden Divergenz zum strengeren EU-Regulierungsrahmen, was die Entwicklung und Produktion von Fahrzeugen für verschiedene Märkte zusätzlich verkomplizieren könnte.
Erwartete Klagen gegen die Regelung
Die NHTSA stützt die Neuregelung auf den Energy Policy and Conservation Act von 1975 und den Energy Independence and Security Act von 2007. Die Behörde argumentiert, die bisherige Regelung habe Elektrofahrzeuge in einer Weise berücksichtigt, die nicht mit dem gesetzlichen Auftrag vereinbar sei.
Umweltverbände und mehrere Bundesstaaten haben jedoch bereits Widerstand angekündigt. Zu den möglichen Klagegründen zählen die rückwirkende Änderung ab Modelljahr 2022, eine fehlerhafte Kosten-Nutzen-Analyse, die unzureichende Berücksichtigung von Gesundheits- und Klimafolgen sowie Verstöße gegen das Verwaltungsverfahrensrecht.
Diese Entscheidung könnte somit nicht nur die Automobilindustrie und Verbraucher in den USA beeinflussen, sondern auch weitreichende globale Auswirkungen auf den Klimaschutz und die Entwicklung umweltfreundlicher Technologien haben.





