Polen beschleunigt den Ausbau seiner Energiespeicherkapazitäten deutlich. Mehrere Großprojekte, darunter Batteriespeichersysteme (BESS) mit einer Gesamtleistung von mehreren Gigawatt, starten in die Bauphase. Dies ist eine direkte Reaktion auf den geplanten Kohleausstieg und den steigenden Bedarf an Netzstabilität durch erneuerbare Energien.
Wichtige Punkte
- Polen investiert stark in Batteriespeicher, um die Energieversorgung zu sichern.
- Über 5 GW an BESS-Projekten wurden in den letzten Kapazitätsmarktauktionen vergeben.
- Große Energieunternehmen wie EDF, Eurus Energy, R.Power und EDP treiben den Ausbau voran.
- Der Kapazitätsmarkt bietet 17-jährige garantierte Einnahmen, was Investitionen attraktiv macht.
- Die EU unterstützt Projekte über den InvestEU-Fonds.
Massive Investitionen in Energiespeicher
Der polnische Energiesektor erlebt derzeit eine beispiellose Welle von Investitionen in großskalige Energiespeichersysteme. Unternehmen wie EDF Power Solutions, Eurus Energy Europe, Eiffel Investment Group, Ergy, R.Power Renewables und EDP sind aktiv am Markt. Der Fokus liegt auf der Errichtung von Batteriespeichersystemen (BESS), die entscheidend für die Stabilität des Stromnetzes sind.
Diese Entwicklung ist eng mit den Zielen des polnischen Kapazitätsmarktes (CM) verknüpft. Der CM wurde eingeführt, um die Versorgungssicherheit des Landes zu gewährleisten, insbesondere angesichts des schrittweisen Ausstiegs aus der Kohleverstromung und der zunehmenden Integration erneuerbarer Energien. Die ersten Liefertermine für die in den Jahren 2022 bis 2025 versteigerten Kapazitäten rücken näher, was den Baubeginn vieler Projekte erklärt.
Faktencheck: Kapazitätsmarkt
- Der polnische Kapazitätsmarkt hat BESS-Projekten Verpflichtungen von rund 5 GW zugewiesen.
- Die tatsächliche Größe dieser Projekte liegt eher bei 10-20 GW.
- Der CM bietet 17-jährige garantierte Einnahmen, eine wichtige Grundlage für viele Investitionen.
Schlüsselakteure und ihre Projekte
Eine gemeinsame Initiative von EDF Power Solutions und Eurus Energy Europe ist die Gründung eines Joint Ventures. Ziel ist der Bau und Betrieb eines BESS mit 120 MW Leistung und 280 MWh Speicherkapazität in Porąbka. Das Projekt, ursprünglich von EDF Power Solutions Polska entwickelt, soll in Kürze mit dem Bau beginnen. Die kommerzielle Inbetriebnahme ist für die zweite Hälfte des Jahres 2027 geplant.
„Dieses Projekt ist ein weiterer wichtiger Schritt für die Energiesicherheit Polens und unsere Präsenz in der Region“, erklärte ein Sprecher von Eurus Energy. „Wir bringen unsere internationale Erfahrung im Bereich erneuerbarer Energien ein.“
Für Eurus ist dies das erste Projekt in Polen, während EDF Power Solutions bereits ein 120 MWh System in Betrieb genommen hat. Die Zusammenarbeit unterstreicht die wachsende Bedeutung internationaler Partnerschaften für den polnischen Energiemarkt.
Weitere Großprojekte im Bau
Auch die Eiffel Investment Group und Ergy haben sich zusammengeschlossen, um in polnische BESS-Projekte zu investieren. Ihr erstes Vorhaben ist ein 46 MW/184 MWh System in Baczyna. Dieses Projekt ist baureif und soll 2028 in Betrieb gehen. Es profitiert ebenfalls von einem Vertrag im Rahmen des Kapazitätsmarktes.
Die Eiffel Investment Group bringt ihre Expertise im Bereich langfristiger Infrastrukturinvestitionen ein, während Ergy für die Entwicklung, Finanzierung, den Bau und das Management der Projekte verantwortlich ist. Die Partner planen, weitere Projekte in Polen zu akquirieren. Sie betonen, dass das Baczyna-Projekt auch durch den InvestEU-Fonds der Europäischen Union unterstützt wird. Dieser Fonds mobilisiert private Investitionen in kritischen Industrien und hat bereits BESS-Projekte in Dänemark und anderen mittel- und osteuropäischen Ländern gefördert.
Hintergrund: EU-Unterstützung
Der InvestEU-Fonds ist ein zentrales Instrument der Europäischen Union, um nachhaltige Investitionen anzuziehen. Er bietet Finanzierungspakete an, die private Sektorinvestitionen in strategischen Bereichen wie der Energiewende fördern. Dies hilft Ländern wie Polen, ihre Klimaziele zu erreichen und gleichzeitig die Energiesicherheit zu erhöhen.
R.Power und Axpo: Starke Partnerschaften
R.Power, ein weiterer wichtiger Akteur, hat kürzlich EPC-Verträge (Engineering, Procurement, and Construction) für zwei weitere Großprojekte in Polen unterzeichnet. Das Dzięgielewo-Projekt umfasst ein BESS mit beeindruckenden 300 MW Leistung und 1.200 MWh Speicherkapazität. Für die Umsetzung wurde das Unternehmen Onde beauftragt.
Ein weiteres Großprojekt ist das Gdańsk-BESS mit 250 MW und 1.000 MWh, das von Esix realisiert wird. Beide Anlagen sollen Ende 2027 oder Anfang 2028 ans Netz gehen. R.Power hat bereits im Mai dieses Jahres einen 10-jährigen Optimierungsvertrag mit dem Energieunternehmen Axpo für das Dzięgielewo-Projekt abgeschlossen.
Obwohl R.Power keine spezifischen CM-Verträge für diese beiden Projekte nannte, hat das Unternehmen bereits Verpflichtungen für 1,7 GW/6,3 GWh an BESS im Rahmen des polnischen Kapazitätsmarktes gewonnen. Es ist daher wahrscheinlich, dass diese Projekte Teil dieser Verpflichtungen sind. R.Power ist auch offen für den Verkauf einiger seiner Projekte, wie kürzlich beim 250 MW/1 GWh Tursko Wielkie BESS an Engie geschehen.
Zusätzlich zu diesen Projekten baut R.Power ein 150 MW/300 MWh BESS in Jedwabno und das 127 MW/254 MWh Scornicesti-Projekt in Rumänien, an dem auch Eiffel beteiligt ist.
EDP erweitert dezentrale Speicherung
Das portugiesische Energieunternehmen EDP konzentriert sich nicht nur auf Großprojekte, sondern auch auf dezentrale Lösungen. EDP wird BESS-Einheiten mit insgesamt 8 MW Leistung und 20 MWh Speicherkapazität für den Logistikkonzern CLIP an vier verschiedenen Standorten installieren. Diese Systeme sollen CLIP helfen, den Stromverbrauch effizienter zu steuern und die Energiekosten zu senken.
Die Implementierung dezentraler Speichersysteme bei Unternehmen wie CLIP zeigt, dass Energiespeicher nicht nur für die Netzstabilität von Bedeutung sind, sondern auch für die Optimierung des Energieverbrauchs in der Industrie. Dies ist ein wichtiger Trend, um die Flexibilität des Energiesystems insgesamt zu erhöhen und die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen weiter zu reduzieren.
Polens Energiewende in Zahlen
- Ziel: Kohleausstieg und Integration erneuerbarer Energien.
- Gesamtkapazität an BESS-Verpflichtungen im CM: ca. 5 GW.
- Größtes Einzelprojekt: Dzięgielewo mit 300 MW/1.200 MWh.
- Internationale Investitionen sichern den Ausbau.
Ausblick auf die Zukunft
Die aktuellen Entwicklungen in Polen zeigen einen klaren Trend: Das Land positioniert sich als wichtiger Markt für Energiespeicherlösungen in Mittel- und Osteuropa. Die Kombination aus politischer Unterstützung durch den Kapazitätsmarkt, der Förderung durch EU-Fonds und dem Engagement internationaler sowie lokaler Energieunternehmen schafft ein dynamisches Umfeld für die Energiewende.
Die kommenden Jahre werden entscheidend sein, um zu sehen, wie schnell Polen seine Energiespeicherinfrastruktur ausbauen kann, um den steigenden Anforderungen an Netzstabilität und die Integration erneuerbarer Energien gerecht zu werden. Die Projekte, die jetzt in Bau gehen, sind ein starkes Signal für die Entschlossenheit Polens, seine Energiezukunft neu zu gestalten.





