Die BMW R 100 RS, ein Meilenstein in der Geschichte des Motorradbaus, feiert im Jahr 2026 ihr 50-jähriges Jubiläum. Dieses Modell revolutionierte 1976 den Markt als erstes Serienmotorrad mit einer rahmenfesten Vollverkleidung. Diese Innovation legte den Grundstein für die heute etablierte Klasse der Sporttourer und setzte neue Maßstäbe in Sachen Fahrkomfort und Aerodynamik.
Wichtige Erkenntnisse
- Die BMW R 100 RS war 1976 das erste Serienmotorrad mit rahmenfester Vollverkleidung.
- Sie definierte die Klasse der Sporttourer und beeinflusste andere Hersteller.
- Angetrieben wurde sie von einem luftgekühlten 980-cm³-Boxermotor mit 70 PS.
- Designer Hans A. Muth entwickelte die Verkleidung für besseren Windschutz und Aerodynamik.
- Trotz anfänglicher Einstellung wurde die R 100 RS wegen hoher Nachfrage wieder aufgelegt.
Ein Design, das Geschichte schrieb
Die Entwicklung der R 100 RS war eine direkte Antwort auf die wachsende Konkurrenz aus Japan. BMW suchte nach Wegen, sich mit Innovation und einem frischen Designansatz zu positionieren. Hans A. Muth, damals Chefdesigner für Fahrzeuginterieur in der Automobilabteilung und gleichzeitig für BMW Motorrad verantwortlich, spielte eine entscheidende Rolle. Er kam ursprünglich vom Autodesign und hatte bereits an Modellen wie dem Ford Capri und Escort mitgewirkt.
Muths Vision für die R 100 RS unterschied sich grundlegend von früheren Ansätzen. Er hatte zuvor die lenkerfeste Halbschale der R 90 S entworfen. Diese Konstruktion neigte bei hohen Geschwindigkeiten zum Pendeln, da der Winddruck direkt auf den Lenker wirkte. Für die R 100 RS wählte er einen radikalen Schritt: eine vollständige Verkleidung, die fest am Rahmen montiert war. Dies war zuvor hauptsächlich Rennmotorrädern vorbehalten.
Wissenswertes zur Entwicklung
Die endgültige Form der Vollverkleidung entstand nach vielen Stunden im Windkanal von Pininfarina in Italien. Die aerodynamische Optimierung führte zu 17,4 Prozent mehr Abtrieb an der Front, was dem Motorrad einen stabilen Geradeauslauf verlieh.
Motorisierung und technische Details
Unter der Verkleidung arbeitete ein luftgekühlter 980-cm³-Boxermotor. Dieser Motor leistete 70 PS und war zum Zeitpunkt der Einführung der stärkste im BMW-Programm. Die R 100 RS war damit nicht nur optisch, sondern auch leistungstechnisch an der Spitze.
BMW bewarb die R 100 RS mit einer Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h. Tatsächlich erreichte sie in Tests etwa 190 km/h. Dies lag an einer kürzeren Hinterachsübersetzung, die zwar bessere Beschleunigungswerte ermöglichte, aber die Endgeschwindigkeit reduzierte. Die unverkleidete BMW R 100/7 war in dieser Hinsicht sogar schneller.
„Die R 100 RS stand für Innovation und einen neuen Designansatz. BMW wollte sich gegen die immer stärker werdenden japanischen Marken positionieren.“
Weitere Merkmale waren ein flacher Lenker mit kurzen Lenkerstummeln, die präzise hinter die Verkleidung passten. Der 24-Liter-Tank ermöglichte eine große Reichweite, erhöhte aber auch das Gesamtgewicht auf 233 kg. Der Tank verfügte über einen flach eingelassenen, aufklappbaren Deckel mit Scharnier.
Neuerungen bei Ausstattung und Sicherheit
- Die R 100 RS war die erste BMW, die optional mit Aluminiumgussfelgen erhältlich war. Anfangs bevorzugten jedoch viele Kunden noch die traditionellen Drahtspeichenfelgen.
- Ab 1978 erhielt die R 100 RS als erste BMW eine Scheibenbremse am Hinterrad, was die Bremsleistung deutlich verbesserte.
- Optional gab es einen Solo-Sportsitz, der den sportlichen Anspruch unterstrich.
Preis und Markterfolg
Mit einem Preis von rund 13.000 D-Mark war die R 100 RS deutlich teurer als ihre japanischen Konkurrenten. Dennoch sorgte die Vollverkleidung nicht nur für Aufsehen, sondern auch für gute Verkaufszahlen. Der Erfolg der R 90 S bei der Isle of Man TT im Jahr 1976, bei der Helmut Dähne und Hans Otto Butenuth in der Production Class siegten, stärkte das Image der luftgekühlten Boxer-Motoren zusätzlich. Dies war entscheidend in einer Zeit, in der japanische Hersteller mit potenten Reihenvierzylindern wie der Honda CB750 Four oder der Kawasaki 900 Z1 den Markt dominierten.
Hintergrund: Die Konkurrenz
In den frühen 1970er Jahren eroberten japanische Motorräder den Weltmarkt. Modelle wie die Honda CB750 Four (erschienen 1969) und die Kawasaki 900 Z1 (1972) setzten neue Standards in Leistung und Design. Die BMW R 100 RS war ein wichtiger Schritt, um in diesem Wettbewerb bestehen zu können.
Rekorde und Wiedergeburt
Im Oktober 1977 stellte BMW mit einer modifizierten R 100 RS auf einer kreisförmigen Rennstrecke in Nardo mehrere Geschwindigkeitsrekorde auf. Darunter waren Rekorde über 10, 100 und 1000 km sowie über 1, 6, 12 und 24 Stunden. Mit einem Motor, der von Helmut Dähne und Tuner Helmut Bucher auf 84 PS gebracht wurde, erreichte die R 100 RS beeindruckende 220 km/h.
Nach 34.148 gebauten Exemplaren wurde die Produktion der R 100 RS 1984 zunächst eingestellt. Die neu entwickelte K 100 RS mit einem Reihenvierzylinder sollte die Rolle des sportlichen Flaggschiffs übernehmen. Doch der Protest der zahlreichen Fans des luftgekühlten Boxermotors war so groß, dass BMW 1986 eine Wiederauflage beschloss.
Die neu aufgelegte R 100 RS verfügte über den neuen Monolever am Hinterrad, leistete jedoch nur noch 60 PS. Ursprünglich waren nur 1000 Exemplare geplant, doch aufgrund der hohen Nachfrage blieb sie bis 1992 im Programm. Heute gilt die R 100 RS als Stilikone und Begründerin der Sporttourer-Klasse. BMW führt diese Tradition bis heute fort, und Modelle wie die aktuelle R 1300 RS tragen das Erbe der legendären R 100 RS weiter.





