Ducati, bekannt für seine Erfolge im Straßenrennsport, betritt nun offiziell den Enduro-Markt mit der Desmo450 EDS. Diese Sportenduro ist die erste des italienischen Herstellers, die eine Straßenzulassung erhält und gleichzeitig die desmodromische Ventilsteuerung in den Offroad-Bereich bringt. Das Modell basiert auf der Motocross-Maschine, die Ducati seit einem Jahr in der Motocross-WM einsetzt.
Wichtige Punkte
- Ducati führt die Desmo450 EDS als erste straßenzugelassene Sportenduro ein.
- Der Einzylindermotor nutzt Ducatis bewährte desmodromische Ventilsteuerung.
- Das Modell basiert auf dem Motocross-Bike Desmo450 MX.
- Die Leistung beträgt 54 PS im Sportmodus, gedrosselt auf 21 PS für die Straße.
- Preis liegt bei 12.490 Euro, Auslieferung ab Juli.
Ducatis Vorstoß in den Geländesport
Ducati hat eine lange Geschichte im Motorsport, die sich jedoch hauptsächlich auf Asphalt abspielte. In den 1960er-Jahren gab es zwar Scrambler-Modelle, aber die letzten 50 Jahre waren von Erfolgen auf der Straße geprägt. Vor zwei Jahren überraschte Ducati die Motorradwelt mit der Ankündigung, ab 2025 an der Motocross-WM teilzunehmen. Unterstützung bei der Entwicklung der 450er-Maschine kam vom neunfachen Weltmeister Antonio Cairoli.
Die erste Saison der Desmo450 MX in der Motocross-WM zeigte vielversprechende Ansätze. Werksfahrer Jeremy Seewer erreichte zwei dritte Plätze und belegte am Ende der Saison den zehnten Rang in der Gesamtwertung. Diese Erfahrungen flossen direkt in die Entwicklung der neuen Enduro ein.
Faktencheck
- Erste Enduro mit Straßenzulassung: Die Desmo450 EDS markiert einen Wendepunkt für Ducati.
- Desmodromische Ventilsteuerung: Einzigartig im Endurosport, bietet hohe Drehzahlfestigkeit.
- Motocross-Basis: Profitiert direkt von Rennentwicklungen.
Technologie: Desmodromik im Gelände
Das Herzstück der Desmo450 EDS ist der Einzylindermotor mit desmodromischer Ventilsteuerung. Diese Technologie ist seit Jahrzehnten ein Markenzeichen von Ducati und kommt nun erstmals in einer straßenzugelassenen Sportenduro zum Einsatz. Die desmodromische Zwangssteuerung verzichtet auf Ventilfedern und öffnet sowie schließt die Ventile über zwei Kipphebel pro Ventil. Dies ermöglicht extrem hohe Drehzahlen und eine präzise Ventilsteuerung.
Im Sporteinsatz leistet die Desmo450 EDS 54 PS. Für die Straßenzulassung wird die Leistung auf 21 PS reduziert. Wer die volle Leistung nutzen möchte, kann ein optionales "Racing-Set" erwerben. Die Leistungsentfaltung des Einzylinders wurde speziell für den Enduro-Einsatz angepasst, um im anspruchsvollen Gelände frühzeitig Drehmoment bereitzustellen und die Spitzenleistung für bessere Kontrollierbarkeit leicht zu kappen.
"Die desmodromische Ventilsteuerung gibt uns einen entscheidenden Vorteil in puncto Drehzahlfestigkeit und Präzision, selbst unter extremen Bedingungen im Endurosport."
Design und Ausstattung für den Enduro-Einsatz
Die Ingenieure haben die Desmo450 EDS umfassend für den Enduro-Einsatz optimiert. Ein größerer Tank mit 8,5 Litern Volumen ermöglicht längere Distanzen, wie sie bei Endurowettbewerben üblich sind. Der Tank besteht aus transparentem Kunststoff, damit der Fahrer den Benzinstand jederzeit überprüfen kann. Die Sitzbank und die Seitenverkleidungen wurden an den neuen Tank angepasst.
Der Aluminiumrahmen ist weitgehend identisch mit dem Motocross-Modell, wurde aber durch gezielte Anpassungen der Motoraufnahmen für die spezifischen Anforderungen des Enduro-Sports überarbeitet. Das Rahmengewicht liegt bei unter neun Kilogramm. Das Fahrwerk besteht aus voll einstellbaren Showa-Komponenten, die weicher abgestimmt sind. Vorne gibt es 310 mm Federweg, hinten 301 mm. Bei der Fahrwerksentwicklung unterstützte der fünffache Enduro-Weltmeister Antoine Méo.
Hintergrundinformationen
Die desmodromische Ventilsteuerung ist seit den 1950er-Jahren ein technisches Merkmal von Ducati. Sie wurde ursprünglich entwickelt, um bei hohen Drehzahlen ein Ventilschweben zu verhindern und so die Leistung zu steigern. Im Endurosport, wo es auf präzise Kontrolle und Robustheit ankommt, könnte diese Technologie neue Maßstäbe setzen.
Räder, Bremsen und Ergonomie
Die Desmo450 EDS rollt auf obligatorischen 21-Zoll-Vorderrädern und 18-Zoll-Hinterrädern mit Excel-Felgen. Werksseitig sind Metzeler "Six Days Extreme"-Reifen aufgezogen. Die straßenzugelassene Variante nutzt Reifen der Dimensionen 90/90-21 vorne und 140/80-18 hinten. Für die Motocross-Version sind es 80/100-21 und 110/90-18.
Gebremst wird mit einer Zweikolben-Brembo-Anlage und einer 260-mm-Galfer-Bremsscheibe vorne, sowie einer Einkolbenbremse mit 240-mm-Scheibe hinten. Die Sitzhöhe beträgt 970 mm, was dem Klassendurchschnitt für Sportenduros entspricht. Das Trockengewicht gibt Ducati mit 110,5 kg an, allerdings in einer Rennkonfiguration mit leichter Akrapovic-Titan-Abgasanlage, die extra kostet.
- Federwege: 310 mm vorne, 301 mm hinten.
- Raddimensionen (Straße): 21 Zoll vorne (90/90-21), 18 Zoll hinten (140/80-18).
- Sitzhöhe: 970 mm.
- Trockengewicht: 110,5 kg (Rennkonfiguration).
Elektronik und Preisgestaltung
Für die Straßenzulassung verfügt die Desmo450 EDS über eine LED-Beleuchtung, inklusive eines V-förmigen Scheinwerfers und Rücklichts. Das Cockpit ist mit einem kleinen LC-Display ausgestattet, ein TFT-Display ist nicht verfügbar. Gegen Aufpreis bietet Ducati vier Fahrmodi, Schlupfregelung, Motorbremskontrolle und eine Launch-Control an, die über Lenkertasten bedient werden können. Ein optionales WLAN-Modul ermöglicht die Verbindung mit einer Smartphone-App.
Der Preis für die Desmo450 EDS liegt bei 12.490 Euro, was im üblichen Rahmen für diese Fahrzeugklasse liegt. Die Auslieferung an ausgewählte Händler soll ab Juli beginnen. Für Enduro-Wettbewerbe oder Training auf abgesperrtem Gelände ist das "Racing-Set Ducati Performance" für 194 Euro erhältlich. Es schaltet die volle Leistung von 54 PS frei und beinhaltet eine geänderte Abgasanlage, Ansaugsystemkomponenten und eine spezielle Motorabstimmung.





