Nach einem Hochwasser stehen Betroffene oft vor erheblichen Schäden und komplexen Entscheidungen. Schnelles, aber überlegtes Handeln ist entscheidend, um weitere Probleme zu vermeiden. Die Sanierung erfordert Fachwissen, da unsachgemäße Maßnahmen langfristige Folgen für die Bausubstanz und die Gesundheit haben können.
Das Wichtigste in Kürze
- Schnelles Handeln nach Hochwasser ist kritisch, aber nur nach Abschalten von Strom und Gas.
- Die Sanierung von Hochwasserschäden gehört in fachkundige Hände, nicht in Eigenregie.
- Prüfen Sie Qualifikation und Erfahrung von Handwerksbetrieben und Sachverständigen.
- Dokumentation der Schäden ist essenziell für Versicherungen und Gewährleistung.
- Vorbeugende Maßnahmen sind wichtig, um zukünftige Schäden zu minimieren.
Erste Schritte nach dem Hochwasser
Sobald das Wasser abgelaufen ist, beginnt die eigentliche Arbeit. Doch Vorsicht ist geboten: Überflutete Bereiche dürfen nur betreten werden, wenn Strom und Gas sicher abgeschaltet sind. Es besteht Lebensgefahr durch Stromschläge. Schutzkleidung wie wasserfeste Kleidung und Atemschutzmasken sind unerlässlich, um sich vor Verunreinigungen im Wasser zu schützen.
Beginnen Sie umgehend mit den Aufräumarbeiten. Schlamm, Unrat und durchnässte Materialien müssen entfernt oder gründlich gereinigt werden. Je länger Schmutz und Schadstoffe in die Bauteile eindringen, desto größer werden die Schäden und der spätere Sanierungsaufwand. Eine erste Prüfung auf Schimmel, Öl, Chemikalien oder Asbest in durchnässten Baumaterialien ist dringend notwendig, da hier besondere Schutz- und Entsorgungsregeln gelten.
Wichtiger Hinweis
Schimmel kann bereits nach wenigen Tagen entstehen. Eine zu späte oder falsche Trocknung erhöht Gesundheitsrisiken und Sanierungskosten erheblich.
Sachverständige frühzeitig einbeziehen
Bei sichtbaren Rissen oder Verformungen am Gebäude ist die Standsicherheit vor dem Betreten zu prüfen. Sachverständige sollten das Gebäude auf Schäden an Mauerwerk, Tragkonstruktion, Putz und auf Belastungen durch Schadstoffe oder Schimmel untersuchen. Auch der Zustand von Heizungs-, Sanitär- und Elektroanlagen muss begutachtet werden.
Die Industrie- und Handelskammern sowie Architekten- und Ingenieurkammern bieten Verzeichnisse, um qualifizierte Sachverständige zu finden. Eine frühzeitige Begutachtung und Dokumentation der Schäden durch Fachleute ist entscheidend für die weitere Planung der Sanierung und die Abwicklung mit Versicherungen.
"Die Sanierung nach Hochwasser ist kein Renovierungsprojekt, sondern eine technische Wiederherstellung, die Spezialwissen erfordert."
Warum Eigenleistungen bei Hochwasserschäden riskant sind
Viele Schäden nach einem Hochwasser sind nicht sofort sichtbar. Feuchtigkeit dringt tief in Wände, Böden und Dämmstoffe ein. Unsachgemäße Eigenleistungen können fatale Folgen haben: Schimmelwachstum, dauerhafte Materialschäden oder sogar Beeinträchtigungen der Statik. Auch nicht jeder Handwerksbetrieb verfügt über das nötige Spezialwissen für Hochwasserschäden.
Fachbetriebe sind erfahren im Umgang mit kontaminiertem Wasser, der Schimmel- und Schadstoffsanierung sowie der speziellen Gebäudetrocknung. Sie verstehen die komplexen bauphysikalischen Zusammenhänge. Wer ohne Fachplanung zu früh trocknet oder Bauteile entfernt, riskiert Setzrisse, Verformungen oder erneute Durchfeuchtung. Ein kritischer Fehler ist das zu frühe Auspumpen von Kellern, wenn außen noch Wasser ansteht, da der Druck von außen zu schweren Gebäudeschäden führen kann.
Spezialwissen ist gefragt
Hochwasserschäden erfordern Kenntnisse in Bereichen wie:
- Umgang mit kontaminiertem Wasser
- Schimmel- und Schadstoffsanierung
- Spezielle Gebäudetrocknung
- Bauphysikalische Zusammenhänge
Die Suche nach geeigneten Fachkräften
Für Trocknung und Sanierung nach einem Hochwasser sind spezialisierte Fachfirmen notwendig. Es ist ratsam, mehrere Angebote einzuholen und die Qualifikationen sorgfältig zu prüfen. Hilfestellung bei der Suche bieten die Handwerkskammern, die Industrie- und Handelskammern sowie Architekten- und Ingenieurkammern. Auch Berufsverbände wie der Bundesverband Schimmelpilzsanierung e.V. oder der Deutsche Holz- und Bautenschutzverband e.V. können Ansprechpartner vermitteln.
Bei der Auswahl eines Betriebs sollten Sie auf folgende Punkte achten: Nachweisbare Erfahrung mit Hochwasserschäden, klare Leistungsbeschreibungen, schriftliche Angebote und eine umfassende Dokumentation der Maßnahmen und Messungen. Lassen Sie sich nicht unter Zeitdruck setzen. Seriöse Betriebe erklären die notwendigen Schritte verständlich und raten nicht vorschnell zu Komplettabriss oder pauschalen Lösungen.
Der Ablauf einer professionellen Sanierung
Nach dem Abpumpen des Wassers folgt die Entfernung von Schlamm und Schmutz, oft mit Industriesaugern. Nasses Mobiliar und Unrat müssen ausgeräumt werden. Stark durchnässte Materialien wie Tapeten, Gipsputze, Bodenbeläge oder Holzwerkstoffe sind zu entfernen, da sie Schimmelwachstum begünstigen und die Trocknung behindern. Auch durchnässte Dämmstoffe, beispielsweise in Fußbodenaufbauten, müssen häufig ersetzt werden.
Gleichzeitig ist die gesamte betroffene Haustechnik – Elektro-, Gas-, Heizungs- und Wasserinstallationen – auf Schäden und Funktionstüchtigkeit zu prüfen. Installationen und Leitungen, die unterhalb des Hochwasserstandes lagen, sind in den meisten Fällen zu erneuern. Erst nach der gründlichen Trocknung der Bausubstanz kann der Wiederaufbau beginnen.
Technische Trocknung ist oft unverzichtbar
Gründliches Lüften ist wichtig, reicht aber allein nicht aus. Feuchtigkeit sitzt oft tief in Wänden, Böden und Dämmstoffen. Eine technische Trocknung ist daher fast immer notwendig. Zum Einsatz kommen unter anderem:
- Kondensationstrockner für Feuchtigkeit in Boden und Wänden
- Turbogebläse zur Oberflächen- und Wandtrocknung
- Dämmschichttrocknung bei schwimmendem Estrich mittels Bohrungen und Schlauchsystemen
- Vakuumverfahren bei belasteten Materialien
Die geeignete Methode hängt vom Gebäudeaufbau und dem Schadensausmaß ab. Fachfirmen überwachen den Trocknungserfolg mit Feuchtemessungen und dokumentieren den gesamten Verlauf.
Vorbeugung ist der beste Schutz
Nach der Sanierung sollte auch über vorbeugende Maßnahmen nachgedacht werden. Häuser in Tälern, Hanglagen oder in der Nähe von Gewässern sind besonders hochwassergefährdet. Doch durch Klimaveränderungen und Starkregen kann Hochwasser heute fast überall auftreten. Es ist wichtig zu analysieren, wie das Wasser ins Gebäude gelangt ist – zum Beispiel über Kellerfenster. Solche Stellen sollten gegebenenfalls nachträglich abgedichtet werden.
Mögliche vorbeugende Maßnahmen umfassen:
- Installation von druckwasserdichten Kellerfenstern
- Einbau von Rückstauklappen in Abwasserleitungen
- Anbringen von Abdichtungen an gefährdeten Stellen
Diese Investitionen können zukünftige Schäden erheblich reduzieren und die Sicherheit Ihres Eigentums erhöhen. Eine umfassende Risikobewertung und Beratung durch Fachleute hilft, die passenden Schutzmaßnahmen zu identifizieren.
Versicherungsschutz prüfen
Ob und in welchem Umfang eine Versicherung die Kosten übernimmt, hängt vom individuellen Vertrag ab. Nicht alle Policen decken Hochwasser- oder Starkregenschäden ab. Eine lückenlose Dokumentation der Schäden ist entscheidend für die Schadenregulierung.





