Der private Markt für Elektroautos in Deutschland verzeichnet ein Rekordwachstum. Im zweiten Quartal 2026 wechselten zwölf Prozent der HUK-Privatkunden von einem Verbrenner zu einem Elektrofahrzeug. Dieser Wert hat sich im Vergleich zum Jahresbeginn fast verdoppelt und zeigt einen klaren Trend hin zur Elektromobilität, maßgeblich beeinflusst durch gestiegene Kraftstoffpreise.
Wichtige Erkenntnisse
- 12 Prozent der HUK-Kunden wechselten im Q2 2026 zu einem Elektroauto, eine Verdopplung gegenüber Q1.
- Gebrauchte Elektroautos sind ein wichtiger Treiber des Wachstums.
- Ausländische Marken wie Tesla, BYD und Leapmotor gewinnen Marktanteile.
- Die staatliche Förderung und gestiegene Spritpreise beschleunigen den Umstieg.
- Die gesellschaftliche Akzeptanz von Elektroautos erreicht einen neuen Höchststand von 52 Prozent.
Spritpreise als Haupttreiber des Umstiegs
Die gestiegenen Kraftstoffpreise, insbesondere seit Beginn des Iran-Kriegs Anfang 2026, haben den Umstieg auf Elektroautos stark beschleunigt. Laut einer Umfrage gaben 24 Prozent der Führerscheinbesitzer an, erst durch diese Preisentwicklung über den Kauf eines Elektroautos nachgedacht oder eine geplante Anschaffung vorgezogen zu haben. Dieser Effekt zeigt sich besonders bei Vielfahrern.
Interessanter Fakt
Fahrer mit mehr als 12.000 Kilometern pro Jahr wechseln mit 14,7 Prozent fast doppelt so häufig zu Elektroautos wie Wenigfahrer (8 Prozent).
Die HUK Coburg, mit einem Marktanteil von rund einem Viertel bei privat zugelassenen Pkw in Deutschland, liefert mit ihrem E-Barometer wichtige Einblicke in den privaten Markt. Die Daten basieren auf tatsächlichen Fahrzeugwechseln im Kundenbestand und einer repräsentativen Online-Umfrage mit etwa 4100 Teilnehmern.
Gebrauchte Elektroautos als Game-Changer
Ein bemerkenswerter Trend ist der überproportionale Anstieg bei gebrauchten Elektroautos. Die Versicherungsdaten zeigen, dass der Wechsel zu gebrauchten Batterieelektrischen Fahrzeugen stärker zugenommen hat als der zu Neuwagen. Dies deutet darauf hin, dass viele Verbraucher schnelle Lösungen suchen, um den hohen Kraftstoffkosten zu entkommen und lange Lieferzeiten für Neuwagen zu umgehen.
Jörg Rheinländer, HUK-Vorstand, bezeichnete elektrische Gebrauchtwagen als potenziellen „Gamechanger“ und sprach sich für eine Ausweitung der staatlichen E-Auto-Prämie auf diese Fahrzeuge aus.
Besonders bei gebrauchten E-Autos dominieren Fahrzeuge des Volkswagen-Konzerns, einschließlich Audi, Skoda und Cupra, mit einem deutlichen Anstieg im ersten Halbjahr 2026.
Staatliche Förderung verstärkt den Trend
Hintergrund: Die neue E-Auto-Prämie
Seit Januar 2026 gilt eine sozial gestaffelte Kaufprämie des Bundes von bis zu 6000 Euro für batterieelektrische Autos. Diese Förderung richtet sich verstärkt an Haushalte mit niedrigerem Einkommen.
Die staatliche Kaufprämie von bis zu 6000 Euro befeuert den Trend zusätzlich. Eine HUK-Umfrage zeigte, dass 18 Prozent der Führerscheinbesitzer angeben, die Förderung habe ihre Kaufplanung direkt beeinflusst. Bei jüngeren Fahrern unter 40 Jahren lag dieser Wert sogar bei 31 Prozent, bei Eltern minderjähriger Kinder bei 32 Prozent.
Seit Mitte Mai wurden bereits knapp 104.000 Förderanträge beim BAFA eingereicht. Rund drei Viertel dieser Anträge stammen von Haushalten mit einem Jahreseinkommen von maximal 60.000 Euro, was die soziale Staffelung der Prämie widerspiegelt.
Ausländische Marken gewinnen an Boden
Das E-Barometer der HUK zeichnet ein klares Bild in Bezug auf die Markenverteilung: Bei Umstiegen auf neue Elektroautos haben alle deutschen Marken außer Opel Marktanteile verloren. Dies ist ein ernüchterndes Ergebnis für die heimische Automobilindustrie.
- Tesla verdoppelte seinen Anteil bei den Umsteigern von 5,6 auf 12,2 Prozent.
- BYD wuchs von 0,8 auf 3,3 Prozent.
- Leapmotor steigerte sich von 1,8 auf 3,4 Prozent.
Die HUK hebt hervor, dass vor allem preisgünstigere ausländische Hersteller von der Kaufzurückhaltung preissensibler Kunden profitieren. Diese Beobachtung deckt sich mit Auswertungen des BAFA, bei denen Tesla unter den geförderten Marken an der Spitze liegt.
Steigende Akzeptanz und regionale Unterschiede
Die gesellschaftliche Akzeptanz von Elektroautos hat einen neuen Höhepunkt erreicht. Erstmals seit Beginn der quartalsweisen Messung im Jahr 2024 bewerten laut Umfrage 52 Prozent der Deutschen Elektroautos als „gut“ oder „sehr gut“. Die Zustimmung bei Frauen stieg von 37 auf 45 Prozent, bei Männern von 54 auf 59 Prozent.
Regional zeigen sich deutliche Unterschiede in der Dynamik des privaten E-Auto-Bestands:
- Größte Wachstumsdynamik: Schleswig-Holstein und Niedersachsen
- Schlusslichter: Sachsen und Berlin
In den Großstädten liegt Stuttgart vorn, während der Landkreis Starnberg das bundesweite Ranking mit einem privaten E-Auto-Bestand von 7,4 Prozent anführt. Auch Plug-in-Hybride gewinnen an Bedeutung: Im zweiten Quartal wechselten 39,4 Prozent der bisherigen Plug-in-Fahrer bei einer Neuwagenanschaffung zu einem reinen Stromer, während 38,1 Prozent beim Plug-in-Hybrid blieben.





