BMW hat elf Monate lang humanoide Roboter vom Typ Figure 02 im Werk Spartanburg, South Carolina, getestet. Diese Roboter luden über 90.000 Teile und trugen zur Produktion von mehr als 30.000 BMW X3 Fahrzeugen bei. Der Testlauf zeigte, dass die Integration der Roboter in den Arbeitsalltag überraschend reibungslos verlief.
Wichtige Erkenntnisse
- Figure 02 Roboter unterstützten die Produktion von über 30.000 BMW X3.
- Menschliche Mitarbeiter akzeptierten die Roboter schnell als Teil des Teams.
- Die Hardware-Architektur des Figure 02 war für eine Massenproduktion nicht geeignet.
- BMW plant den Einsatz neuer Robotergenerationen und baut ein Kompetenzzentrum für Physische KI auf.
Erfolgreiche Integration im Werk Spartanburg
Die Roboter vom Typ Figure 02 waren elf Monate lang im Karosseriebau des BMW-Werks in Spartanburg im Einsatz. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, Blechkomponenten mit einer Genauigkeit von fünf Millimetern aus Behältern zu entnehmen und auf Schweißvorrichtungen zu platzieren. Diese präzisen Bewegungen waren entscheidend für den Produktionsprozess.
Ein bemerkenswerter Aspekt des Pilotprojekts war die schnelle Akzeptanz der Roboter durch die menschlichen Mitarbeiter. BMW berichtete, dass die Maschinen „schnell zu einem natürlichen Teil des Arbeitsalltags“ wurden. Dies stand im Gegensatz zu anfänglicher öffentlicher Skepsis gegenüber der Machbarkeit solcher Studien.
Faktencheck
- 90.000 Teile: So viele Komponenten luden die Figure 02 Roboter während des Pilotprojekts.
- 30.000 Fahrzeuge: Die Roboter trugen zur Produktion dieser Anzahl von BMW X3 bei.
- 11 Monate: Dauer des Einsatzes der Figure 02 Roboter im BMW-Werk Spartanburg.
- 5 Millimeter: Die Präzision, mit der die Roboter Teile platzierten.
Transparenz und strategische Platzierung
BMW führte den Erfolg der Integration auf zwei Hauptfaktoren zurück. Erstens legte das Projektteam großen Wert auf eine frühzeitige und transparente Kommunikation mit den Mitarbeitern. So wurde sichergestellt, dass die „Physische KI“ als Werkzeug und nicht als Ersatz für menschliche Arbeitskräfte wahrgenommen wurde.
Zweitens wurde der Karosseriebau bewusst als Einsatzort gewählt. Dieser Bereich war bereits hochautomatisiert, und die Mitarbeiter waren es gewohnt, mit intelligenten Transportrobotern (STR) und anderen fortschrittlichen Systemen zusammenzuarbeiten. Dies erleichterte die Eingewöhnung an die neuen humanoiden Kollegen.
„Die Roboter wurden schnell zu einem natürlichen Teil des Arbeitsalltags für die menschlichen Mitarbeiter in Spartanburg.“
– BMW Bericht
Herausforderungen der Figure 02 Architektur
Obwohl BMW mit dem Pilotprojekt zufrieden war, äußerte sich Brett Adcock, CEO von Figure, kritisch zur Hardware des Figure 02. Er erklärte, dass die interne Architektur des Roboters eine Sackgasse darstellte. „Ich möchte in diesem Architektur-Stack nicht 100.000 Roboter ausliefern“, sagte Adcock und bezeichnete den Ansatz als „zu brutal.“
Das Problem lag in einem hybriden Softwaresystem. Während der Oberkörper des Figure 02 auf neuronalen Netzen basierte, wurde die Steuerung des Unterkörpers noch mit starrem C++-Code geschrieben. Dies schränkte die Fähigkeit des Roboters ein, Aufgaben zu verallgemeinern oder aus großen Datensätzen zu lernen, was für einen Massenmarkt unerlässlich ist.
Hintergrund: Die „Uncanny Valley“-Theorie
Das „Uncanny Valley“ beschreibt das Phänomen, dass menschenähnliche Roboter oder Animationen bei Betrachtern Unbehagen oder Ablehnung hervorrufen können, wenn sie einem Menschen zu ähnlich, aber nicht perfekt gleichen. Im Falle des BMW-Pilotprojekts verschwand dieses Gefühl der Unbehaglichkeit jedoch schnell.
Konsequenzen für die Entwicklung: Helix 2.0
Die Erkenntnisse aus dem Spartanburg-Pilotprojekt beeinflussten maßgeblich das Design des Nachfolgemodells Figure 03 und seines neuen Betriebssystems Helix 2.0. Wesentliche technische Änderungen umfassen:
- End-to-End-Neuronale Netze: Der neue Stack verwendet vollständig neuronale Netze für den gesamten Körper, nicht nur für den Oberkörper. Dies ermöglicht es dem Roboter, gleichzeitig Fortbewegung und Manipulation zu lernen.
- Taktiles Feedback: Jede Fingerspitze der neuen siebten Generation der Roboterhand verfügt über taktile Sensoren. Zusätzlich wurden Handflächenkameras integriert, die helfen, wenn die „Kopfkameras“ des Roboters durch dessen eigene Hände verdeckt sind.
- Hardware-Vereinfachung: Die Ingenieure identifizierten den Unterarm als häufigste Fehlerquelle bei BMW. Daher wurden dort die Verteilungsplatinen und dynamischen Kabel eliminiert, die unter der Belastung von zehnstündigen Schichten anfällig für Brüche waren.
Nächste Schritte und Zukunftsperspektiven
BMW setzt seine Bemühungen im Bereich der physischen KI fort. Das Unternehmen hat in München ein neues Kompetenzzentrum (CoC) für Physische KI in der Produktion eingerichtet. Ziel ist es, die Interaktion dieser Maschinen mit dem „BMW Smart Robotics“-Ökosystem zu standardisieren.
Während der AEON-Roboter von Hexagon seine Arbeit im Leipziger Werk aufnimmt, prüfen BMW und Figure bereits Einsatzmöglichkeiten für den Figure 03. Das übergeordnete Ziel bleibt, von Prototypen zu einer zuverlässigen und skalierbaren Roboterbelegschaft überzugehen, die mehr als nur wenige Monate im Einsatz bleiben kann.
Die Zusammenarbeit zwischen BMW und Figure zeigt, wie wichtig es ist, sowohl die technologische Entwicklung als auch die menschliche Integration bei der Einführung von Humanoiden in der Industrie zu berücksichtigen. Der Weg führt von „kampferprobten“ Prototypen zu einer stabilen, massentauglichen Robotergeneration.





