BMW und der Satellitenbetreiber Viasat haben in einer aktuellen Demonstration die Funktionsfähigkeit von Satellitenkommunikation in Fahrzeugen erfolgreich gezeigt. Diese Technologie ermöglicht es Autos, auch in Gebieten ohne Mobilfunkempfang Notrufe abzusetzen und wichtige Informationen zu übermitteln. Die Demonstration fand im Rahmen der Konferenz „Advancing Connected Mobility“ in Sacramento, Kalifornien, statt, organisiert von der 5G Automotive Association (5GAA).
Wichtige Erkenntnisse
- Autos können künftig über Satelliten kommunizieren, auch ohne Mobilfunknetz.
- Die Technik ermöglicht automatische Notrufe nach Unfällen in abgelegenen Gebieten.
- BMW und Viasat führten einen Sprachanruf über Satellit vor.
- Zukünftige Anwendungen umfassen Mauterfassung und Echtzeit-Warnungen vor Gefahren.
- Die 5GAA treibt die Entwicklung der V2X-Kommunikation voran.
Satellitenkommunikation im Auto: Ein Sicherheitsgewinn
Die Idee, Fahrzeuge über Satelliten zu vernetzen, ist nicht neu, gewinnt aber an Bedeutung. Moderne Smartphones von Apple, Google und Samsung bieten diese Funktion bereits an, um Nachrichten oder Standorte zu übermitteln, wenn kein Mobilfunknetz verfügbar ist. Im Notfall kann dies lebensrettend sein.
Für die Automobilindustrie ist diese Technologie besonders interessant. Ein Fahrzeug, das in einer entlegenen Region ohne Mobilfunkempfang einen Unfall hat, könnte selbstständig einen Notruf absetzen. Dies stellt einen erheblichen Sicherheitsvortein dar. Insassen sind nach einem schweren Unfall möglicherweise nicht mehr bei Bewusstsein oder können innerhalb des Fahrzeugs keinen Satellitenempfang herstellen.
Faktencheck
- Smartphones: Neuere Modelle nutzen Satellitenkommunikation für Notfälle.
- Fahrzeuge: Antennen sind außen angebracht, was den Empfang verbessert.
- Unfallerkennung: Airbagsteuerung und Sensoren liefern Daten über Unfallschwere und Insassenanzahl.
Autonome Notrufe und Datenerfassung
Ein Auto mit Satellitenkommunikation hat entscheidende Vorteile. Seine Antennen sind außen am Fahrzeug angebracht, was den Empfang optimiert. Das System kennt den genauen Standort des Fahrzeugs und kann über die Airbagsteuerung sowie andere Sensoren präzise Informationen über die Schwere des Unfalls und die Anzahl der Insassen sammeln. Diese Daten sind für Rettungsdienste von unschätzbarem Wert und ermöglichen eine schnellere und gezieltere Hilfeleistung.
Die Rolle der 5G Automotive Association (5GAA)
Die Entwicklung dieser Kommunikationsdienste für Fahrzeuge wird maßgeblich von der 5G Automotive Association (5GAA) vorangetrieben. Diese Organisation wurde bereits vor etwa zehn Jahren von führenden Automobil- und Chipherstellern, darunter BMW und Qualcomm, gegründet. Ihr Ziel ist es, die vernetzte Mobilität der Zukunft zu gestalten.
Auf der Konferenz „Advancing Connected Mobility“ in Sacramento präsentierte BMW in Zusammenarbeit mit Viasat eine Live-Demonstration. Dabei wurde erfolgreich ein Sprachanruf über Satellit getätigt. Dies unterstreicht die Machbarkeit und das Potenzial dieser Technologie für den Einsatz in Serienfahrzeugen.
„Die Integration von Satellitenkommunikation in Fahrzeuge ist ein entscheidender Schritt, um die Sicherheit und Konnektivität auf unseren Straßen zu verbessern, insbesondere in abgelegenen Gebieten.“
Hintergrund: Vehicle-to-Everything (V2X)
V2X-Kommunikation (Vehicle-to-Everything) umfasst alle Kommunikationswege eines Fahrzeugs mit seiner Umgebung. Dazu gehören:
- V2V (Vehicle-to-Vehicle): Kommunikation zwischen Fahrzeugen.
- V2I (Vehicle-to-Infrastructure): Kommunikation mit der Verkehrsinfrastruktur (Ampeln, Sensoren).
- V2P (Vehicle-to-Pedestrian): Kommunikation mit Fußgängern und Radfahrern.
- V2N (Vehicle-to-Network): Kommunikation mit dem Mobilfunknetz oder Satelliten.
Zukünftige Anwendungen und Potenziale
Die Möglichkeiten der Satellitenkommunikation gehen weit über Notrufe hinaus. In fernerer Zukunft könnten weitere Anwendungen realisiert werden. Dazu zählt beispielsweise die automatische Mauterfassung, die den Verkehr flüssiger gestalten und Abrechnungsprozesse vereinfachen könnte. Auch Echtzeit-Warnungen vor Gefahren auf der Route sind denkbar.
Solche Warnungen könnten Autofahrer beispielsweise vor plötzlich auftretenden Hindernissen, Glatteis oder Stauenden informieren, lange bevor sie diese selbst wahrnehmen können. Dies würde die Verkehrssicherheit signifikant erhöhen.
Satellitengestützte C2X-Kommunikation
Die 5GAA hat bereits im vergangenen Jahr in Paris demonstriert, wie die „Vehicle-to-Everything“-Kommunikation (V2X) oder „Car-to-Car Communication“ (C2X) satellitengestützt funktionieren könnte. Diese Demonstrationen zeigen, dass die Technologie reif für den nächsten Entwicklungsschritt ist und bald in unseren Fahrzeugen Realität werden könnte.
Die Vision ist eine lückenlose Vernetzung, die Fahrzeuge nicht nur untereinander, sondern auch mit der gesamten Verkehrsinfrastruktur verbindet. Dies schafft ein intelligentes Ökosystem, das den Straßenverkehr sicherer, effizienter und komfortabler macht.
Vorteile der Satellitenkommunikation
- Globale Abdeckung: Funktioniert auch in entlegenen Gebieten.
- Redundanz: Bietet eine zusätzliche Kommunikationsschicht bei Ausfall des Mobilfunknetzes.
- Sicherheit: Ermöglicht schnelle Hilfe in Notsituationen.
- Neue Dienste: Basis für zukünftige Mobilitätslösungen.
Herausforderungen und Ausblick
Trotz der vielversprechenden Fortschritte gibt es weiterhin Herausforderungen. Dazu gehören die Kosten für die Implementierung der Satellitenhardware in jedem Fahrzeug, die Bandbreite und Latenz der Satellitenverbindungen sowie die Integration in bestehende Fahrzeugsysteme. Die Standardisierung der Kommunikation ist ebenfalls ein wichtiger Faktor, um eine breite Akzeptanz und Kompatibilität sicherzustellen.
Die Zusammenarbeit zwischen Automobilherstellern, Satellitenbetreibern und Technologieunternehmen ist entscheidend für den Erfolg. Die aktuellen Demonstrationen von BMW und Viasat sind ein klares Zeichen dafür, dass die Branche entschlossen ist, diese Herausforderungen zu meistern und die Vorteile der Satellitenkonnektivität in unseren Alltag zu integrieren.
Es bleibt abzuwarten, wann die ersten Serienfahrzeuge mit dieser fortschrittlichen Technologie auf den Markt kommen. Die Aussichten für eine sicherere und besser vernetzte Mobilität sind jedoch vielversprechend.





