Millionen von alten Mobiltelefonen verstauben in deutschen Haushalten. Doch diese ungenutzten Geräte sind keine bloßen Relikte der Vergangenheit, sondern wahre Rohstofflager. Sie enthalten wertvolle Metalle wie Gold, Silber und Kupfer, deren Rückgewinnung einen wichtigen Beitrag zum Umweltschutz leisten kann. Statt sie zu lagern, sollten Verbraucher ihre alten Handys aktiv recyceln, spenden oder verkaufen.
Wichtige Erkenntnisse
- Rund 195 Millionen Althandys lagern ungenutzt in deutschen Haushalten.
- Diese Geräte enthalten wertvolle Rohstoffe wie Gold, Silber und Kupfer.
- Eine längere Nutzung von Smartphones oder der Kauf gebrauchter Geräte schont Ressourcen und reduziert CO₂-Emissionen.
- Funktionsfähige Handys sollten verkauft, verschenkt oder gespendet werden.
- Defekte Geräte gehören ins Recycling, nicht in den Hausmüll.
- Daten müssen vor der Weitergabe sicher gelöscht werden.
Warum alte Handys nicht in die Schublade gehören
In deutschen Haushalten befinden sich schätzungsweise 195 Millionen ungenutzte Althandys. Viele Menschen bewahren mehrere ausrangierte Geräte auf, oft in Schubladen oder Schränken. Dieser scheinbar harmlose Akt des Lagerns hat jedoch weitreichende Folgen für die Umwelt und die globale Rohstoffversorgung.
Jedes Smartphone besteht aus über 50 verschiedenen Metallen. Dazu gehören Edelmetalle wie Gold, Silber und Kupfer, aber auch seltene Erden. Der Abbau dieser Rohstoffe ist oft mit erheblichen Umweltbelastungen verbunden. Es werden umwelt- und gesundheitsschädliche Chemikalien eingesetzt, und die Arbeitsbedingungen in den Minen sind häufig prekär. Indem alte Handys ungenutzt bleiben, gehen diese wertvollen Materialien dem Wirtschaftskreislauf verloren.
Fakt: Der Wert im Müll
Obwohl der Materialwert eines einzelnen Handys an recycelbaren Metallen nur etwa 1 Euro beträgt, summiert sich dies. Hochgerechnet auf die Millionen Geräte in deutschen Haushalten steckt hier ein enormer Schatz an wertvollen Rohstoffen.
Urban Mining: Ein Schatz aus Elektroschrott
Das Recycling alter Handys ist ein wichtiger Bestandteil des sogenannten „Urban Mining“. Dieser Begriff beschreibt die Rückgewinnung von Rohstoffen aus Elektroschrott. Durch Urban Mining kann der Bedarf an neu abgebauten Ressourcen deutlich reduziert werden. Es ist eine nachhaltige Methode, um die Kreislaufwirtschaft zu stärken und die Umweltbelastung durch den Bergbau zu verringern.
Die Herstellung eines neuen Smartphones verursacht erhebliche CO₂-Emissionen. Dies beginnt bei der energieintensiven Produktion der Komponenten, geht über die Gewinnung und den Transport der Rohstoffe und endet beim weltweiten Vertrieb. Wer sein Handy länger nutzt oder ein gebrauchtes Gerät kauft, leistet einen direkten Beitrag zum Klimaschutz.
„Jedes recycelte Handy schont die Umwelt und sichert wertvolle Rohstoffe für die Zukunft. Im Hausmüll würden diese Metalle unwiederbringlich verloren gehen.“
Längere Nutzung schont Klima und Geldbeutel
Ein Smartphone länger zu nutzen, spart nicht nur Geld, sondern auch Ressourcen. Viele Defekte, wie ein kaputtes Display oder ein schwacher Akku, lassen sich reparieren. Dies ist oft günstiger und umweltfreundlicher als ein Neukauf. Auch der Kauf von generalüberholten Secondhand-Smartphones ist eine gute Alternative, um Ressourcen zu schonen.
Hintergrund: EU-Vorgaben für Langlebigkeit
Seit 2025 müssen Hersteller für Smartphones mindestens 5 Jahre funktionale Updates und Sicherheitsaktualisierungen bereitstellen. Zudem soll ein Energielabel über Energieeffizienz, Langlebigkeit und Reparierbarkeit informieren, um Verbrauchern die Wahl nachhaltigerer Produkte zu erleichtern.
Was tun mit funktionsfähigen Handys?
Funktionsfähige Handys sollten keinesfalls in der Schublade landen. Es gibt mehrere Optionen, um sie sinnvoll weiterzugeben:
Verkauf über Kleinanzeigen oder Secondhand-Plattformen
Wer sein noch funktionierendes Smartphone selbst über Kleinanzeigen-Portale oder spezielle Secondhand-Plattformen verkauft, erzielt in der Regel den besten Preis. Der Aufwand ist hier etwas höher, aber finanziell lohnt es sich. Verbraucherschützer raten von Ankaufportalen ab, da der Markt dort oft intransparent ist.
Wichtig: Vor dem Verkauf müssen alle persönlichen Daten sicher gelöscht und das Gerät auf Werkseinstellungen zurückgesetzt werden.
Spenden an gemeinnützige Organisationen
Eine weitere Möglichkeit ist die Spende an gemeinnützige Organisationen. Diese Organisationen sammeln funktionsfähige Geräte und geben sie oft an Menschen in ärmeren Ländern weiter, die sich keine Neugeräte leisten können. Dies schont nicht nur die Umwelt, sondern leistet auch einen wichtigen sozialen Beitrag.
- Das Netzwerk HandyAktionen ist eine solche Initiative, die in verschiedenen Bundesländern aktiv ist.
- Gespendete Handys gehen nach der Sortierung oft an Recyclingfirmen. Funktionsfähige Geräte werden wiederverkauft, defekte recycelt.
Für jedes gesammelte Handy erhalten die Sammelorganisationen meist 1 bis 3 Euro, die sie für Umwelt- und Sozialprojekte einsetzen. Es ist ratsam, sich vorab über den Verwendungszweck der Spende zu informieren.
Gut zu wissen: Handy-Nutzung in Afrika
In vielen afrikanischen Ländern gibt es kaum Festnetz, aber eine hohe Mobilfunknutzung. Bezahlsysteme funktionieren oft per SMS, auch ohne Internet. Alte, funktionierende Handys sind dort essenziell für Kommunikation und Wirtschaft.
Sichere Datenlöschung vor der Weitergabe
Bevor ein Handy verkauft, verschenkt oder gespendet wird, ist die sichere Löschung aller gespeicherten Daten unerlässlich. Private Fotos, Passwörter, Kontakte und andere sensible Informationen könnten sonst in falsche Hände geraten.
Die sicherste Methode ist das Zurücksetzen des Geräts auf die Werkseinstellungen. Für Apple- und Android-Geräte gibt es detaillierte Anleitungen, wie dies Schritt für Schritt durchgeführt wird. Bei maximaler Sicherheit kann auch eine physikalische Datenlöschung in Betracht gezogen werden.
Wo können defekte Handys entsorgt werden?
Defekte Handys gehören auf keinen Fall in den Hausmüll. Dort gehen wertvolle Metalle unwiederbringlich verloren. Es gibt jedoch zahlreiche kostenlose Abgabestellen:
Rücknahmepflicht für Händler
Seit 2022 sind viele Händler gesetzlich zur Rücknahme von alten Elektrogeräten verpflichtet. Dazu gehören:
- Elektrofachhandel: Geschäfte mit mindestens 400 m² Verkaufsfläche für Elektrogeräte müssen Althandys annehmen.
- Supermärkte, Discounter und Drogeriemärkte: Seit dem 1. Juli 2022 gilt die Rücknahmepflicht auch für Geschäfte ab 800 m² Verkaufsfläche, die mehrmals im Jahr Elektro- und Elektronikgeräte anbieten.
- Online- und Versandhandel: Auch hier besteht eine Rücknahmepflicht ab einer Versand- und Lagerfläche von 400 m².
Die 0:1-Regelung
Für Kleingeräte wie Handys und Smartphones, deren längste Kantenlänge unter 25 cm liegt, gilt die sogenannte „0:1-Regelung“. Das bedeutet, Verbraucher können diese Geräte kostenlos abgeben, ohne gleichzeitig ein neues Gerät kaufen zu müssen. Die Händler sind zur Annahme verpflichtet.
Abgabestellen im Überblick
- Wertstoff- und Recyclinghöfe
- Kommunale Sammelstellen
- Elektrofachhandel (ab 400 m² Verkaufsfläche)
- Supermärkte, Discounter, Drogeriemärkte (ab 800 m² Verkaufsfläche und Verkauf von Elektroartikeln)
- Online- und Versandhandel (ab 400 m² Lager-/Versandfläche)
- Viele Telefonläden der Mobilfunkanbieter
- Spendenorganisationen
Der Recyclingprozess: Wie Metalle zurückgewonnen werden
In Europa gibt es spezialisierte Unternehmen, die die Technologie besitzen, um wertvolle Metalle aus Handys zurückzugewinnen. Der Prozess läuft in mehreren Schritten ab:
- Sortierung: Die Geräte werden nach Zustand und Typ sortiert.
- Wiederverwendung (ReUse): Noch funktionierende Geräte werden aufbereitet und weiterverkauft.
- Zerlegung: Defekte oder sehr alte Geräte werden in ihre Einzelteile zerlegt.
- Rohstoffgewinnung: Wertvolle Metalle wie Gold, Silber, Kupfer und seltene Erden werden durch chemische und physikalische Verfahren extrahiert und für die Wiederverwertung aufbereitet.
Dieses Vorgehen schützt die Umwelt und sichert wichtige Rohstoffe für zukünftige Produkte. Im Gegensatz dazu gehen Metalle, die im Hausmüll landen, für immer verloren.
Vor dem Neukauf: Reparieren oder gebraucht kaufen?
Bevor man sich für ein neues Smartphone entscheidet, sollte man einige Fragen prüfen:
- Reparatur des alten Handys: Ist eine Reparatur des bestehenden Geräts möglich und sinnvoll? Viele Defekte sind behebbar.
- Gebrauchtes Smartphone: Reicht ein Secondhand-Gerät aus? Generalüberholte Smartphones sind oft deutlich günstiger und schonen Ressourcen.
Falls ein Neukauf unumgänglich ist, sollten Verbraucher auf Kriterien wie faire Produktion, Energieeffizienz, Langlebigkeit und Reparierbarkeit achten. Hersteller wie Fairphone oder Shiftphone bieten beispielsweise Geräte an, die auf Nachhaltigkeit ausgelegt sind.
Ein Blick auf unabhängige Nachhaltigkeitssiegel kann bei der Kaufentscheidung helfen. Die längere Nutzung von Smartphones ist nicht nur gut für den Geldbeutel, sondern auch ein wichtiger Beitrag zum Schutz unserer Umwelt.
Statistik: Schneller Austausch
Im Jahr 2023 wurden in Deutschland etwa 1,17 Millionen Smartphones verkauft. Über 68 Millionen Menschen nutzen ein Smartphone. Laut Statista sind jedoch nur 11 Prozent der genutzten Smartphones älter als drei Jahre. Viele Geräte werden schnell ersetzt, obwohl eine längere Nutzung ökologisch und ökonomisch sinnvoller wäre.





