Der digitale Euro steht vor der Einführung und verspricht, den Zahlungsverkehr in Europa grundlegend zu verändern. Diese neue Währung, die von den Zentralbanken des Eurosystems betrieben wird, zielt darauf ab, die Abhängigkeit von außereuropäischen Zahlungsdienstleistern zu verringern und gleichzeitig Kosten für Unternehmen zu senken. Die Vorteile reichen von geringeren Gebühren für Händler bis hin zu innovativen Zahlungsfunktionen, die den europäischen Finanzplatz stärken.
Wichtige Erkenntnisse
- Der digitale Euro senkt die Kosten für Händler durch den Wegfall internationaler Gebühren.
- Er stärkt die Position europäischer Banken und Zahlungsdienstleister.
- Zahlungen sind auch ohne Internetverbindung möglich, was die Ausfallsicherheit erhöht.
- Zukünftige bedingte Zahlungen ermöglichen automatische Transaktionen bei erfüllten Kriterien.
- Die Einführung ist für 2029 geplant, ein Pilotbetrieb beginnt 2027.
Kostenersparnis für den Handel
Einer der größten Vorteile des digitalen Euros liegt in der Reduzierung der Kosten für Unternehmen. Besonders im Einzelhandel, wo Margen oft gering sind, können die Einsparungen erheblich sein. Internationale Debit- und Kreditkarten, wie sie von Mastercard oder Visa angeboten werden, verursachen laut einer Studie der Bundesbank höhere Kosten für Händler als nationale Lösungen oder Bargeld.
Mit dem digitalen Euro entfallen zusätzliche Scheme-, Lizenz- oder Netzgebühren, die heute vor allem bei internationalen Zahlungsdienstleistern anfallen. Dies macht den europäischen Markt für alle Beteiligten attraktiver. Ob der kleine Kiosk um die Ecke oder große Online-Versandhändler – alle profitieren von niedrigeren Gebühren bei jeder Transaktion.
Faktencheck: Gebühren im Handel
Internationale Kredit- und Debitkarten verursachen für Händler oft die höchsten Transaktionskosten. Der digitale Euro soll diese Kosten signifikant reduzieren, indem er eine gebührenfreie Infrastruktur des Eurosystems nutzt.
Stärkung europäischer Infrastruktur
Europa ist derzeit stark von außereuropäischen Zahlungsdienstleistern abhängig. Viele europäische Länder verfügen über eigene Zahlungslösungen, die jedoch oft nicht grenzüberschreitend funktionieren. Der digitale Euro wird auf einer europaweit einheitlichen Infrastruktur des Eurosystems betrieben. Dies reduziert fragmentierte Systeme und länderspezifische Barrieren.
Die Verringerung der Abhängigkeit von externen Anbietern minimiert nicht nur hohe Gebühren, sondern auch Risiken durch technische Störungen oder geopolitische Spannungen. Europa schafft so eine eigene, robuste und sichere digitale Zahlungsalternative.
„Der digitale Euro wird die zentrale Rolle der Banken und Zahlungsdienstleister im Zahlungsverkehr sichern. Sie bleiben die wichtigsten Ansprechpartner für Privatpersonen, Handel und Unternehmen.“
Unabhängigkeit und Ausfallsicherheit
Ein weiterer entscheidender Vorteil des digitalen Euros ist die Möglichkeit, Zahlungen auch ohne Internetverbindung abzuwickeln. Dies ist besonders in Krisensituationen, etwa bei Stromausfällen oder Netzproblemen, von großer Bedeutung. Händler und Dienstleister können auch unter solchen Bedingungen Umsätze generieren und handlungsfähig bleiben.
Hintergrund: Fragmentierte Zahlungssysteme
Aktuell existieren in Europa zahlreiche nationale Zahlungssysteme, die oft nicht miteinander kompatibel sind. Dies erschwert grenzüberschreitende Zahlungen und fördert die Nutzung internationaler Anbieter. Der digitale Euro soll diese Fragmentierung überwinden.
Rolle der Banken und innovative Dienste
Der digitale Euro ist nicht als Konkurrenz zu Banken gedacht, sondern soll deren zentrale Rolle im Zahlungsverkehr festigen. Banken und Zahlungsdienstleister bleiben die primären Ansprechpartner für Kunden und erbringen alle Endnutzerdienste. Sie sind die sichtbare Schnittstelle zum Kunden, nicht nur Infrastrukturanbieter im Hintergrund.
Ein klarer regulatorischer Rahmen wird sicherstellen, dass Banken und andere Zahlungsdienstleister für die Bereitstellung und Abwicklung des digitalen Euros angemessen vergütet werden. Das Eurosystem stellt seine Infrastruktur den Banken und Zahlungsdienstleistern gebührenfrei zur Verfügung, was Anreize für die Teilnahme schafft.
Zusätzliche Einnahmequellen durch Innovation
Banken können über die Basisdienste hinaus zusätzliche Dienstleistungen entwickeln, die mit dem digitalen Euro verknüpft sind. Dies eröffnet neue Einnahmequellen. Besonders vielversprechend sind bedingte Zahlungen. Dabei handelt es sich um automatische Zahlungen, die erst ausgelöst werden, wenn vordefinierte Bedingungen erfüllt sind.
- Bei einer Online-Bestellung könnte die Zahlung erst nach erfolgreicher Zustellung des Pakets erfolgen.
- Im Mobilitätssektor könnte der Fahrpreis eines Zugtickets erst nach pünktlicher Ankunft abgebucht oder bei Verspätung automatisch reduziert werden.
Die Europäische Zentralbank (EZB) hat solche innovativen Anwendungsfälle bereits in technischen Experimenten untersucht. Fast 70 Marktteilnehmer, darunter Händler, Fintechs und Banken, haben an dieser Innovationsplattform teilgenommen.
Der Weg zur Einführung
Der digitale Euro wird wie Bargeld ein gesetzliches Zahlungsmittel sein. Dies bedeutet, dass Unternehmen ihn grundsätzlich akzeptieren müssen, was ihm eine starke Startposition gegenüber etablierten internationalen Zahlungsdienstleistern verschafft. Für die Einführung ist ein europäischer Gesetzesrahmen erforderlich. Ein Entwurf der EU-Kommission wird derzeit im Rat der Europäischen Union und im Europäischen Parlament verhandelt.
Der Rat hat sich bereits auf einen Gesetzestext geeinigt. Die Meinungsbildung im Parlament soll bis Mai 2026 abgeschlossen sein. Der Gesetzesrahmen regelt auch die Nutzung des digitalen Euros in EU-Ländern außerhalb des Euroraums, wobei alle in der Union ansässigen Zahlungsdienstleister ihn anbieten können sollen.
Pilotbetrieb und Zeitplan
Ein Pilotbetrieb ist für das Jahr 2027 geplant. Dieser soll wichtige Erkenntnisse zu operativen, technischen und nutzerbezogenen Aspekten liefern. Die finale Einführung des digitalen Euros wird für 2029 angestrebt.
Die zugrunde liegenden Technologien, insbesondere bedingte Zahlungen, könnten künftig auch für Zahlungen und Abwicklungsprozesse zwischen Unternehmen relevant werden. Dies könnte die Effizienz komplexer Vertragsvereinbarungen steigern, Kosten senken und die Standardisierung fördern.
Zukunftsperspektiven: DLT und Smart Contracts
Die Digitalisierung könnte zu einer neuen Organisation von Lieferketten führen, basierend auf Distributed-Ledger-Technologien (DLT). Mit „Smart Contracts“ könnten sich selbst ausführende digitale Verträge automatische Zahlungen von Maschine zu Maschine ermöglichen. Das Eurosystem entwickelt hierfür bereits neue Lösungen mit digitalem Zentralbankgeld.





