Das geplante Großwerk für Traktionsbatterien der Automotive Cells Company (ACC) in Kaiserslautern wird nicht gebaut. Nach Angaben des Gemeinschaftsunternehmens von Stellantis, Mercedes-Benz und Total Energies rechnen sich die Planungen für die Standorte in Deutschland und Italien nicht mehr. Dies ist eine deutliche Kehrtwende, die bereits zugesagte Subventionen und die Schaffung von rund 2000 Arbeitsplätzen betrifft.
Wichtige Punkte
- ACC stoppt Bau von Batteriefabriken in Kaiserslautern und Termoli.
- Grund ist die schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa und wirtschaftliche Schwierigkeiten bei Stellantis.
- Rund 2000 Arbeitsplätze in Kaiserslautern entfallen.
- Deutschland hatte 437 Millionen Euro Subventionen zugesagt.
- Gewerkschaften kritisieren die Entscheidung als „irrational und verantwortungslos“.
Geplatzte Pläne für Kaiserslautern
Die Entscheidung von ACC, das Werk in Kaiserslautern nicht zu bauen, kommt nicht überraschend. Bereits im Jahr 2024 wurden die Planungen aufgeschoben. Nun ist klar: Die Investitionen lohnen sich aus Sicht des Konsortiums nicht mehr. In Kaiserslautern, auf dem Gelände der Stellantis-Tochter Opel, sollten eigentlich moderne Produktionsstätten für Elektroauto-Batterien entstehen.
Dieses Projekt galt als wichtiger Schritt für die Transformation des Industriestandorts und die Schaffung zukunftsfähiger Arbeitsplätze. Es wurde erwartet, dass rund 2000 neue Arbeitsplätze entstehen würden. Dies wäre ein erheblicher Schub für die regionale Wirtschaft gewesen, die nun enttäuscht ist.
Faktencheck
- Deutschland und Frankreich hatten ACC Fördermittel von insgesamt 1,3 Milliarden Euro zugesagt.
- Allein für das deutsche Werk in Kaiserslautern waren 437 Millionen Euro an Steuergeldern vorgesehen.
- Ein entsprechender Förderbescheid wurde bereits überreicht.
Gründe für das Aus: Schwache Nachfrage und Konjunktur
Hinter der Entscheidung stehen mehrere Faktoren. Ein Hauptgrund ist die anhaltend schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa. Viele Verbraucher zögern noch beim Umstieg auf Elektromobilität, was sich auf die Produktionsplanungen der Hersteller auswirkt. Die Erwartungen an das Wachstum des E-Auto-Marktes haben sich scheinbar nicht erfüllt.
Ein weiterer wichtiger Punkt sind die wirtschaftlichen Schwierigkeiten bei einem der Hauptpartner. Stellantis, einer der größten Automobilkonzerne weltweit, gab kürzlich Abschreibungen in Höhe von 22,2 Milliarden Euro bekannt. Dies führte zu einem erheblichen Kurssturz an der Börse. Solche finanziellen Belastungen wirken sich direkt auf Investitionsentscheidungen aus.
„Die anhaltend schwache Nachfrage nach Elektroautos in Europa sowie der massive Kurseinbruch bei Stellantis machen die Planungen unwirtschaftlich“, so ein Sprecher von ACC.
Folgen für den Standort Termoli
Nicht nur Kaiserslautern ist betroffen. Auch die Pläne für ein Partnerprojekt im italienischen Termoli werden eingestellt. ACC will nun mit den Gewerkschaften beider Länder über die Einstellung der Projekte sprechen. Dies deutet auf eine breitere Neuausrichtung der Unternehmensstrategie hin, die sich auf den Kernstandort in Frankreich konzentriert.
Hintergrund der ACC
Die Automotive Cells Company (ACC) ist ein Joint Venture der Konzerne Stellantis, Mercedes-Benz und Total Energies. Das Unternehmen wurde gegründet, um die Produktion von Traktionsbatterien in Europa voranzutreiben und eine unabhängige Lieferkette für Elektrofahrzeuge zu sichern. Der Standort Billy-Bercleau/Douvrin in Frankreich soll als „primärer Innovationshub“ bestehen bleiben.
Kritik von Gewerkschaften und Politik
Die Nachricht löste umgehend scharfe Kritik aus. Jörg Köhlinger, Bezirkschef der IG Metall in Frankfurt, bezeichnete das Vorgehen von ACC als „irrational und verantwortungslos“. Er betonte, dass solche Entscheidungen dem Aufbau widerstandsfähiger Lieferketten entgegenwirken würden.
Gewerkschaften und Betriebsräte hatten sich jahrelang für die Ansiedlung des Werks in Kaiserslautern eingesetzt. Sie hatten innovative tarifliche Regelungen getroffen und dem Unternehmen weit entgegenzukommen versucht, um den Standort attraktiv zu machen. Diese Bemühungen scheinen nun umsonst gewesen zu sein.
- Jahrelange Bemühungen der Betriebsräte und IG Metall.
- Innovative Tarifregelungen für ACC.
- Enttäuschung über die plötzliche Kehrtwende.
Die Politik in Deutschland, die erhebliche Fördermittel zugesagt hatte, steht ebenfalls vor neuen Herausforderungen. Die Frage nach der zukünftigen Nutzung des Geländes und der Unterstützung der betroffenen Region wird nun in den Fokus rücken müssen. Die Bundesregierung hatte mit der Förderung solcher Projekte die heimische Industrie stärken und die Abhängigkeit von ausländischen Batterieproduzenten reduzieren wollen. Dieses Ziel wird nun schwieriger zu erreichen sein.
Zukunft der Elektromobilität in Europa
Die Entscheidung von ACC wirft Fragen über die Geschwindigkeit und den Umfang des Übergangs zur Elektromobilität in Europa auf. Während viele Länder ambitionierte Ziele für den Ausbau der E-Fahrzeugflotte haben, zeigen die aktuellen Entwicklungen, dass der Weg dorthin steinig sein kann. Die Investitionsbereitschaft der Unternehmen hängt stark von der Marktentwicklung und der politischen Unterstützung ab.
Es bleibt abzuwarten, welche Auswirkungen diese Entscheidung auf andere geplante Batterieproduktionen in Europa haben wird. Der Wettbewerb aus Asien, insbesondere aus China, ist stark und setzt die europäischen Hersteller unter Druck. Der Aufbau einer eigenen, robusten Lieferkette für Batterien bleibt jedoch für die europäische Automobilindustrie von entscheidender Bedeutung.
Die deutsche Automobilindustrie, die traditionell eine führende Rolle spielt, muss nun neue Wege finden, um ihre Wettbewerbsfähigkeit im Bereich der Elektromobilität zu sichern. Das Aus des ACC-Werks in Kaiserslautern ist ein Rückschlag, aber die Notwendigkeit, in Zukunftstechnologien zu investieren, bleibt bestehen.





