Der Hyundai Ioniq 6, ein Elektrofahrzeug, wurde kürzlich auf einer anspruchsvollen Langstreckenfahrt durch sechs europäische Länder unter winterlichen Bedingungen getestet. Die Fahrt zeigte, wie sich das Fahrzeug bei Kälte und Regen verhält und welche Herausforderungen die Ladeinfrastruktur in Osteuropa noch birgt. Diese Erfahrungen geben wichtige Einblicke für aktuelle und zukünftige Besitzer von Elektroautos.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Ioniq 6 erhält eine Modellpflege für 2026 mit größerer Batterie und überarbeitetem Design.
- Die tatsächliche Reichweite im Winter und bei Regen weicht stark von den WLTP-Werten ab.
- Die Vorkonditionierung der Batterie ist entscheidend für schnelle Ladezeiten.
- Die Ladeinfrastruktur in Osteuropa verbessert sich, hat aber noch Schwächen.
- Kabelloses Android Auto und Apple CarPlay sind neue Komfortmerkmale.
Modellpflege und Designänderungen für 2026
Hyundai hat den Ioniq 6 seit seinem Marktstart im Frühjahr 2023 kontinuierlich weiterentwickelt. Für das Modelljahr 2026 wurde eine umfassende Modellpflege vorgestellt, die sowohl äußere als auch innere Neuerungen mit sich bringt. Das Fahrzeug ist nun um vier Zentimeter auf insgesamt 4,93 Meter Länge gewachsen.
Die Designer überarbeiteten die Frontpartie mit schmaleren, pixelartigen Scheinwerfern. Am Heck wurde ein markanter Buckel entfernt und der verbleibende Spoiler verlängert, was die Aerodynamik weiter verbessern soll. Diese Änderungen tragen zu einem noch fließenderen Erscheinungsbild bei.
Verbesserte Batterieleistung und Reichweite
Ein zentrales Update betrifft die Traktionsbatterien. Kunden haben nun die Wahl zwischen zwei Kapazitäten: einer 63-kWh-Batterie (zuvor 53 kWh) und einer größeren 84-kWh-Batterie (zuvor 77 kWh). Diese Vergrößerung des Energiegehalts führt zu einer Erhöhung der maximalen Reichweite von 614 auf bis zu 680 Kilometer nach WLTP-Standard.
Fakten zum Ioniq 6 (2026)
- Länge: 4,93 m (+4 cm)
- Batteriekapazität: 63 kWh oder 84 kWh
- Maximale Reichweite (WLTP): Bis zu 680 km
- Höchstgeschwindigkeit: 185 km/h
- Antriebsleistung (N-Modell): 239 kW
Die Höchstgeschwindigkeit bleibt bei 185 km/h, was für die meisten europäischen Straßen mehr als ausreichend ist. Im Innenraum wurden die beiden 12,3-Zoll-Bildschirme sowie die Mittelkonsole neu gestaltet. Erstmals sind Android Auto und Apple CarPlay kabellos verfügbar, was den Komfort für Smartphone-Nutzer erheblich steigert. Ein orangefarbenes Licht signalisiert dabei den induktiven Ladevorgang des Smartphones. Auch das Lenkrad erhielt ein neues Design, wobei Hyundai weiterhin auf das Markenlogo verzichtet und stattdessen vier Leucht-Pixel einsetzt, die im Morsealphabet für den Buchstaben 'H' stehen.
Herausforderungen auf winterlicher Langstrecke
Die Testfahrt begann in Zagreb bei bewölktem Himmel und Regen. Der Hyundai Ioniq 6 N, ausgestattet mit einem 239 kW starken Antrieb und einer 84-kWh-Batterie, startete mit 80 Prozent Ladung und einer angezeigten Reichweite von 298 Kilometern. Diese Angabe basiert, wie bei den meisten modernen Elektroautos, auf dem Fahrverhalten der letzten Kilometer. Die Fahrt führte durch Slowenien, Ungarn, Österreich, Tschechien und Polen, stets begleitet von Regen und Temperaturen um sechs Grad Celsius.
Wetter und Reichweite
Winterliche Bedingungen wie Regen und niedrige Temperaturen wirken sich stark auf die Reichweite von Elektrofahrzeugen aus. Der erhöhte Rollwiderstand durch nasse Straßen und der Energiebedarf für Heizung und Scheibenwischer reduzieren die Effizienz der Batterie erheblich. Dies erklärt oft die Diskrepanz zwischen WLTP-Angaben und der tatsächlichen Reichweite im Alltag.
Die tatsächliche Reichweite lag deutlich unter den WLTP-Angaben von 680 Kilometern. Nach einem ersten Abschnitt von 380 Kilometern bis Parndorf in Österreich war ein Ladestopp notwendig. Die anhaltenden Regenfälle und kühlen Temperaturen waren hierfür maßgeblich verantwortlich, da sie den Rollwiderstand erhöhten und mehr Energie für Heizung und Scheibenwischer benötigten.
„Der Regen hat nicht nachgelassen. Das erhöht den Rollwiderstand. Die Reichweite sinkt schneller als erwartet.“
Die Fahrzeug-Navigation mit integrierter Routenplanung ist im Ioniq 6 von Vorteil. Sie kann die Batterie vorkonditionieren, was für optimale Ladeleistungen bei kalten Temperaturen essenziell ist. Ohne diese Vorkonditionierung, etwa bei Nutzung von Android Auto für die Navigation, kann die Ladeleistung stark reduziert sein.
Ladeinfrastruktur und Ladeschwächen
Auf der Strecke durch Osteuropa zeigte sich die Ladeinfrastruktur als überraschend gut, aber mit einigen Tücken. Ein Ladestopp in Ungarn an einer Alpitronic-Schnellladesäule von E.ON, die bis zu 300 kW liefern sollte, erreichte im Ioniq 6 mit 80 kW deutlich weniger als die möglichen 260 kW. Der Grund: Die Batterie war aufgrund der externen Navigation über Android Auto nicht vorkonditioniert. Erst nach 13 Minuten stieg die Ladeleistung langsam an, erreichte aber nur 140 kW.
- Vorkonditionierung: Unverzichtbar für hohe Ladeleistungen bei kalten Temperaturen.
- Ladeleistung: Ohne Vorkonditionierung deutlich reduziert (z.B. 80 kW statt 260 kW).
- Ionity-Netzwerk: 55 Standorte mit 252 Anschlüssen in Osteuropa, Ausbau in Stadtrandlagen geplant.
Ein ähnliches Szenario wiederholte sich in Tschechien an einer E.ON-Ladesäule von Siemens. Trotz einer angegebenen Leistung von 240 kW startete der Ioniq 6 erneut nur mit 80 kW. Ein Wechsel des Anschlusses erhöhte die Leistung auf 118 kW, blieb aber weit unter den Erwartungen. Es war unklar, ob das Fahrzeug oder die Infrastruktur die Ursache für die geringe Ladeleistung war.
Ladevorgang im Winter
Bei sechs Grad Celsius und Regen ist die Batterie eines Elektroautos ohne Vorkonditionierung kühler als optimal. Die Ladeelektronik begrenzt dann die Leistung, um die Batterie zu schonen. Eine aktive Routenplanung im Fahrzeug, die Ladestopps berücksichtigt, kann die Batterie vorheizen und so deutlich höhere Ladeleistungen ermöglichen.
Ionity und der Ausbau in Osteuropa
Während der Fahrt gab es ein Treffen mit einem Vertreter von Ionity, einem Joint Venture, an dem auch Hyundai beteiligt ist. Ionity betreibt in Osteuropa, von Danzig bis Dubrovnik, 55 Standorte mit insgesamt 252 Anschlüssen. Die Zulassungszahlen für Elektroautos in diesen Ländern entwickeln sich langsamer als in Deutschland, doch der Ionity-Vertreter zeigte sich optimistisch bezüglich Polens Entwicklung.
Ionity setzt in Osteuropa verstärkt auf Standorte bei Tankstellenpartnern wie Shell, MOL und OMV. Die Auslastung der Ladesäulen an Autobahnen ist saisonabhängig, mit Spitzenwerten von Mai bis Oktober. Daher plant Ionity, vermehrt Standorte in Randlagen von Städten zu akquirieren, um die ganzjährige Nutzung zu verbessern. Ein erster Standort dieser Art soll bald in Budapest eröffnet werden.
Fahrerlebnis und Komfortfunktionen
Trotz der Herausforderungen beim Laden bot der Ioniq 6 ein komfortables Fahrerlebnis. Der adaptive Tempomat mit Spurhalter unterstützte auf den Autobahnen effektiv. Die Federung des Fahrzeugs zeigte sich auch auf ungeteerten Feldwegen mit Schlaglöchern gut, wenn auch nicht zauberhaft. Die Integration von kabellosem Android Auto und Apple CarPlay ist ein willkommener Fortschritt im Infotainment-System.
Die Reise durch sechs Länder verdeutlichte zudem die Vorteile offener Grenzen innerhalb der EU. Grenzkontrollen gab es nur einmal an der slowenischen Grenze. Die problemlose Mobilfunknutzung und die einfache Bezahlung von Mautgebühren per Handy in Kroatien und Polen (17 Złoty entsprechen etwa vier Euro) trugen zur angenehmen Reise bei.
Navigation und Komfort
Die Wahl des Navigationssystems hat einen direkten Einfluss auf die Effizienz des Ladevorgangs. Während externe Apps wie Google Maps Komfort bieten, kann die integrierte Fahrzeug-Navigation durch ihre Fähigkeit zur Batterievorkonditionierung bei längeren Fahrten und niedrigen Temperaturen entscheidende Vorteile bei der Ladegeschwindigkeit bieten.
Insgesamt zeigte der Langstreckentest, dass der Hyundai Ioniq 6 ein fähiges Elektrofahrzeug ist, das mit seinen kommenden Updates noch attraktiver wird. Die Erfahrungen verdeutlichen aber auch die Notwendigkeit einer bewussten Fahrweise und Ladeplanung, insbesondere unter widrigen Wetterbedingungen und in Regionen mit noch nicht vollständig ausgebauter Ladeinfrastruktur.





