Fencheltee, lange Zeit als harmloses Hausmittel geschätzt, steht zunehmend im Fokus der Gesundheitsbehörden. Der Grund ist der enthaltene Pflanzenstoff Estragol. Dieser wird als krebserregend eingestuft. Besonders für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und Stillende gibt es nun klare Warnungen. Erwachsene sollten Fencheltee nur in Maßen genießen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Estragol in Fencheltee gilt als krebserregend.
- Eine sichere Verzehrmenge ist nicht bekannt.
- Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere und Stillende sollten Fencheltee meiden.
- Erwachsene können Fencheltee gelegentlich trinken, aber nicht dauerhaft.
- Fenchel als Gemüse ist für Erwachsene unbedenklich.
Was macht Fencheltee problematisch?
Fencheltee wird aus den Samen der Fenchelpflanze (Foeniculum vulgare) hergestellt. Er enthält ätherische Öle, darunter Estragol. Traditionell wird Fencheltee bei Verdauungsbeschwerden, Blähungen und leichten Krämpfen eingesetzt. Besonders bei Babys und Kleinkindern war er beliebt, um Bauchweh und Koliken zu lindern. Auch Erwachsene trinken ihn bei Völlegeühl, Erkältung oder Reizhusten.
Das Problem ist, dass die gleichen Stoffe, die als wohltuend gelten, in bestimmten Mengen gesundheitlich bedenklich sein können. Estragol ist ein natürlicher Aromastoff, der auch in Kräutern wie Anis oder Basilikum vorkommt. Bereits im Jahr 2001 bewertete der Wissenschaftliche Ausschuss SCF der EU-Kommission Estragol als erbgutverändernde Substanz.
Faktencheck Estragol
- Natürlicher Aromastoff in Fenchel, Anis, Estragon.
- Wurde 2001 von der EU als erbgutverändernd eingestuft.
- Eine sichere Aufnahmemenge ist derzeit nicht festlegbar.
Neue Bewertungen durch Gesundheitsbehörden
Seit 2022 haben sich mehrere europäische Gesundheitsbehörden erneut mit dem Thema Estragol in Fencheltee befasst. Dazu gehören die Europäische Arzneimittelagentur (EMA), die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) und das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Ihre Ergebnisse sind eindeutig: Eine sichere Aufnahmemenge für Estragol kann derzeit nicht festgelegt werden.
Dies bedeutet, dass Fencheltee ein Gesundheitsrisiko darstellen kann. Dies gilt insbesondere für empfindliche Personengruppen. Die Unbedenklichkeit eines regelmäßigen Konsums ist nicht gewährleistet. Es gibt keine Schwelle, unterhalb derer Estragol als sicher gilt.
"Eine sichere Aufnahmemenge für Estragol lässt sich derzeit nicht festlegen. Fencheltee kann ein Gesundheitsrisiko darstellen – insbesondere für empfindliche Gruppen."
Wer sollte Fencheltee meiden?
Aufgrund der Risikobewertung gibt es klare Empfehlungen für verschiedene Alters- und Personengruppen. Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) und Apothekerkammern raten dringend ab:
- Säuglinge und Kinder unter 4 Jahren: Sie sollten gar keinen Fencheltee und auch keinen Fenchelhonig erhalten. Ihr kleiner Körper reagiert empfindlicher auf chemische Substanzen.
- Schwangere und Stillende: Diese Personen sollten fenchelhaltige Produkte möglichst meiden. Estragol könnte an das ungeborene Kind oder über die Muttermilch weitergegeben werden. Die Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes sind nicht ausreichend erforscht.
Für Erwachsene gilt: Gelegentlicher Konsum ist unbedenklich. Ein dauerhafter täglicher Genuss über mehr als 14 Tage am Stück wird jedoch nicht empfohlen. Auch der Konsum großer Mengen sollte vermieden werden. Abwechslung bei Kräutertees hilft, eine einseitige Belastung zu vermeiden.
Hintergrund: Estragol und seine Wirkung
Estragol gehört zur Gruppe der Phenylpropene. In hohen Dosen kann es in Tierversuchen genotoxische und karzinogene Wirkungen zeigen. Das bedeutet, es kann das Erbgut schädigen und Krebs verursachen. Da eine sichere Dosis für den Menschen nicht bekannt ist, wird ein vorsorglicher Umgang empfohlen.
So lässt sich das Estragol-Risiko reduzieren
Der Estragol-Gehalt in Fencheltee variiert stark. Dies hängt vom Produkt und der Zubereitung ab. Verbraucher können jedoch einige Maßnahmen ergreifen, um die Aufnahme zu verringern:
- Teebeutel nicht ausdrücken: Beim Ausdrücken des Teebeutels gelangt mehr Estragol in das Getränk. Lassen Sie den Beutel einfach abtropfen.
- Ganze Fenchelsamen bevorzugen: Tee aus ganzen Fenchelsamen enthält meist weniger Estragol als Tee aus geschnittenem Fenchel. Die Oberfläche, aus der die Stoffe gelöst werden können, ist kleiner.
- Ziehzeit begrenzen: Lassen Sie den Tee nicht zu lange ziehen. Eine Ziehzeit von maximal 5 bis 8 Minuten ist ausreichend. Längeres Ziehen erhöht die Estragol-Konzentration.
- Abwechslung schaffen: Trinken Sie nicht jeden Tag Fencheltee. Wechseln Sie Kräutertees regelmäßig, um eine einseitige Belastung durch bestimmte Pflanzenstoffe zu vermeiden.
Fenchelprodukte für Babys im Handel
Trotz der klaren Warnungen der Behörden sind im Handel weiterhin Fencheltees speziell für Babys erhältlich. Auch Babygetränke und Brei mit Fenchelzusatz finden sich in den Regalen. Bislang gibt es keine gesetzlichen Höchstmengen für Estragol in diesen Produkten. Hersteller müssen zudem keine Mengenangaben zum Fenchelanteil machen, selbst wenn Fenchel im Produktnamen steht.
Dies erschwert Verbrauchern die Einschätzung des Risikos erheblich. Solange nicht klar ist, ob das Estragol aus diesen Produkten entfernt wurde oder in unbedenklichen Mengen vorliegt, lautet die Empfehlung der Experten: Vorsichtshalber keine Fenchelprodukte für Kinder unter 4 Jahren verwenden. Sicherheit geht vor.
Wussten Sie schon?
Fenchel als Gemüse ist für Erwachsene unbedenklich. Die Konzentration von Estragol ist hier deutlich geringer und wird bei normalem Verzehr als unkritisch eingestuft. Es geht primär um die konzentrierte Form in Tees und Extrakten.





