Aumovio, ein Spin-off des ehemaligen Automotive-Geschäfts von Continental, hat auf der Consumer Electronics Show (CES) 2026 in Las Vegas seine neuesten Innovationen vorgestellt. Das Unternehmen präsentierte Display-Konzepte für den Fahrzeuginnenraum, fortschrittliche Architekturen für softwaredefinierte Fahrzeuge sowie neue Technologien für Fahrassistenz und -automatisierung. Der Fokus liegt auf der Verbesserung der Benutzererfahrung und der Sicherheit im modernen Automobil.
Wichtige Neuerungen von Aumovio
- Personalisiertes Cockpit: Modulare Display-Landschaft mit OLED- und E-Ink-Bildschirmen.
- Xelve Systemplattform: Lösungen für assistiertes und autonomes Fahren (Level 2 bis Level 4).
- Softwaredefinierte Fahrzeuge: Zentralrechner (HPC) und standardisierte Komponenten für vereinfachte Architekturen.
- Verbesserte Nachtsicht: Software zur Reduzierung von Blendeffekten und besserer Erkennung von Hindernissen.
- eRTS Sensor: Drahtlose, präzise Temperaturmessung für Elektromotoren.
Das personalisierte Cockpit: Eine neue Ära der Interaktion
Im Mittelpunkt des Messeauftritts von Aumovio steht das sogenannte „Branded Personalized Cockpit“. Dieses Konzept zeigt eine modulare Multi-Display-Landschaft, die verschiedene Anzeigetechniken intelligent miteinander verbindet. Dazu gehören zwei OLED-Displays und ein E-Ink-Bildschirm, die sich nahtlos in das Armaturenbrett integrieren.
Das Besondere daran ist die Anpassungsfähigkeit: Farben und Muster des Armaturenbretts ändern sich je nach gewähltem Designthema. Dies ermöglicht eine individuelle Gestaltung des Fahrzeuginnenraums, die auf die Vorlieben des Fahrers abgestimmt ist.
Sicherheit und Unterhaltung im Fokus
Hinter dem OLED-Bildschirm auf der Fahrerseite ist eine diskrete Kamera integriert, die von außen nicht sichtbar ist. Das breitere OLED-Display auf der Beifahrerseite bietet Unterhaltungsmöglichkeiten wie das Abspielen von Filmen. Eine innovative Funktion ist die erhöhte Winkelabhängigkeit dieses Bildschirms. Dadurch ist der Inhalt von der Fahrerseite aus nicht einsehbar, was Ablenkungen minimiert und die Sicherheit erhöht.
Faktencheck: Display-Technologien
- OLED-Displays: Bieten hohe Kontraste und brillante Farben, ideal für Multimedia-Inhalte.
- E-Ink-Bildschirme: Sind energieeffizient und gut lesbar, auch bei direkter Sonneneinstrahlung, perfekt für Anzeigen, die sich weniger dynamisch ändern.
Xelve: Intelligente Plattform für Fahrerassistenz und autonomes Fahren
Aumovio adressiert mit seiner Systemplattform Xelve die Bereiche Fahrerassistenz und autonomes Fahren. Die Plattform deckt ein breites Spektrum ab, von Level 2 bis Level 4 der Automatisierung. Dies bedeutet, dass Fahrzeuge sowohl assistiert als auch hochautomatisiert fahren können.
Die Xelve-Plattform umfasst verschiedene spezialisierte Lösungen. Xelve Park ist für automatisierte Parkfunktionen konzipiert. Xelve Drive unterstützt assistiertes und teilautomatisiertes Fahren. Für hochautomatisiertes Fahren nach Level 4 bietet Aumovio Xelve Pilot als Fallback-Lösung an.
Neue Assistenz für Anhängerfahrten
Eine bemerkenswerte Ergänzung ist Xelve Trailer. Diese Lösung warnt mithilfe von Rundumkameras vor Kollisionen beim Rangieren mit Anhängern. Sie nutzt fortschrittliche Bilderkennungsalgorithmen, um Hindernisse präzise zu erkennen und den Fahrer beim Manövrieren zu unterstützen. Xelve Trailer zielt primär auf den US-amerikanischen Markt ab, wo Anhängerfahrten weit verbreitet sind.
Der Weg zum softwaredefinierten Fahrzeug
Ein weiterer Schwerpunkt von Aumovio liegt auf Elektrik- und Elektronik-Architekturen für softwaredefinierte Fahrzeuge (SDV). Das zentrale Element hierbei ist ein Vehicle Control High-Performance-Computer (HPC). Dieser Rechner soll sicherheitskritische und -unkritische Funktionen hardwareseitig isolieren, sie aber trotzdem parallel auf einem einzigen Chip abarbeiten können.
Die Basis für den VC-HPC-Fahrzeugrechner bildet der Prozessor S32N79 aus der S32N7-Serie des niederländischen Unternehmens NXP Semiconductors. Diese Wahl unterstreicht den Anspruch von Aumovio, leistungsstarke und zuverlässige Hardware einzusetzen.
Vereinfachung durch Standardisierung
Aumovio unterstützt Fahrzeugentwickler auch durch eine virtuelle Umgebung, die Steuergeräte, Sensoren und Aktuatoren simuliert. Funktionen lassen sich damit virtuell oder hybrid implementieren und testen. Ergänzend dazu stellte Aumovio das Konzept des „Automotive Remote Control Network“ vor. Dieses Netzwerk nutzt standardisierte Komponenten und Kommunikationsprotokolle.
Das Ziel ist es, die Variantenvielfalt zu reduzieren und die Architektur zu vereinfachen. In komplexeren Fahrzeugen kommen einfach mehrere dieser Standardelemente zum Einsatz. Dies soll nicht nur die Entwicklung erleichtern, sondern auch die Produktionskosten senken, da nicht für jedes System ein speziell entwickelter Controller benötigt wird.
Was ist ein softwaredefiniertes Fahrzeug (SDV)?
Ein softwaredefiniertes Fahrzeug ist ein Automobil, dessen Funktionen und Eigenschaften maßgeblich durch Software gesteuert und aktualisiert werden. Dies ermöglicht es Herstellern, neue Funktionen über Software-Updates bereitzustellen und das Fahrzeugerlebnis kontinuierlich zu verbessern, ähnlich wie bei einem Smartphone.
Mehr Sicherheit durch verbesserte Sicht und präzise Sensorik
Aumovio engagiert sich auch für die Verbesserung der Sicherheit bei Nachtfahrten. Eine neue Software soll die Kamerasicht bei schlechten Lichtverhältnissen optimieren. Diese Erweiterung reduziert Blendungseffekte, die durch die Scheinwerfer des Gegenverkehrs entstehen, erheblich. Gleichzeitig unterstützt sie die Erkennung von Gefahren wie Hindernissen auf der Fahrbahn.
Die Fähigkeit, Tiere oder andere Objekte am Straßenrand frühzeitig zu erkennen, kann entscheidend sein, um Unfälle zu vermeiden. Diese Technologie stellt einen wichtigen Schritt zur Erhöhung der aktiven Fahrsicherheit dar.
Innovative Temperaturmessung für Elektromotoren
Ein weiteres Highlight ist der neu vorgestellte E-Motor-Rotor-Temperatursensor (eRTS). Diese Sensortechnik ermöglicht eine direkte und drahtlose Temperaturmessung des Rotors in permanenterregten Synchronmotoren. Im Vergleich zur derzeit gängigen softwarebasierten Temperatursimulation soll der Toleranzbereich von 15 auf nur noch drei Grad Celsius sinken.
„Die präzise Temperaturmessung des Rotors ist entscheidend für die Effizienz und Lebensdauer von Elektromotoren“, so ein Vertreter von Aumovio auf der Messe. „Mit eRTS können wir die Leistung optimieren und gleichzeitig die Sicherheit erhöhen.“
Diese verbesserte Präzision ermöglicht eine effizientere Steuerung des Motors und trägt zur Langlebigkeit der Antriebskomponenten bei. Die Innovationen von Aumovio auf der CES 2026 zeigen, wie das Unternehmen die Zukunft der Automobiltechnologie aktiv mitgestaltet und dabei sowohl die Benutzerfreundlichkeit als auch die Sicherheit in den Vordergrund stellt.





