Die traditionsreiche britische Motorradmarke Norton meldet sich nach ihrer Insolvenz im Jahr 2020 zurück. Unter indischer Führung und mit einem neuen Werk in Solihull, nahe Birmingham, präsentiert Norton zwei neue Reiseenduro-Modelle: die Atlas und die Atlas GT. Diese Modelle zielen auf das umkämpfte Mittelklasse-Segment und sollen dem Unternehmen zu neuen Erfolgen verhelfen.
Wichtige Punkte
- Norton kehrt unter indischer TVS-Regie zurück.
- Zwei neue Reiseenduro-Modelle: Atlas und Atlas GT.
- Ziel ist das Mittelklasse-Segment mit Preisen ab 9.250 Euro.
- Motor mit 585 cm³, 70 PS Leistung und 57 Nm Drehmoment.
- Umfassende Elektronik und 8-Zoll-TFT-Touchscreen.
Neustart unter indischer Führung
Nach turbulenten Jahren hat der indische Motorradhersteller TVS die Namensrechte von Norton erworben. Dies markiert einen entscheidenden Neuanfang für die einst glorreiche britische Marke. Ein modernes Werk wurde in Solihull errichtet, wo die neuen Modelle entwickelt und produziert werden.
Norton setzt nicht nur auf High-End-Modelle wie das Superbike Manx R, sondern auch auf volumenstärkere Motorräder. Die Atlas-Modelle sollen in der Mittelklasse punkten und somit breitere Käuferschichten ansprechen. Der Name „Atlas“ ist historisch, bezieht sich aber nicht direkt auf das frühere Segment des 750er-Zweizylinders.
Hintergrund: Nortons Weg
Norton Motorcycles wurde 1898 gegründet und hat eine lange, wechselvolle Geschichte. Nach mehreren Eigentümerwechseln und finanziellen Schwierigkeiten führte die Übernahme durch TVS im Jahr 2020 zu einer Stabilisierung und der Möglichkeit eines echten Neuanfangs. TVS ist Indiens drittgrößter Motorradhersteller und bringt die nötige finanzielle Stärke und Produktionskompetenz mit.
Design und Ausstattung: Glatte Linien und moderne Technik
Design-Chef Simon Skinner hat bei der Atlas auf klare, glatte Flächen gesetzt. Das Motorrad wirkt harmonisch, ohne überflüssige Kanten oder Ecken. Die Front ist reiseenduro-typisch hochgezogen und verfügt über ein fast senkrechtes Windschild. Zwei LED-Projektionsscheinwerfer, untermalt von einem lächelnden LED-Tagfahrlicht, prägen das Gesicht der Atlas.
Optional können zwei zusätzliche Scheinwerfer in dreieckiger Form integriert werden. Der Tank geht fließend in das Heck über, das zum Soziusplatz hin steil ansteigt. Ein breiter Lenker soll für gute Kontrolle sorgen. Serienmäßige Handprotektoren integrieren die vorderen LED-Blinker. Ein Motorschutz und eine Gepäckbrücke sind als Zubehör erhältlich.
Design-Details
- Glatte Flächen, keine wilden Kanten
- Hohe Front mit fast senkrechtem Windschild
- LED-Projektionsscheinwerfer und lächelndes LED-Tagfahrlicht
- Breiter Lenker mit integrierten Handprotektoren
Motor und Fahrwerk: Bewährte Komponenten
Die Basis der Atlas bildet ein Gitterrohrrahmen aus Stahl, der geschickt von flächigen Verkleidungen verdeckt wird, um den Eindruck eines Aluminiumrahmens zu erwecken. Angetrieben wird die Reiseenduro von einem 585 cm³ großen Reihenzweizylinder mit Flüssigkeitskühlung und Vierventiltechnik. Dieser Motor leistet 70 PS bei 9300 U/min und erreicht ein Drehmoment von 57 Nm bei 7500 U/min.
Norton gibt ein Trockengewicht von 188 kg an. Mit allen Flüssigkeiten dürfte das Gewicht jedoch über 200 kg liegen. Das Sechsganggetriebe kann optional mit einem Quickshifter ausgestattet werden. Für das Fahrwerk setzt Norton auf bewährte Komponenten des Zulieferers KYB. Die Upside-down-Gabel mit 43 mm Durchmesser ist ebenso voll einstellbar wie das hintere Federbein, dessen Vorspannung hydraulisch fernverstellt werden kann.
„Bei einer Reiseenduro sollte der Komfort im Vordergrund stehen, und so greift Norton beim Fahrwerk zu bewährten Bauteilen des Zulieferers KYB.“
Die Bremsanlage stammt von Bybre, einer Marke von Brembo. Am Vorderrad sorgen zwei radial montierte Vierkolbenbremssättel mit 310 mm großen Bremsscheiben für Verzögerung. Hinten kommt eine Einkolbenbremse mit einer 270-mm-Bremsscheibe zum Einsatz.
Moderne Elektronik und Konnektivität
Die Norton Atlas bietet eine umfassende Ausstattung an moderner Technik. Ein Keyless-Entry-System und ein Startknopf vor dem Lenkkopf gehören zur Serienausstattung. Im Cockpit sticht ein außergewöhnlich großer 8-Zoll-TFT-Touchscreen hervor. Dieser ist Bluetooth-kompatibel und ermöglicht die Anzeige von Smartphone-Apps.
Eine Sechs-Achsen-IMU von Bosch bildet die Grundlage für zahlreiche elektronische Assistenzsysteme. Dazu gehören ein Kurven-ABS, eine schräglagensensible Schlupfregelung, Slide- und Launch-Control, eine Berganfahrhilfe sowie ein Tempomat. Fünf verschiedene Fahrmodi stehen zur Auswahl, um das Fahrerlebnis an unterschiedliche Bedingungen anzupassen.
Technik-Highlights
- Keyless-Entry-System
- 8-Zoll-TFT-Touchscreen
- Bluetooth-Konnektivität
- Bosch Sechs-Achsen-IMU
- Kurven-ABS, Traktionskontrolle, Fahrmodi
Zwei Modellvarianten: Atlas und Atlas GT
Norton bietet die Reiseenduro in zwei Varianten an: die Atlas und die Atlas GT. Der Hauptunterschied liegt im Vorderrad. Die Norton Atlas ist als klassische Reiseenduro konzipiert und kommt mit einer 19 Zoll großen Gussfelge vorn und einem leichten Geländeprofil. Drahtspeichenräder sollen zukünftig optional erhältlich sein, um die Geländetauglichkeit weiter zu erhöhen. Bei der Atlas beträgt der Federweg vorn 180 mm.
Die Atlas GT hingegen ist mit einem 17-Zoll-Vorderrad und Straßenbereifung ausgestattet. Sie positioniert sich damit im wachsenden Segment der Crossover-Bikes. Ihr Federweg vorn ist mit 140 mm geringer. Beide Versionen rollen hinten auf einem 17-Zoll-Rad und bieten einen Federweg von 180 mm.
Preise und Marktpositionierung
Die Norton Atlas startet preislich bei 9.250 Euro. Eine besser ausgestattete Variante, die Atlas Apex, ist ab 10.525 Euro erhältlich. Sie beinhaltet unter anderem einen größeren Motorschutz, Kurvenlicht, einen verstellbaren Windschild und die Gepäckbrücke. Norton gewährt eine dreijährige Garantie auf die Modelle.
Der Preis für die Atlas GT wurde noch nicht bekannt gegeben, wird sich aber voraussichtlich auf einem ähnlichen Niveau bewegen. Im Vergleich zu vielen neuen Mittelklasse-Reiseenduros aus China, die oft deutlich günstiger sind, positioniert sich die Atlas im oberen Preissegment der Mittelklasse. Obwohl die Atlas bereits in Solihull produziert und bestellbar ist, hat Norton noch keinen konkreten Verkaufstermin für Deutschland genannt.
Die Atlas tritt in einem stark umkämpften Markt an, in dem etablierte Marken wie BMW, KTM und Yamaha sowie neue Anbieter aus Asien präsent sind. Nortons Strategie, auf moderne Technik, bewährte Komponenten und ein klares Design zu setzen, soll die Marke in diesem Segment etablieren.





