München wird zum Testfeld für fahrerlose Mobilität: Der Fahrdienstvermittler Uber und das israelische KI-Unternehmen Autobrains starten ein gemeinsames Robotaxi-Programm in der bayerischen Landeshauptstadt. Ziel ist der Aufbau einer Flotte autonomer Fahrzeuge der Stufe 4, die ohne menschliches Eingreifen im Straßenverkehr agieren können.
Wichtige Punkte
- Uber und Autobrains starten Robotaxi-Test in München.
- Fahrzeuge der Autonomie-Stufe 4 kommen ohne Fahrer aus.
- Die Technologie basiert auf Nvidias Drive-Hyperion-Plattform.
- Ein „OEM-agnostisches“ Modell ermöglicht Integration in Serienfahrzeuge.
- München wurde wegen Infrastruktur und Rechtslage als Teststandort gewählt.
Fahrerlose Taxis auf Münchens Straßen
Die Ankündigung erfolgte auf der Technologiekonferenz GTC in Taipeh. Das Projekt sieht vor, dass in München autonome Fahrzeuge eingesetzt werden, die das Level 4 des autonomen Fahrens erreichen. Dies bedeutet, dass keine menschliche Aufmerksamkeit mehr während der Fahrt erforderlich ist.
Passagiere können die Fahrt nutzen, um zu schlafen, zu arbeiten oder Filme zu sehen, da ein Fahrer im klassischen Sinne überflüssig wird. Solche Fahrzeuge könnten zukünftig sogar ohne herkömmliches Cockpit auskommen, da keine manuelle Steuerung durch einen Menschen mehr nötig ist.
Was ist Level 4 des autonomen Fahrens?
Bei Level 4 (Hochautomatisiertes Fahren) kann das Fahrzeug die gesamte Fahraufgabe unter bestimmten Bedingungen (z.B. in einem festgelegten geografischen Bereich oder bei bestimmten Wetterverhältnissen) selbstständig bewältigen. Ein menschliches Eingreifen ist nicht erforderlich, auch wenn ein Fahrer technisch noch anwesend sein könnte. Das System übernimmt die volle Kontrolle und reagiert auf alle Verkehrssituationen.
Ein wesentlicher Aspekt der Level-4-Autonomie ist, dass die Fahrzeuge nur in einem vorher festgelegten Bereich fahren dürfen. Dies könnte beispielsweise innerhalb des Mittleren Rings in München oder auf speziellen Autobahnabschnitten sein. Die genauen Testgebiete in München stehen noch nicht fest.
Technologische Basis und strategische Partnerschaft
Die technische Grundlage für das Münchner Robotaxi-Projekt bildet die Drive-Hyperion-Plattform des Chipgiganten Nvidia. Diese Plattform ist entscheidend für die Verarbeitung der großen Datenmengen, die autonome Fahrzeuge generieren und verarbeiten müssen.
„Im Zentrum der strategischen Partnerschaft steht ein grundlegender Paradigmenwechsel für die kommerzielle autonome Mobilität: der Verzicht auf maßgeschneiderte Spezialfahrzeuge.“
Dies markiert einen wichtigen Schritt weg von den bisherigen Ansätzen vieler Robotaxi-Dienste. Traditionell setzen Unternehmen wie die Alphabet-Tochter Waymo auf hochgradig individualisierte Fahrzeugflotten, die oft mit komplexen Sensoraufbauten auf dem Dach ausgestattet sind.
OEM-agnostisches Modell
Das neue Programm in München verfolgt stattdessen ein sogenanntes „OEM-agnostisches“ Modell. Das bedeutet, dass sich das System von Uber und Autobrains unkompliziert in bestehende Serienfahrzeuge verschiedenster Automobilhersteller integrieren lässt. Voraussetzung ist, dass diese Fahrzeuge bereits auf Nvidias Hyperion-Plattform basieren.
Dies öffnet der Autobranche neue Möglichkeiten. Hersteller wie Audi, BMW, Mercedes oder Volkswagen könnten ihre eigenen Fahrzeugplattformen ohne immensen zusätzlichen Entwicklungsaufwand in ein autonomes Fahrdienste-Netzwerk einbringen. Das spart Kosten und beschleunigt die Markteinführung.
Hintergrund: Die Rolle von OEMs
OEM steht für „Original Equipment Manufacturer“. Im Automobilsektor sind dies die Fahrzeughersteller selbst. Ein „OEM-agnostisches“ System ist so konzipiert, dass es unabhängig vom spezifischen Hersteller in verschiedene Fahrzeugmodelle integriert werden kann, solange eine gemeinsame technologische Basis (wie Nvidias Hyperion-Plattform) vorhanden ist.
Die „Agentic AI“ von Autobrains
Das technologische Herzstück des Münchner Projekts ist die sogenannte „Agentic AI“ von Autobrains. Diese Künstliche Intelligenz unterscheidet sich von herkömmlichen Ende-zu-Ende-KI-Modellen, die die gesamte Fahraufgabe als ein einziges großes System verarbeiten.
Der Ansatz von Autobrains zerlegt den Fahrvorgang stattdessen in spezialisierte, eigenständige Software-Agenten. Jeder dieser KI-Agenten ist für eine spezifische Aufgabe zuständig:
- Ein Agent bewertet Vorfahrtsregeln.
- Ein anderer achtet auf Fußgänger.
- Wieder andere Agenten sind für Aufgaben wie den Spurwechsel verantwortlich.
Ein übergeordnetes System bewertet diese verschiedenen Dimensionen des Verkehrsgeschehens parallel und trifft in Echtzeit verbindliche Entscheidungen. Dies soll die Sicherheit und Effizienz des autonomen Fahrens verbessern.
München als europäisches Testlabor
Für das Konsortium aus Uber und Autobrains dient München als weltweite Start-City. Die Wahl des Standorts ist kein Zufall. Ausschlaggebend waren mehrere Faktoren:
- Die dichte urbane Infrastruktur Münchens bietet realistische Testbedingungen.
- Die Nähe zu führenden deutschen Automobilkonzernen ist strategisch vorteilhaft.
- Besonders wichtig waren die rechtlichen Rahmenbedingungen in Deutschland.
Das deutsche Gesetz zum autonomen Fahren erlaubt den fahrerlosen Betrieb unter bestimmten Voraussetzungen in festgelegten Geschäftsbereichen. Dies schafft eine solide rechtliche Basis für solche Pilotprojekte.
Der Start des kommerziellen Dienstes hängt jedoch noch von den ausstehenden behördlichen Genehmigungen ab. Es ist ein mehrstufiger Prozess, der sicherstellen soll, dass alle Sicherheitsstandards erfüllt sind.
Ubers Strategie in Deutschland
Für Uber ist das Projekt in München strategisch wichtig. Das Unternehmen testet in der Region bereits autonomes Fahren mit dem chinesischen Technologiepartner Momenta. Das neue Projekt mit Autobrains erweitert Ubers Präsenz auf dem europäischen Markt für fahrerlose Mobilität deutlich.
Offene Fragen zum Projektstart
Bei der Ankündigung in Taipeh blieben einige wichtige Details noch offen. Es ist derzeit unklar:
- Welche Fahrzeugmarke zuerst eingesetzt wird.
- Wer die Flotte der Robotaxis betreiben wird.
- Ob zu Beginn der Tests noch Sicherheitsfahrer in den Fahrzeugen anwesend sein werden.
- In welchem genauen Gebiet und ab wann die Testfahrten absolviert werden.
Diese Informationen werden voraussichtlich in den kommenden Monaten bekannt gegeben, sobald die Genehmigungsprozesse weiter fortgeschritten sind. Die Entwicklung autonomer Mobilität schreitet schnell voran und München spielt dabei eine zentrale Rolle.





