Das Goodwood Festival of Speed hat sich zu einer zentralen Automobilveranstaltung in Großbritannien entwickelt. Auf dem historischen Landgut des Duke of Richmond in West Sussex versammeln sich jährlich rund 200.000 Besucher, um die neuesten Innovationen und klassischen Fahrzeuge zu bestaunen. In diesem Jahr standen vor allem chinesische Hersteller und die Elektromobilität im Fokus, während traditionelle Marken ihre Zukunftsvisionen präsentierten.
Wichtige Erkenntnisse
- Goodwood ist Englands wichtigste Automesse mit 200.000 Besuchern.
- Chinesische Marken wie BYD und MG dominieren mit Elektroauto-Premieren.
- Historische Fahrzeuge und moderne Konzepte teilen sich die Bühne.
- Der berühmte Hillclimb ist eine Showstrecke, keine Rennstrecke für Bestzeiten.
- Das Event bietet ein breites Familienprogramm mit prominenten Gästen.
Chinas Aufstieg auf der britischen Automobilbühne
In Goodwood wird deutlich, wie sich die globale Automobilindustrie verändert. Chinesische Hersteller nehmen eine immer prominentere Rolle ein. Der Konzern BYD, der weltweit größte Elektroautohersteller aus Shenzhen, zeigte sich besonders selbstbewusst. Ihr Pavillon war der größte der Messe und umfasste drei Stockwerke. Acht Fahrzeuge der Marken BYD, Denza und Yangwang wurden vorgestellt.
Im Zentrum stand der elektrische Sportwagen Denza Z, der sowohl als Cabrio als auch als Coupé zu sehen war. Die Premiummarke Denza plant zudem die Einführung des Z9 GT, des Offroaders Bao 5 und des Mini-Vans D9 in Europa. Besonders beeindruckte der Yangwang U9 Xtreme, ein Supersportwagen, der bereits Ende 2025 auf dem Testgelände Papenburg einen Geschwindigkeitsrekord für Serienfahrzeuge mit 496,22 km/h aufgestellt hatte.
Interessanter Fakt
BYD leistete sich in Goodwood nicht nur einen riesigen Messestand, sondern eröffnete auch einen eigenen Fanshop – ein deutliches Zeichen für das gewachsene Selbstvertrauen chinesischer Marken auf dem europäischen Markt.
MG: Zwischen Tradition und neuer Identität
Auch die traditionsreiche britische Marke MG, die seit vielen Jahren in chinesischem Besitz ist, präsentierte ihre Zukunft. Das Londoner Designbüro von MG stellte zwei Elektro-Konzepte vor: den MG Go, einen Hatchback im B-Segment, und den MG Cyber, ein SUV im D-Segment. Beide Modelle sollen im kommenden Jahr in Serie gehen.
„Die Entwürfe ließen sich von alten MG-Modellen leiten“, so die Aussage von MG. Dies zeigt den Versuch, die über 100-jährige Geschichte der Marke mit modernen Elektrofahrzeugen zu verbinden.
Für den Cyber diente der MG EX 181 als Vorlage, ein Rennwagen, mit dem Stirling Moss 1957 einen Geschwindigkeitsrekord von 395 km/h aufstellte. Der Go soll sich am MG B GT orientieren. Kritiker sehen in diesen Analogien eher Marketingstrategien, da die optische Verbindung zu den historischen Vorbildern oft nur schwer erkennbar ist.
Der Hillclimb: Eine Show für das Publikum
Trotz des Namens „Festival of Speed“ geht es in Goodwood nicht um Rundenzeiten oder Höchstgeschwindigkeiten auf einer klassischen Rennstrecke. Der berühmte Hillclimb ist ein 1,86 Kilometer langer, asphaltierter Feldweg, der 93 Höhenmeter bergauf führt. Als Charles Gordon-Lennox, der Duke of Richmond, das Event 1993 als Oldtimer-Treffen ins Leben rief, durfte er den nahegelegenen Rundkurs nicht nutzen. So verlegte er die Fahrten kurzerhand auf sein eigenes Gelände.
Die Strecke ist eng, und Fahrer müssen vorsichtig sein, um nicht in den Strohballen am Fahrbahnrand zu landen. Die Zeiten sind daher eher zweitrangig. Das Publikum feiert am lautesten, wenn die Fahrer direkt vor dem Goodwood House spektakuläre Donuts drehen, bevor sie den Hügel erklimmen. Dies unterstreicht den Eventcharakter der Veranstaltung, bei dem das Erlebnis im Vordergrund steht.
Hintergrundinformation
Goodwood House, ein Anwesen aus dem 17. Jahrhundert, liegt etwa 100 km südlich von London in West Sussex. Es bietet die perfekte Kulisse für eine einzigartige Mischung aus historischem Motorsport und futuristischen Automobilpräsentationen.
Innovationen auf vier Rädern
Viele Hersteller nutzen Goodwood, um ihre neuesten Modelle und Konzepte in Aktion zu zeigen. BMW, ein weiterer wichtiger Aussteller, investiert erheblichen Aufwand für die viertägige Veranstaltung. Angesichts der erwarteten 200.000 Besucher im Jahr 2026 ist dies eine lohnende Investition.
- Renault präsentierte Serienversionen des Twingo E-Tech, des Renault 5 Turbo 3E und des Renault 4 mit Faltdach.
- Alpine gab einen Ausblick auf die elektrische A110 auf der neuen Alpine Performance Plattform. Der Prototyp war auch auf der Rennstrecke zu sehen.
- Die Marke Cupra war erstmals in Goodwood vertreten und zeigte den Formel-E-Rennwagen Cupra Kiro Race sowie den elektrischen Kleinwagen Raval.
- AMG enthüllte mit Formel-1-Fahrer Kimi Antonelli den Mercedes-AMG CLA 45, ein viertüriges Coupé mit drei E-Motoren und 500 kW Leistung, das mit dem Dynamic Plus Paket bis zu 270 km/h erreicht.
Ein Fest für die ganze Familie
Das Goodwood Festival of Speed ist mehr als nur eine Autoshow; es ist ein umfassendes Familienereignis. Prominente Gäste wie die Formel-1-Fahrer Lando Norris und Pierre Gasly sorgten für zusätzliche Anziehungskraft. Das Programm umfasste Live-Musik, Mitfahrgelegenheiten auf einem Offroad-Parcours bei Defender und BYD sowie einen Mercedes Formel-1-Simulator.
Die Organisation des Festivals ist beeindruckend. Trotz der engen Dorfstraßen, die die Anreise erschweren, ist die Veranstaltung reibungslos organisiert. Für diejenigen, die es sich leisten können, steht sogar ein Hubschrauberlandeplatz zur Verfügung. Von sanitären Einrichtungen über Verpflegung bis hin zu kostenlosem Trinkwasser – die Veranstalter legen großen Wert auf das Wohl der Gäste. Besucher sollten jedoch bequemes Schuhwerk tragen, um das weitläufige Gelände optimal erkunden zu können.
Da es in Großbritannien keine vergleichbar große Automesse gibt, hat das Festival of Speed diese Lücke erfolgreich gefüllt. Es bietet eine einzigartige Mischung aus Tradition und Zukunft, Geschwindigkeit und Show, die Automobilenthusiasten und Familien gleichermaßen begeistert.





