E.ON und die Tank & Rast Gruppe haben den Zuschlag für den Aufbau eines Hochleistungs-Ladenetzes für schwere elektrische Nutzfahrzeuge entlang deutscher Bundesautobahnen erhalten. Dieses wegweisende Projekt umfasst insgesamt 195 Ladepunkte an 24 Standorten, darunter 101 Megawatt-Ladepunkte, die das Laden von E-Lkw während kurzer Pausen ermöglichen sollen.
Die Initiative ist Teil des Deutschlandnetzes und wird maßgeblich dazu beitragen, die Elektrifizierung des Güterverkehrs voranzutreiben. Das Megawatt Charging System (MCS) spielt hierbei eine zentrale Rolle, da es Ladeleistungen von bis zu 1000 Kilowatt bietet.
Wichtige Punkte
- 195 Ladepunkte an 24 Autobahnstandorten geplant.
- 101 Megawatt-Ladepunkte (MCS) für schwere E-Lkw.
- Laden von E-Lkw-Batterien in 45 Minuten möglich.
- Projekt ist Teil des Deutschlandnetzes.
- EU-Förderung von bis zu 1,6 Milliarden Euro genehmigt.
Ein Meilenstein für den Schwerlastverkehr
Die Entscheidung, E.ON und Tank & Rast mit dem Bau des Megawatt-Ladenetzes zu beauftragen, markiert einen entscheidenden Schritt für die Elektromobilität im Schwerlastverkehr. Die beiden Unternehmen werden jeweils die Hälfte der Standorte verantworten und eine flächendeckende Infrastruktur schaffen.
Das Herzstück dieser Infrastruktur bilden die 101 Megawatt-Ladepunkte. Diese nutzen das innovative Megawatt Charging System (MCS), einen neuen Hochleistungsstandard. Es ermöglicht Ladeleistungen von bis zu 1000 Kilowatt und Ströme bis zu 1500 Ampere. Dadurch können die Batterien großer Elektro-Lkw innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen 45-minütigen Fahrerpause weitgehend aufgeladen werden.
Faktencheck
- MCS-Standard: Bis zu 1000 kW Ladeleistung.
- Ladezeit: Volle Ladung innerhalb der 45-Minuten-Pause.
- CCS-Ergänzung: 32 CCS-Ladepunkte mit 400 kW und 62 CCS-Ladepunkte mit 150 kW geplant.
Neben den MCS-Ladepunkten sind weitere Lademöglichkeiten vorgesehen. Dazu gehören 32 CCS-Ladepunkte mit 400 Kilowatt für kürzere Zwischenladungen. Zusätzlich entstehen 62 CCS-Ladepunkte mit 150 Kilowatt. Diese sind für längere Standzeiten und Übernachtladungen gedacht. Das Combined Charging System (CCS) ist ein etablierter Schnellladestandard, der bereits von vielen E-Lkw genutzt wird.
Das Deutschlandnetz und die EU-Förderung
Das Projekt ist ein zentraler Bestandteil des vom Bundesverkehrsministerium initiierten Deutschlandnetzes. Dieses Netzwerk sieht ein flächendeckendes Schnellladenetz mit rund 1000 Standorten und fast 9000 Ladepunkten vor. Für das Lkw-Schnellladenetz hat die EU-Kommission Fördermittel von bis zu 1,6 Milliarden Euro genehmigt. Diese massive finanzielle Unterstützung unterstreicht die Bedeutung des Vorhabens für die europäische Klimapolitik.
„Die Elektrifizierung des Pkw hat gezeigt: Ist die Infrastruktur da, folgt der Markt. Beim E-Lkw bauen wir genau diese Grundlage“, sagt Timo Sillober, bei E.ON-Drive verantwortlich für den Bereich Infrastruktur.
Insgesamt sollen an 124 unbewirtschafteten Rastanlagen bis zu 725 CCS- und bis zu 685 MCS-Ladepunkte entstehen. Die Autobahn GmbH des Bundes koordiniert den Ausbau in Zusammenarbeit mit über 90 Verteilnetzbetreibern. Ab 2027 soll das Lkw-Ladenetzwerk um zentrale Autobahnachsen in Deutschland erweitert werden.
Hintergrund: Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur
Die Nationale Leitstelle Ladeinfrastruktur (NOW) ist eine bundeseigene Organisation. Sie fördert Projekte im Bereich klimafreundlicher Mobilität und nachhaltiger Energieversorgung. Die NOW kalkuliert langfristig mit einem Bedarf von 354 Standorten auf Rastanlagen und rund 4200 Lkw-Ladepunkten. Dies zeigt den enormen Umfang der notwendigen Infrastruktur.
Herausforderungen und Wettbewerb
Der Aufbau einer solchen Ladeinfrastruktur stellt große Herausforderungen dar. Größere Ladezentren, sogenannte „Hubs“, benötigen Netzanschlussleistungen von etwa 25 Megawatt. Dies erfordert erhebliche Anpassungen der Strominfrastruktur, einschließlich zusätzlicher Mittelspannungsanschlüsse, Trafostationen und möglicherweise Pufferspeicher.
Der Wettbewerb im Bereich des Megawatt-Ladens nimmt bereits Fahrt auf. Auch andere Unternehmen wie Aral pulse bauen Megawatt-Ladeparks an Autobahnen. Sie kombinieren dabei MCS- und CCS-Ladebuchten. Die erste öffentliche MCS-Ladestation für E-Lkw in Deutschland ging bereits 2025 an der Raststätte Lipperland Süd an der A2 in Betrieb. Dies zeigt, dass die Technologie bereits im Einsatz ist.
Für Speditionen und Flottenbetreiber ist eine zuverlässige Ladeinfrastruktur entscheidend. Das Megawattladen soll Ladeprozesse in bestehende Fahr- und Pausenzeiten integrieren. Dadurch wird die elektrische Langstreckenlogistik erstmals praxistauglich. Das Schnellladegesetz bildet die Rechtsgrundlage für das Deutschlandnetz. Es soll eine flächendeckende Grundversorgung mit Schnellladeinfrastruktur sicherstellen.
Die Bedeutung für die Logistik
- Effizienz: Schnelles Laden während der gesetzlichen Pausen.
- Reichweite: Ermöglicht längere Strecken für E-Lkw.
- Planbarkeit: Integration in bestehende Fahrpläne der Speditionen.
- Umweltschutz: Reduzierung von CO2-Emissionen im Güterverkehr.
Die Zusammenarbeit von E.ON und Tank & Rast nutzt die jeweiligen Stärken der Partner. E.ON bringt seine Erfahrung bei Planung, Aufbau und Betrieb von Schnellladeinfrastruktur ein. Tank & Rast integriert die Ladepunkte in die bestehende Verkehrs- und Rastinfrastruktur. Peter Markus Löw, Chef von Tank & Rast, betonte die Wichtigkeit der bestehenden Autohöfe: „Mit E.ON ergänzen wir diese Infrastruktur nun um Ladepunkte an weiteren geeigneten Park- und Pausenstandorten im Autobahnnetz.“
Derzeit gibt es laut NOW erst 64 öffentlich zugängliche Lkw-Ladestandorte in Deutschland. Von einer Flächendeckung ist man noch weit entfernt. Dieses neue Projekt ist ein wichtiger Schritt, um diese Lücke zu schließen und den Übergang zu einer emissionsfreien Logistik zu beschleunigen.





