Rotklee wird oft als natürliche Hilfe bei Wechseljahresbeschwerden beworben. Doch die wissenschaftliche Evidenz für seine Wirksamkeit ist begrenzt, und es gibt wichtige Sicherheitshinweise zu beachten. Frauen, die Rotklee-Produkte in Erwägung ziehen, sollten sich umfassend informieren und ärztlichen Rat einholen, um potenzielle Risiken zu minimieren und eine sichere Anwendung zu gewährleisten.
Wichtigste Erkenntnisse
- Maximal 43,5 Milligramm Isoflavone pro Tag aus Rotklee einnehmen.
- Anwendungsdauer auf drei Monate begrenzen.
- Ärztliche Rücksprache bei Medikamenteneinnahme oder Vorerkrankungen.
- Nicht bei hormonabhängigem Krebs oder in der Schwangerschaft anwenden.
Was sind Rotklee-Produkte und wie wirken sie?
Rotklee, auch Wiesenklee genannt, gehört zur Familie der Hülsenfrüchte. Die Blätter des Rotklees enthalten Isoflavone wie Genistein und Daidzein. Diese Pflanzenstoffe ähneln in ihrer Struktur dem weiblichen Geschlechtshormon Östrogen, weshalb sie auch als Phytoöstrogene bezeichnet werden. Werbeversprechen suggerieren oft, dass diese Phytoöstrogene den Östrogenverlust in den Wechseljahren ausgleichen und dadurch Beschwerden lindern können.
Traditionelle pflanzliche Arzneimittel verwenden in der Regel standardisierte Extrakte aus der Rotklee-Blüte, oft in Kapsel- oder Tablettenform. Für solche traditionellen Mittel ist die Wirksamkeit aufgrund langjähriger Erfahrung plausibel, klinische Studien sind jedoch nicht zwingend erforderlich. Nahrungsergänzungsmittel hingegen können in Zusammensetzung und Dosierung der Inhaltsstoffe stark variieren.
Wissenswertes über Isoflavone
Isoflavone sind sekundäre Pflanzenstoffe mit einer schwach östrogenen Wirkung. Sie kommen nicht nur in Rotklee, sondern auch in Soja und Kudzu vor. Ihre Fähigkeit, Wechseljahresbeschwerden zu lindern, ist jedoch wissenschaftlich umstritten.
Wissenschaftliche Bewertung und Studienlage
Die Europäische Lebensmittelsicherheitsbehör (EFSA) hat bisher keine eindeutigen Belege für eine Verbesserung von Wechseljahresbeschwerden durch Soja-Isoflavone gefunden. Entsprechende Wirkaussagen sind daher seit 2011 verboten. Für Rotklee-Aussagen besteht derzeit eine sogenannte On-hold-Liste, deren endgültige Bewertung noch aussteht.
Bisherige Studien zu Rotklee konnten keine eindeutigen Beweise für vorteilhafte Wirkungen bei Hitzewallungen, Schweißausbrüchen oder anderen Wechseljahresbeschwerden liefern. Ein Test im Jahr 2018 durch ÖKO-TEST ergab, dass kein Nahrungsergänzungsmittel besser als „ausreichend“ abschnitt.
„Die wissenschaftliche Evidenz für die Wirksamkeit von Rotklee bei Wechseljahresbeschwerden ist nach wie vor begrenzt. Verbraucher sollten skeptisch sein gegenüber überzogenen Werbeversprechen.“
Einige Hersteller umgehen die strengen Vorschriften, indem sie ihren Produkten Vitamine wie B6, K oder B1 zusetzen. Für diese Vitamine sind bestimmte Gesundheitsaussagen erlaubt, zum Beispiel dass Vitamin B6 zur Regulierung der Hormontätigkeit beiträgt. Der Tagesbedarf dieser Vitamine lässt sich jedoch meist durch eine ausgewogene Ernährung decken, eine zusätzliche Einnahme ist oft nicht notwendig.
Empfehlungen zur Anwendung und Sicherheit
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) empfiehlt, bei der Einnahme von Rotklee-Isoflavonen eine Menge von maximal 43,5 Milligramm pro Tag nicht zu überschreiten. Die Anwendungsdauer sollte zudem auf maximal drei Monate begrenzt sein. Diese Empfehlungen dienen dazu, mögliche Risiken zu minimieren, da die Langzeitsicherheit noch nicht vollständig geklärt ist.
Traditionelle vs. moderne Anwendung
In der Volksheilkunde wurde Rotklee früher bei verschiedenen Krankheiten wie Asthma oder Gicht eingesetzt, oft in Form von Tee aus den Blüten. Moderne Nahrungsergänzungsmittel basieren jedoch überwiegend auf Zubereitungen aus den Blättern und unterscheiden sich somit stark von der traditionellen Anwendung.
Mögliche Nebenwirkungen und Wechselwirkungen
Bei der Einnahme von Rotklee-Produkten können leichte Nebenwirkungen auftreten. Dazu gehören:
- Leichte Übelkeit
- Sehr selten Hautausschläge (Urtikaria)
Besonders wichtig sind mögliche Wechselwirkungen mit Medikamenten. Wenn Sie regelmäßig Medikamente wie das Schilddrüsenhormon Thyroxin oder MTX einnehmen, ist eine dringende ärztliche Rücksprache vor der Anwendung von Rotklee-Produkten erforderlich.
Wer sollte Rotklee-Produkte meiden?
Für bestimmte Personengruppen ist die Einnahme von isoflavonhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln, einschließlich Rotklee, nicht geeignet oder erfordert besondere Vorsicht:
- Hormonabhängiger Krebs: Personen, die an östrogenabhängigem Brust- oder Gebärmutterkrebs erkrankt sind oder waren, sollten Rotklee-Produkte nur nach ärztlicher Rücksprache verwenden. Die Verbraucherzentrale rät in solchen Fällen sogar dringend davon ab, ohne ärztliche Anweisung.
- Familiäre Vorbelastung: Wenn in Ihrer Familie bei nahen Verwandten bereits Brust- oder Gebärmutterkrebs aufgetreten ist, sollten Sie ebenfalls besondere Vorsicht walten lassen und ärztlichen Rat einholen.
- Schwangerschaft und Stillzeit: In diesen Phasen sollten Rotklee-Produkte generell gemieden werden.
- Kinder und Jugendliche: Für diese Altersgruppen wird die Einnahme ebenfalls nicht empfohlen.
Informieren Sie immer Ihre behandelnden Ärztinnen und Ärzte, wenn Sie Rotklee-Produkte verwenden möchten, um eine individuelle Risikobewertung zu erhalten und mögliche Komplikationen zu vermeiden.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Rotklee-Produkte bei Wechseljahresbeschwerden eine umstrittene Option darstellen. Die fehlende eindeutige wissenschaftliche Bestätigung der Wirksamkeit und die bestehenden Sicherheitsbedenken erfordern eine kritische Herangehensweise. Ein offenes Gespräch mit dem Arzt oder der Ärztin ist essenziell, um die beste und sicherste Vorgehensweise für die individuelle Situation zu finden.





