Volkswagen steht vor einer kritischen Hauptversammlung am 18. Juni. Trotz eines massiven Gewinneinbruchs im vergangenen Jahr und laufender Sparmaßnahmen, einschließlich Personalabbau, plant der Konzern eine Milliardenausschüttung an seine Aktionäre. Dies stößt bei Umweltorganisationen und kritischen Aktionärsverbänden auf scharfe Ablehnung.
Wichtige Punkte
- VW plant Dividende von 2,6 Milliarden Euro trotz Gewinneinbruch.
- Kritiker fordern Investitionen in E-Fahrzeuge statt hoher Ausschüttungen.
- Intern bewerten Vorstandsmitglieder die Lage als „existenzgefährdet“.
- Das Konzernergebnis brach um 44 Prozent ein.
Hohe Dividende trotz gesunkenem Gewinn
Europas größter Autohersteller schlägt eine Dividende von 5,20 Euro je Stammaktie und 5,26 Euro je Vorzugsaktie vor. Dies bedeutet zwar eine Reduzierung um jeweils 1,10 Euro im Vergleich zum Vorjahr, doch der Rückgang fällt im Verhältnis zum Gewinneinbruch deutlich geringer aus. Das Konzernergebnis nach Steuern sank 2023 um 44 Prozent – von 12,4 Milliarden Euro auf 6,9 Milliarden Euro. Insgesamt sollen rund 2,6 Milliarden Euro an die Anteilseigner ausgeschüttet werden.
Diese Zahlen rufen Verbände auf den Plan. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) und der Dachverband der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre äußern deutliche Kritik. Sie argumentieren, dass die geplante Ausschüttung angesichts des Personalabbaus und der notwendigen Investitionen in die Zukunft zu hoch sei.
Faktencheck
- Gewinneinbruch: 44% im Vergleich zum Vorjahr.
- Geplante Ausschüttung: Rund 2,6 Milliarden Euro.
- Dividende pro Stammaktie: 5,20 Euro.
- Dividende pro Vorzugsaktie: 5,26 Euro.
Forderungen nach Investitionen in E-Mobilität
Jens Hilgenberg, Leiter Verkehrspolitik beim BUND und Vorstandsmitglied des Dachverbands der Kritischen Aktionärinnen und Aktionäre, betonte die Notwendigkeit, Finanzmittel im Unternehmen zu halten. Er forderte Volkswagen auf, verstärkt in die Produktion kleinerer, sparsamer E-Fahrzeuge „Made in Europe“ zu investieren. Hohe Dividenden würden diesen notwendigen Finanzmitteln entgegenwirken.
Die Verbände sehen in der aktuellen Dividendenpolitik ein falsches Signal. Sie argumentieren, dass in Zeiten des Umbruchs und des Wettbewerbs im Bereich der Elektromobilität jeder Euro in die Zukunftsfähigkeit des Konzerns fließen sollte. Die Hauptversammlung muss über den Vorschlag abstimmen.
„Volkswagen muss verstärkt in die Produktion kleiner, sparsamer E-Fahrzeuge ‚Made in Europe‘ investieren. Dafür müssen Finanzmittel im Unternehmen gehalten werden, statt sie durch vergleichsweise hohe Dividenden abfließen zu lassen.“
Jens Hilgenberg, BUND
Interne Einschätzung: Konzernlage ist „existenzgefährdet“
Die Stimmung innerhalb des Volkswagen-Konzerns scheint angespannt. Eine interne, anonyme Umfrage, über die das manager magazin berichtete, zeigt ein besorgniserregendes Bild. Vorstandsmitglieder und Aufsichtsräte wurden um eine Einschätzung der wirtschaftlichen Lage gebeten.
Keines der neun befragten Vorstandsmitglieder hielt die Situation für unkritisch. Lediglich drei bewerteten die Lage als angespannt. Die Mehrheit der Befragten, nämlich sechs von neun, beurteilte den Stand des Konzerns als „existenzgefährdet“. Diese interne Einschätzung steht im krassen Gegensatz zur geplanten Dividendenpolitik.
Hintergrund: Der Wandel in der Automobilindustrie
Die Automobilbranche befindet sich in einem tiefgreifenden Wandel hin zur Elektromobilität und Digitalisierung. Große Investitionen in Forschung, Entwicklung und Produktionskapazitäten sind notwendig, um im globalen Wettbewerb, insbesondere mit neuen Playern aus Asien und den USA, bestehen zu können. Gleichzeitig stehen etablierte Hersteller unter Druck, ihre CO2-Emissionen zu senken und regulatorische Vorgaben zu erfüllen.
Forderung nach radikalem Strategiewechsel
Alle neun befragten Vorstandsmitglieder sprachen sich in der Umfrage für einen radikalen Strategiewechsel bei Volkswagen aus. Wie dieser genau aussehen soll, blieb zunächst offen. Die Ergebnisse der Umfrage unterstreichen die Dringlichkeit, mit der der Konzern interne Herausforderungen angeht.
Die Kombination aus externer Kritik an der Dividendenpolitik und interner Besorgnis über die finanzielle Stabilität des Unternehmens setzt den Vorstand unter erheblichen Druck. Die bevorstehende Hauptversammlung wird somit zu einem wichtigen Gradmesser für die zukünftige Ausrichtung von Volkswagen.
Herausforderungen im E-Auto-Segment
Volkswagen steht nicht nur vor Herausforderungen bei der Finanzierung, sondern auch im Wettbewerb um Elektro-Kleinwagen. Während die Produktion in Spanien anläuft und als Hoffnungsträger gilt, gibt es auch Frust bei E-Auto-Fahrern, etwa durch Änderungen an Schnittstellen für Drittanbieter. Die strategische Neuausrichtung muss diese Aspekte berücksichtigen, um langfristig erfolgreich zu sein.
Die Entscheidung über die Dividende wird daher mit Spannung erwartet. Sie sendet ein Signal an Mitarbeiter, Investoren und die Öffentlichkeit über die Prioritäten des Volkswagen-Konzerns in einer Zeit großer Transformation.





