Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat angekündigt, rechtliche Schritte gegen die Wiedereinführung von Tempo 50 auf einem Abschnitt des Mittleren Rings in München einzuleiten. Diese Entscheidung von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) sei ein klarer Verstoß gegen den aktuellen Luftreinhalteplan der Stadt, so der Verein. Der Streit um die Luftqualität in der bayerischen Landeshauptstadt erreicht damit eine neue Eskalationsstufe.
Wichtige Punkte
- DUH kündigt Klage gegen Tempo 50 auf dem Mittleren Ring an.
- Oberbürgermeister Reiter kippte Tempo 30 nach zwei Jahren.
- Die DUH hatte Tempo 30 gerichtlich durchgesetzt.
- Stickstoffdioxid-Grenzwerte sind Ursache des Konflikts.
Hintergrund des Konflikts: Hohe Stickstoffdioxidwerte
Der Kern des langjährigen Konflikts sind die hohen Belastungen mit Stickstoffdioxid (NO2) in München. Dieser Schadstoff, hauptsächlich durch Dieselabgase verursacht, kann ernsthafte gesundheitliche Probleme hervorrufen. Dazu gehören Atemwegsbeschwerden sowie Erkrankungen der Lunge und des Herz-Kreislauf-Systems.
Die Europäische Union hat für Stickstoffdioxid einen Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter im Jahresmittel festgelegt. München überschritt diesen Wert über Jahre hinweg an mehreren Messstationen, insbesondere an der Landshuter Allee, einem stark frequentierten Abschnitt des Mittleren Rings.
Was ist Stickstoffdioxid?
Stickstoffdioxid (NO2) ist ein Reizgas, das vor allem in Städten durch den Straßenverkehr entsteht. Es ist ein wichtiger Indikator für die Luftqualität und hat direkte Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt. Lange Zeiträume mit hohen Konzentrationen können chronische Atemwegserkrankungen verschlimmern und das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen.
Gerichtlicher Erfolg der Umwelthilfe
Bereits im Jahr 2024 hatte die Deutsche Umwelthilfe vor Gericht einen entscheidenden Sieg errungen. Das Gericht verpflichtete die Stadt München, wirksame Maßnahmen zu ergreifen, um die Stickstoffdioxid-Grenzwerte dauerhaft einzuhalten. Dies war eine direkte Folge einer Klage der DUH.
Um eine Ausweitung der bestehenden Umweltzone auf Fahrzeuge mit der Abgasnorm 5 zu vermeiden, entschied sich die Stadt damals für die Einführung von Tempo 30. Diese Maßnahme galt ab Juni 2024 auf einem rund 2,5 Kilometer langen Teilstück des Mittleren Rings, speziell an der Landshuter Allee.
„Die Anordnung von Oberbürgermeister Dieter Reiter stellt einen eklatanten Verstoß gegen den Luftreinhalteplan dar, den die Stadt 2024 wegen zu hoher Belastung mit dem Dieselabgasgift Stickstoffdioxid nach einer erfolgreichen Klage der DUH nachschärfen musste“, erklärte die Deutsche Umwelthilfe in einer Mitteilung.
Die Kehrtwende: Tempo 50 kehrt zurück
Nachdem die Luftbelastung an dem betroffenen Abschnitt des Mittleren Rings zwei Jahre in Folge unter dem gesetzlichen Grenzwert gelegen hatte, ordnete Oberbürgermeister Reiter kürzlich an, die Geschwindigkeitsbegrenzung wieder aufzuheben. Seit diesem Dienstag gilt dort wieder Tempo 50.
Diese Entscheidung beruft sich auf die jüngsten Messwerte, die eine Verbesserung der Luftqualität suggerieren. Kritiker vermuten jedoch, dass diese Werte auch ohne das Tempolimit gesunken wären, eine Behauptung, die bisher nicht bewiesen ist.
Messstationen im Fokus
Die Messstation an der Landshuter Allee ist eine der wichtigsten in München. Ihre Werte dienen zur Errechnung der Luftbelastung in der innerstädtischen Umweltzone. Die Ergebnisse dieser Station sind ausschlaggebend für die behördlichen Entscheidungen bezüglich der Verkehrsregelung.
DUH kündigt Details der Klage an
Die Deutsche Umwelthilfe hat angekündigt, am kommenden Montag weitere Details zu den geplanten rechtlichen Schritten vorzustellen. Es wird erwartet, dass die Organisation präzise darlegen wird, wie sie die Entscheidung der Stadt München anfechten möchte und welche rechtlichen Argumente sie ins Feld führen wird.
Der Verein sieht in der Rücknahme von Tempo 30 einen Rückschritt im Kampf gegen die Luftverschmutzung und eine Missachtung der gerichtlichen Auflagen. Es bleibt abzuwarten, wie die Gerichte diesen neuen Fall bewerten werden und welche Auswirkungen dies auf die Verkehrspolitik in München haben wird.
Auswirkungen von Tempolimits
Tempolimits wie Tempo 30 können nicht nur die Stickstoffdioxid-Belastung senken, sondern auch den Lärmpegel reduzieren und die Verkehrssicherheit erhöhen. Studien zeigen, dass eine geringere Geschwindigkeit zu weniger Emissionen führt, insbesondere im Stop-and-Go-Verkehr, der in städtischen Gebieten häufig ist.
Blick in die Zukunft: Droht eine Ausweitung der Umweltzone?
Sollte die Klage der DUH erfolgreich sein und die Luftwerte wieder steigen, könnte dies weitreichende Konsequenzen haben. Eine der ursprünglich befürchteten Maßnahmen war die Ausweitung der Umweltzone auf Diesel-Fahrzeuge der Abgasnorm 5, was viele Pendler und Anwohner betreffen würde.
Die Stadt München steht vor der Herausforderung, die Balance zwischen Verkehrsfluss und Umweltschutz zu finden. Der aktuelle Konflikt zeigt, wie schwierig es ist, dauerhafte Lösungen für die Luftqualität in dicht besiedelten Gebieten zu implementieren und aufrechtzuerhalten.
- Gesundheitliche Aspekte: Die Reduzierung von Stickstoffdioxid ist entscheidend für die öffentliche Gesundheit.
- Rechtliche Konsequenzen: Gerichtliche Entscheidungen spielen eine zentrale Rolle in der Umweltpolitik.
- Verkehrsplanung: Die Stadt muss effektive Strategien zur Emissionsreduzierung entwickeln.
Die Entwicklungen in München werden genau beobachtet, da sie Präzedenzfälle für andere deutsche Städte schaffen könnten, die ebenfalls mit hohen Luftschadstoffwerten zu kämpfen haben.





