Anlagebetrug ist ein wachsendes Problem. Immer mehr Menschen fallen auf unseriöse Finanzberater herein und verlieren ihr Erspartes. Es ist entscheidend, die Warnsignale zu kennen, um sich und sein Kapital zu schützen. Dieser Artikel beleuchtet die gängigen Methoden von Betrügern und zeigt, wie Sie seriöse Anbieter erkennen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Bezeichnung „Finanzberater“ ist nicht geschützt und erfordert keine spezielle Zulassung.
- Unerwünschte Kontaktaufnahme per E-Mail, Telefon oder soziale Medien ist oft ein Warnsignal.
- Versprechen von extrem hohen Renditen ohne Risiko sind meist betrügerisch.
- Zeitdruck bei Anlageentscheidungen deutet auf unseriöse Absichten hin.
- Recherchieren Sie immer selbst über den Anbieter, auch bei Empfehlungen von Bekannten.
Die erste Kontaktaufnahme: Vorsicht ist geboten
Unseriöse Finanzberater suchen oft aktiv den Kontakt zu potenziellen Opfern. Dies geschieht häufig über Werbebanner auf Nachrichtenseiten oder in sozialen Netzwerken. Ein Klick auf diese Banner führt Nutzer zu vermeintlich journalistischen Artikeln über neue, vielversprechende Geldanlagen. Dort werden persönliche Daten abgefragt, und die Reaktion der angeblichen Berater folgt meist umgehend.
Auch unerwünschte E-Mails, sogenannte „Cold Calls“ – also unangekündigte Anrufe – oder sogar überraschende Besuche an der Haustür sind gängige Methoden. Solche Kontaktaufnahmen ohne vorherige Zustimmung sind wettbewerbsrechtlich in der Regel nicht zulässig und stellen ein klares Warnsignal dar. Die Betrüger versuchen, über soziale Medien, Messenger-Dienste und Telefonate eine persönliche Beziehung aufzubauen, oft unter dem Vorwand gemeinsamer Interessen oder Wertvorstellungen.
„Durch das persönliche Vertrauen zum Finanzberater treten die rationalen Aspekte der Geldanlage in den Hintergrund. Diese sollten Sie aber nicht aus dem Blick verlieren.“
Seien Sie besonders vorsichtig, wenn der Anbieter Verwandte oder Bekannte als Referenz nennt oder diese Sie sogar selbst ansprechen. Dies ist kein Beweis für die Seriosität der Geldanlage. Manchmal wird ein Erstgeschäft mit einem minimalen Betrag angeboten, um die Leistungsfähigkeit des Anbieters zu testen. Solche Testgeschäfte verlaufen immer positiv, um Vertrauen aufzubauen und weitere, größere Investitionen zu locken. Lassen Sie sich niemals zu einem Erstgeschäft überreden, egal wie klein der Betrag ist.
Wussten Sie schon?
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hat allein im letzten Halbjahr 2025 Dutzende von Warnungen vor unerlaubten Geschäften auf Websites veröffentlicht. Dies zeigt die Dringlichkeit, selbst aktiv zu werden und sich zu informieren.
Unerfüllbare Versprechen und Zeitdruck
Hohe Renditen ohne Risiko?
Ein klassisches Merkmal unseriöser Angebote sind Versprechen von ungewöhnlich hohen Erträgen ohne jegliches Risiko. Es gilt nach wie vor die Faustregel: Je höher die versprochene Rendite, desto höher ist in der Regel auch das Risiko. Seriöse Finanzberater werden Ihnen niemals „Traumrenditen ohne Risiko“ garantieren.
Selbst wenn Bekannte oder Verwandte bereits solche hohen Zinsen erhalten haben, ist das kein Garant für die Seriosität. Oft nutzen Betrüger eine Art Schneeballsystem. Anfangs werden Anlegern die versprochenen Renditen aus den Einzahlungen neuer Kunden gezahlt, um weitere Investoren anzulocken. Die Gewinne stammen dabei nicht aus echten Erträgen, sondern aus den Geldern der Neukunden.
Lassen Sie sich Versprechen immer schriftlich geben. Unseriöse Berater machen oft nur mündliche Zusagen über Sicherheit, Rendite und Laufzeit. Ohne schriftliche Bestätigung haben Sie im Streitfall ein Beweisproblem. Achten Sie auch auf Angebote, die neben einer hohen Rendite einen „Impact“ versprechen, also soziale oder ökologische Wirkung. Auch hier gibt es sehr riskante und unseriöse Umweltinvestments.
Druck zur schnellen Entscheidung
Ein weiteres klares Warnsignal ist, wenn der Anbieter Sie unter Zeitdruck setzt. Anlageentscheidungen sollten immer in Ruhe und wohlüberlegt getroffen werden. Bei unseriösen Angeboten steht nur der Anbieter unter Zeitdruck, da er schnellstmöglich viel Geld von Ihnen erhalten möchte, bevor Sie den Betrug erkennen.
Werden Sie hellhörig, wenn der Berater auf eine schnelle Vertragsunterzeichnung drängt, Ihre Fragen mit Gegenfragen beantwortet oder bereits bestehende Anlagen schlechtredet und Sie zur Kündigung auffordert. Auch wenn Ihnen der Verkaufsprospekt erst nach Vertragsunterzeichnung ausgehändigt wird, ist das ein Alarmzeichen. Beachten Sie, dass bei bestimmten Anlagen, wie Unternehmensbeteiligungen, kein 14-tägiges Widerrufsrecht besteht.
Geschäftssitz und rechtliche Absicherung
Wo sitzt der Anbieter wirklich?
Unseriöse Anbieter wählen oft exotische Orte als offiziellen Firmensitz. Häufig verbirgt sich dort nicht mehr als ein Briefkasten. Ein ausländischer Geschäftssitz sollte Sie von vornherein sehr vorsichtig machen. Dies liegt nicht zuletzt an den Problemen und hohen Kosten, die mit einer möglichen gerichtlichen Auseinandersetzung im Ausland verbunden sind. Im schlimmsten Fall ist die Gegenseite nicht greifbar.
Immer häufiger tarnen sich unseriöse Anbieter auch hinter bekannten und unbescholtenen Identitäten. Sie tragen die Daten eines existierenden, seriösen Unternehmens ins Impressum ein, um Vertrauen zu schaffen. Auch die Firmenbezeichnung wird oft an tatsächliche Namen aus der Finanzindustrie angelehnt. Zögern Sie nicht und erkundigen Sie sich direkt bei dem bekannten Finanzunternehmen, ob es die beworbene Website oder das Angebot überhaupt betreibt.
Hintergrund: Die BaFin
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) ist die Finanzaufsichtsbehörde in Deutschland. Sie überwacht Banken, Versicherungen und Finanzdienstleister. Auf ihrer Website finden Sie Datenbanken zur Überprüfung von Zulassungen und aktuelle Warnungen vor unerlaubten Geschäften. Dennoch ersetzt die BaFin-Aufsicht nicht Ihre eigene Sorgfaltspflicht, da auch beaufsichtigte Unternehmen Risiken bergen können.
Einlagensicherung, Treuhänder und Notare
Nicht jede Anlage ist automatisch gesetzlich gesichert. Informieren Sie sich genau über den Einlagensicherungsschutz für Sparguthaben in Deutschland auf der BaFin-Website und prüfen Sie, ob Ihre konkrete Geldanlage tatsächlich abgesichert ist.
Ein Treuhänder bietet ebenfalls nicht immer Sicherheit. Zwar muss ein Treuhänder eine vom Anbieter unabhängige Person oder Institution sein, die bis zur Investition alleinigen Zugriff auf die Kasse hat. Doch es gibt immer wieder Fälle, in denen der Treuhänder mit dem unseriösen Anbieter zusammenarbeitet. Die Einschaltung eines Treuhänders allein ist somit kein Garant für die Seriosität des Angebots.
Auch ein Notar schützt nicht umfassend vor Betrug. Bei Immobilienanlagen und Unternehmensbeteiligungen ist eine notarielle Abwicklung gesetzlich vorgeschrieben. Der Notar prüft jedoch nur die formelle Richtigkeit der Geschäftsabwicklung. Ob das Anlageunternehmen seriös und das Angebot wirtschaftlich sinnvoll ist, gehört nicht zu seinen Aufgaben.
Kosten und Transparenz
Versteckte Kosten schmälern die Rendite
Die Kosten einer Geldanlage schmälern Ihre Rendite erheblich. Lassen Sie sich nicht mit pauschalen Angaben abspeisen. Detaillierte Informationen darüber, wie und wo Ihr Kapital angelegt werden soll und welche Kosten damit verbunden sind, gehören zu den wesentlichen Vertragspflichten eines seriösen Anbieters. Verlangen Sie vor Vertragsabschluss ausführliche und aussagekräftige Informationen zu allen angebotenen Kapitalanlagen.
Offenlegung von Unternehmensinformationen
Unternehmen sind verpflichtet, ihre Jahresabschlüsse fristgerecht im Bundesanzeiger zu veröffentlichen. Dies soll allen Interessierten ein Bild von der wirtschaftlichen Lage eines Unternehmens ermöglichen. Verspätete Einreichungen können ein Zeichen dafür sein, dass sich die Anlage nicht wie gewünscht entwickelt. Prüfen Sie das Investment daher eingehend.
Für Unternehmen, die Vermögensanlagen herausgeben, beträgt die Frist sechs Monate nach Abschluss des Geschäftsjahres. Wenn das Geschäftsjahr dem Kalenderjahr entspricht, müssen die Jahresabschlüsse spätestens am 30. Juni des Folgejahres zur Veröffentlichung eingereicht werden.
Vorsicht vor „Schwarzgeld-Anlagen“
Wer Ihnen augenzwinkernd „ganz tolle Angebote im Bereich Schwarzgeld-Anlage“ offeriert, könnte Sie später erpressen. Gehen Sie niemals darauf ein! Bedenken Sie außerdem: Auch die Steuerfahndung ermittelt gegen die Verantwortlichen unseriöser Unternehmen. Sie könnten Ihr verlorenes Kapital nachträglich versteuern müssen und zusätzlich mit einer Strafe oder Geldbuße rechnen. Machen Sie sich nicht erpressbar. Steuerehrlichkeit erspart Ihnen schlaflose Nächte und rechtliche Probleme.
Seriöse Finanzberater erkennen
Seriöse Finanzberater zeichnen sich durch folgende Merkmale aus:
- Sie geben Ihnen ausreichend Zeit, alle Unterlagen genau zu prüfen.
- Sie empfehlen, eine zweite Meinung einzuholen, zum Beispiel bei einer Verbraucherzentrale oder einem Steuerberater.
- Sie haben keine Probleme damit, wichtige Fakten schriftlich zu bestätigen und Ihnen auszuhändigen.
- Sie unterstützen Ihre Recherchen in öffentlichen Datenbanken wie denen der BaFin, der Industrie- und Handelskammer, dem Handelsregister und dem Bundesanzeiger.
Alarmzeichen für unseriöse Anbieter
Schließen Sie niemals Verträge mit Finanzberatern ab, die:
- ohne vorherige Vereinbarung Kontakt aufnehmen und über Geldanlagen sprechen wollen.
- mit der „Freundschaftsmasche“ kommen, um vermeintliches Vertrauen zu schaffen, etwa mit Sätzen wie: „Ihr Arbeitskollege hat mir empfohlen, Sie zu fragen, ob Sie nicht auch monatlich viel Geld sparen möchten.“
- auf einen eiligen Abschluss drängen.
- hohe Renditen ohne Risiko und jederzeitige Ausstiegsmöglichkeit versprechen.
- lediglich mündliche Zusagen machen.





